Studierende angeklagt
Thailand
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Gegen 16 Studierende ist Anklage im Zusammenhang mit der Teilnahme an einem friedlichen Protest erhoben worden. Ihnen könnte ein Gerichtsverfahren vor einem Militärgericht drohen. 14 der Studierenden befinden sich in Untersuchungshaft. Sie sind wegen "Volksverhetzung" angeklagt worden, wofür ihnen Haftstrafen von bis zu sieben Jahren drohen könnten.
Appell an
POLIZEIPRÄSIDENT
Gen. Somyot Pumpanmuang
Royal Thai Police, 1 Building
Floor 7 Rama 1 Road Pathumwan
Bangkok 10330
THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Polizeipräsident)
Fax: (00 66) 2618 2538
E-Mail: prforeign@gmail.com
PREMIERMINISTER
Gen. Prayuth Chan-ocha
Government House
Pitsanulok Road, Dusit
Bangkok 10300
THAILAND
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Premierminister)
Fax: (00 66) 2282 5131
Sende eine Kopie an
VIZEPREMIERMINISTER UND AUSSENMINISTER
Thanasak Patimapragorn
Ministry of Foreign Affairs, Sri Ayudhya Road
Bangkok 10400, THAILAND
Fax: (00 66) 2643 5320 oder
(00 66) 2643 5314
E-Mail: minister@mfa.go.th
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana,
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder 030-7948 1251
E-Mail: general@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. August 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte lassen Sie alle Anklagen gegen die 16 oben genannten Studierenden fallen, die im Zusammenhang mit der friedlichen Wahrnehmung ihres Menschenrechts auf Versammlungsfreiheit erhoben wurden. Lassen Sie die 14 Studierenden, die sich noch immer in Haft befinden, sofort und bedingungslos frei.
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Bitte stellen Sie sicher, dass die 14 Student_innen bis zu ihrer bedingungslosen Freilassung nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt werden, dass sie Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen ihrer Wahl haben, und dass sie angemessene medizinische Versorgung erhalten.
- Ich bitte Sie, alle Gesetze und Verordnungen, welche das Recht Versammlungsfreiheit willkürlich einschränken, in Übereinstimmung mit Thailands Verpflichtungen unter internationalen Menschenrechtsnormen aufzuheben oder abzuändern.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to immediately and unconditionally release the above 14 students and drop all charges against all 16 students charged in relation to their exercise of the human right to peaceful assembly.
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Urging that pending the release of the 14 above students they are not tortured or otherwise ill-treated and have access to lawyers of their choice, visits from family members and adequate medical care.
- Calling on them to repeal or else amend all laws and edicts which arbitrarily restrict the right to peaceful assembly in accordance with Thailand’s obligations under international human rights law.
Sachlage
Thatchapong Gaedum und Nachacha Kongudom wurden am 23. Mai festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Anordnung 3/2015 des Nationalrats für Sicherheit und Ordnung verletzt zu haben. Die Anordnung stellt friedliche politische Versammlungen, an denen mehr als fünf Personen beteiligt sind, unter Strafe. Die beiden Studierenden wurden später gegen Kaution wieder freigelassen. Am 26. Juni gegen 17.00 Uhr nahmen Polizeibeamt_innen in Zivil die Student_innen Chatupat Boonyapatraksa, Apiwat Suntararak, Payu Boonsophon, Panupong Srithananuwat, Suvicha Tipangkorn, Supachai Phukrongploy, Wasant Satesit, Rattapol Supasuphon, Rangsiman Rome, Songtham Kaewpanpruk, Chonthicha Jaengraew, Apisit Sapnapapan, Pakorn Areekul und Pornchai Yuanyee fest, und klagten sie ebenfalls unter dem Vorwurf, ein Verbot über politische Versammlungen missachtet zu haben, an. Den 14 Studierenden drohen Anklagen wegen "Volksverhetzung" unter Paragraf 116 des thailändischen Strafgesetzbuches. Personen, die unter diesem Paragrafen wegen der Anstiftung zur "Unruhe und Unzufriedenheit […] oder zum Verstoß gegen nationale Gesetze" angeklagt werden, droht eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren.
Die Studierenden hatten am 22. Mai, dem Jahrestag des Militärputsches von 2014, an zwei friedlichen Demonstrationen in den Zentren der Hauptstadt Bangkok und der Stadt Khon Kaen, die im Nordosten Thailands liegt, teilgenommen. Nachdem sie offiziell aufgefordert worden waren, sich bei der Polizei zu melden, führten die Student_innen am 24. und 25. Juni zwei weitere friedliche Proteste in Bangkok durch. Einer dieser Proteste fand am 24. Juni vor einer Polizeistation statt. Polizeibeamt_innen, die sich in der Station aufhielten, weigerten sich Berichten zufolge, eine Anzeige der thailändischen Studierenden aufzunehmen. Die Studierenden wollten Angriffe durch Angehörige der Behörden während des Protests am 22. Mai zur Anzeige bringen.
