Aktivist in Lebensgefahr

Pakistan

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Zahid Baloch, Vorsitzender der Belutschischen Studierendenorganisation Azad (Baloch Student Organisation-Azad – BSOA), ist am 18. März in Quetta, Belutschistan, entführt worden. Seine Familie weiß nicht, wo er sich befindet oder was mit ihm geschehen ist. Er ist in ernster Gefahr, misshandelt, gefoltert oder gar getötet zu werden. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche ähnliche Fälle gemeldet worden, die hunderte andere Aktivist_innen betrafen.

Appell an

MINISTERPRÄSIDENT
Mian Nawaz Sharif
Pakistan Secretariat
Constitution Avenue
Islamabad, PAKISTAN
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 92) 51 921 3780 oder
(00 92) 51 922 0404

BERATER / INNENMINISTER
Chaudhry Nisar Ali Khan
Room 404, 4th Floor, R Block
Pakistan Secretariat
Islamabad, PAKISTAN
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Innenminister)
Fax: (00 92) 51 920 2624

MINISTERPRÄSIDENT VON BELUTSCHISTAN
Dr. Abdul Malik
Chief Minister House
Zargoon Road, Quetta
Balochistan
PAKISTAN
(Anrede: Dear Chief Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 92) 81 920 2240

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK PAKISTAN
S.E. Herrn Syed Hasan Javed
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030 2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Urdu, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Juni 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Es bereitet mir große Sorge, dass Zahid Baloch seit dem 18. März, als er laut Zeugenaussagen vom Grenzkorps entführt wurde, nicht mehr gesehen worden ist.

  • Ich fordere Sie auf, eine sofortige und unparteiische Untersuchung seines mutmaßlichen Verschwindenlassens anzuordnen, die Ergebnisse öffentlich bekanntzugeben und die Verantwortlichen in fairen Gerichtsverfahren unter Verzicht auf die Todesstrafe zur Rechenschaft zu ziehen.

  • Ich bitte Sie eindringlich, Zahid Baloch, falls er sich im Gewahrsam befindet, umgehend freizulassen oder in eine offizielle Hafteinrichtung zu verlegen und ihn umgehend einer Straftat anzuklagen, die mit internationalen Menschenrechtsstandards im Einklang steht.

  • Bitte stellen Sie sicher, dass Zahid Baloch nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt wird und dass er umgehend und regelmäßig Zugang zu seiner Familie, Rechtsbeiständen seiner Wahl und jeglicher erforderlicher medizinischer Versorgung erhält.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern to the authorities that Zahid Baloch has not been seen since 18 March when witnesses say he was abducted by the Frontier Corps.

  • Urging them to order an immediate impartial investigation into this apparent enforced disappearance, publicly disclose its findings and bring those responsible to justice in fair trials without recourse to the death penalty.

  • Insisting that if Zahid Baloch is in custody, he is immediately released or transferred to an official place of detention and charged promptly with an offence consistent with international human rights law.

  • Urging them to ensuring that Zahid Baloch is not tortured or otherwise ill-treated, and is allowed immediate and regular access to his family, lawyers of his choice and any medical attention he may require.

Sachlage

Zeug_innen gaben an, Zahid Baloch sei am 18. März mit vorgehaltener Waffe in dem Viertel Satellite Town in Quetta, Belutschistan, von Angehörigen des Grenzkorps (Frontier Corps), einer bundesweit agierenden paramilitärischen Gruppierung, mitgenommen worden. Die Behörden haben keine Auskunft über seine Entführung gegeben und sie nicht angemessen untersucht. Zahid Baloch ist der Vorsitzende der BSOA, einer Studierendenorganisation, die sich für die Abspaltung der Provinz Belutschistan von Pakistan einsetzt. Sie wurde im März 2013 von der pakistanischen Regierung verboten, weil sie "an Terrorismus beteiligt" sein soll.

