Polizei überfällt Frauenhaus

Am 9. Juni erzwangen sich schwer bewaffnete Polizisten Zugang zu einem mexikanischen Frauenhaus. Die Sicherheit der Frauen wurde dadurch gefährdet. Viele der Frauen verstecken sich dort vor ihren gewalttätigen Partnern.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES CHIHUAHUA
Lic. José Reyes Baeza Terrazas
Gobernador del Estado de Chihuahua, Palacio de Gobierno, 1er piso, C. Aldama #901, Col. Centro,
Chihuahua, Estado de Chihuahua, C.P. 31000, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Governor)
Fax: (0052) 614 429 3300 (wenn jemand abhebt wählen sie die Durchwahl 11066)

BÜRGERMEISTER VON CIUDAD JUÁREZ
Lic. José Reyes Ferriz
Presidente Municipal de Ciudad Juárez
Unidad Administrativa Benito Juárez. Primer piso, ala norte.
Av. Francisco Villa # 950 Norte, Cd. Juárez, Chihuahua, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Mayor)
Fax: (0052) 656 615 0690

Sende eine Kopie an

NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Centro de Derechos Humanos de las Mujeres
Av. Juarez no. 4107/B
Chihuahua
MEXIKO
E-Mail : cedehm@prodigy.net.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Juli 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, besondere Sicherheitsmaßnahmen für das Frauenhaus, die Bewohnerinnen, deren Kinder und die Mitarbeiterinnen gemäß ihren Wünschen wiederherzustellen.

  • Fordern Sie eine umgehende unparteiische und umfassende Untersuchung des gewaltsamen Eindringens der Polizeibeamten in das Frauenhaus und der Berichte über Einschüchterungen während der Durchsuchung.

  • Dringen Sie darauf, dass die Behörden den vertraulichen Umgang und die sichere Unterbringung in Frauenhäusern für Betroffene von Gewalt respektieren, indem sie weitere Versuche, in ein Frauenhaus einzudringen vermeiden, denn dies läuft den Vorschriften der Frauenhäuser zuwider.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to take urgent measures to reinstate high security protection measures for the shelter, its staff and the women and children who are currently staying at the shelter according to their wishes;

  • Calling for a full, prompt and impartial investigation into the forced entry into the shelter and reports of intimidation during the search;

  • Urging the authorities to respect the confidentiality and security of women’s shelter for the protection of victims of violence by avoiding any further attempts to enter women’s shelters which contravene the shelter’s protocols.

Sachlage

Am 9. Juni 2010 um 12.30 Uhr kamen 14 Männer, darunter sechs schwer bewaffnete kommunale Polizeibeamte und ein Mitarbeiter des Gerichts des Bundesstaates zu einem Frauenhaus in Ciuadad Juárez im Bundesstaat Chihuahua im Norden Mexikos, in dem Frauen untergebracht sind, denen schwere Gewalt droht (Sin Violencia, Refugio para Mujeres en situación de riesgo por violencia extrema). Die Männer verlangten Einlass in die Unterkunft und zeigten den Mitarbeiterinnen ein offizielles Gerichtsdokument, das die Ordnungskräfte aufforderte, nach einem jungen Mädchen zu suchen, von dem sie behaupteten, es sei entführt worden. In dem Dokument wurde das Frauenhaus nicht erwähnt. Als die Mitarbeiterinnen den Männern den Zutritt verweigerten, da die Grundsätze des Hauses hinsichtlich des Schutzes und der Vertraulichkeit keine Männer auf dem Grundstück zulassen, wurden sie mehrfach bedroht. Einer der Polizisten zeigte auf seine Waffe und sagte der Koordinatorin des Frauenhauses: "Das werden Sie bereuen. Sie bekommen Ärger. Es ist besser, wenn sie kooperieren oder wir öffnen die Türen gewaltsam".

Nach wiederholten Drohungen und da sie Angst um ihr Leben hatten, ließen die Mitarbeiterinnen die Männer schließlich die Unterkunft betreten. Die bewaffneten Männer durchsuchten das Frauenhaus gewaltsam, sie warfen Möbel um und suchten unter den Betten. Die Männer verließen das Frauenhaus, als sie feststellten, dass das Mädchen, nach dem sie suchten, nicht im Haus festgehalten wurde.

Viele der Überlebenden physischer und sexualisierter Gewalt, die sich zu ihrem Schutz im Frauenhaus aufhalten, sind vor gewalttätigen Partnern geflohen, darunter auch vor einigen Polizisten. Durch das Eindringen bewaffneter Polizeibeamter wurde ihre Privatsphäre verletzt und die Sicherheit der Frauen in der Unterkunft in Frage gestellt, da ihnen Vergeltungsmaßnahmen drohen könnten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In Ciudad Juárez im Bundesstaat Chihuahua sind die Kriminalitätsrate und die Straffreiheit extrem hoch, dazu zählt auch die Gewalt gegen Frauen. Die kommunalen und bundesstaatlichen Behörden versagen fortwährend, wenn es darum geht, die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen und die Sicherheit gefährdeter Frauen zu verbessern. Frauenrechtsorganisationen setzen sich seit vielen Jahren für Gerechtigkeit und Sicherheit für Frauen ein und haben einige Einrichtungen für Frauen ins Leben gerufen, so dass Überlebende von Gewalt an sicheren Orten medizinische und psychologische Unterstützung erhalten können. Vertraulichkeit und eine sichere Unterbringung in diesen Einrichtungen sind grundlegende Voraussetzungen, um die Sicherheit der Frauen und Mitarbeiterinnen zu garantieren.