Amnesty International betrachtet die 14 Studierenden als gewaltlose politische Gefangene, die sich lediglich wegen der friedlichen Wahrnehmung ihrer Menschenrechte in Haft befinden.
Hintergrundinformation
Am 19. Juni hatten die Behörden bekanntgegeben, dass sie die Student_innen festnehmen würden, sollten sie sich nicht bei der Polizei melden, um sich im Zusammenhang mit den gegen sie erhobenen Vorwürfen zu stellen. Man warf den Studierenden vor, am 22. Mai das offizielle Verbot von politischen Aktivitäten missachtet und eine öffentliche Versammlung abgehalten zu haben, indem sie gegen den Militärputsch von 2014 in Thailand demonstrierten.
Die sieben Studierenden der Universität Khon Kaen sind Mitglieder der Dao Din, einer Studierendengruppe der Universität, die als Diskussionsforum dient und sich für Menschenrechte einsetzt. Im Dezember 2014 zeichnete die Nationale Menschenrechtskommission von Thailand die Studierendengruppe wegen ihrer Arbeit im Bereich von Umwelt-, und Sozialkampagnen mit einem Preis aus. Basisdemokratische Umweltgruppen, welche die sieben Studierenden seit deren Inhaftierung im Mai 2015 öffentlich unterstützen, wurden von den Behörden gewarnt, dass solche Aktivitäten verboten seien. U.a. richtete sich die Drohung gegen die Bewegung Neo-E-Saan und die Gruppe Khon Rak BanKoed.
Im November 2014 wurden Mitglieder der Studentengruppe Dao Din festgenommen, weil sie während einer Rede des Generals Prayuth Chan-Ocha in Khon Kaen den Dreifinger-Salut, ein Protestsymbol aus der Büchertrilogie "Tribute von Panem", gezeigt hatten.
Während des Protests in Bangkok am 22. Mai nahm die Polizei mehr als 30 Studierende und Aktivist_innen im Kunst-, und Kulturzentrum in Bangkok fest. Das Zentrum war einer der ersten Orte, an dem im Jahr 2014 die spontanen Proteste gegen den Militärputsch stattfanden. Augenzeug_innen berichteten, dass Studierende von Militär-, und Polizeibeamt_innen in Zivil grundlos angriffen wurden. Auf YouTube veröffentlichte Videos scheinen diese Aussagen zu bestätigen. Der Student Songtham Kaewpanpruk musste medizinisch notversorgt werden, nachdem er bewusstlos aufgefunden wurde. Berichten zufolge wurden die beiden Studenten Rattapol Supasuphon und Rangsiman Rome ebenfalls verletzt. Die drei gehören zu den Studierenden, die sich derzeit in Haft befinden.
Seit der Machtergreifung des Militärs am 22. Mai 2014 sind politische Versammlungen mit einer Teilnehmeranzahl von mehr als fünf Personen verboten. Personen, die gegen dieses Verbot verstoßen, droht ein Verfahren vor einem Militärgericht. Studierende und Studierendengruppen aus ganz Thailand, unter ihnen die Gruppe Dao Din, führen friedliche symbolische Aktionen durch. Hierzu gehören beispielsweise Proteste mit weniger als fünf Personen, die trotzdem unterdrückt werden. Einzelpersonen werden weiterhin von den thailändischen Behörden willkürlich festgenommen und inhaftiert. Die Behörden verhindern oder zensieren Treffen sowie öffentliche Veranstaltungen und unterdrücken auf andere Weise friedlichen Dissens.
Seit März 2015 haben Beamt_innen in Uniform und in Zivil die Häuser von mindestens 17 studentischen Aktivist_innen aufgesucht und ihre Räumlichkeiten durchsucht. Sie warnten die Studierenden und ihre Familien davor, sich politisch zu engagieren. Das Militär und das Bildungsministerium ordneten nach dem Putsch im Jahr 2014 an, dass studentische Aktivitäten, bei denen Kritik an den Militärbehörden geübt wird, durch die Angestellten der Universität überwacht werden müssen. Zudem sollen sie die aktive Beteiligung der Studierenden an politischen Aktivitäten verbieten oder maßgeblich einschränken. In ganz Thailand wurden Lehrende und Rektor_innen der Universitäten von bewaffneten Truppen "besucht" und angewiesen, sicherzustellen, dass keine politischen Veranstaltungen an ihren Universitäten stattfinden.