Die Entführung von Zahid Baloch folgt einem Muster des Verschwindenlassens in der Provinz Belutschistan, bei dem politische Aktivist_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen, Anwält_innen und mutmaßliche Aufständische aus Belutschistan von den Staatssicherheitskräften aufgegriffen und nie wieder gesehen werden. In der gesamten Provinz sind viele der Opfer von Verschwindenlassen tot aufgefunden worden, oftmals mit Schussverletzungen und Spuren von Folter. Aktivist_innen, die mehr Autonomie für die belutschische Bevölkerung fordern, welche die pakistanische Regierung als "staatsfeindlich" ansieht, sind in besonders großer Gefahr, Opfer dieser Menschenrechtsverletzungen zu werden. Angehörige und Augenzeug_innen bezichtigen häufig die Sicherheitskräfte, insbesondere das Grenzkorps und die Geheimdienste, dieser Menschenrechtsverletzungen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Politische Aktivist_innen, die der ethnischen Gruppe der Belutschen angehören, werden in der pakistanischen Provinz Belutschistan Opfer von Entführungen, Verschwindenlassen und außergerichtlichen Hinrichtungen. Berichten zufolge sind Hunderte Opfer dieser Menschenrechtsverletzungen geworden, doch die genauen Zahlen lassen sich aufgrund der geheimen Natur der Entführungen und Tötungen und der allgemeinen Unzugänglichkeit der Region Belutschistan nicht nachprüfen. Lateef Johar, ein Mitglied der BSOA, befindet sich seit dem 22. April in einem Protestcamp in Karatschi im Hungerstreik, um sich dafür einzusetzen, dass Zahid Baloch wohlbehalten wieder auftaucht.

Aktivist_innen, Journalist_innen, Anwält_innen und führende studentische Persönlichkeiten sowie Mitglieder bewaffneter Gruppierungen zählen zu denen, gegen die sich Verschwindenlassen, Entführungen, Folter und rechtswidrige Tötungen hauptsächlich richten. Die Gewalttaten ereignen sich im Kontext zunehmender politischer Unruhen und innerstaatlicher militärischer Operationen in Belutschistan. Belutschistan erstreckt sich über die Grenze zu Afghanistan und dem Iran und ist die geographisch größte, aber am dünnsten besiedelte Provinz Pakistans. In der Vergangenheit hat es oft Aufstände gegeben, bei denen örtliche Gruppen sich für mehr Selbstbestimmung und eine größere Beteiligung an den Einnahmen einsetzten, die durch die natürlichen Ressourcen der Provinz, insbesondere Erdgas, erzielt werden und die zurzeit ihrer Meinung nach in überproportionalem Umfang anderen Provinzen zugute kommen.

Die mit Schussverletzungen übersäten Leichen der Entführten, von denen viele Zeichen von Folter aufweisen, werden in verschiedenen Teilen Belutschistans und manchmal in der Stadt Karatschi, der Hauptstadt der angrenzenden Provinz Sindh, aufgefunden. Angehörige und belutschische Gruppierungen beschuldigen die Sicherheitskräfte Pakistans, insbesondere das Grenzkorps und die Geheimdienste, diese Entführungen und Tötungen zu verüben. Im Dezember 2013 gab der Ministerpräsident von Belutschistan, Dr. Abdul Malik Baloch, zu, dass staatliche "Behörden" für die "illegale Inhaftierung" belutschischer Aktivist_innen verantwortlich seien. Richter_innen am Obersten Gerichtshof Pakistans, die höchsten Richter_innen des Landes, darunter der ehemalige Oberste Richter Iftikhar Muhammad Chaudhry, haben das Grenzkorps ebenfalls beschuldigt, für viele Fälle des Verschwindenlassens in der Provinz verantwortlich zu sein.

Das Grenzkorps ist diejenige Sicherheitstruppe, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in der Provinz Belutschistan hauptsächlich verantwortlich ist. Der Konflikt zwischen belutschischen Nationalist_innen und dem Staat ist von Menschenrechtsverletzungen bzw. -verstößen auf beiden Seiten geprägt.