Drohende Folter
Mindestens 300 Personen sind bei einer Demonstration gegen die ägyptische Militärregierung am 4. Mai von militärischen und anderen Sicherheitskräften festgenommen worden. Ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen. Es wird zudem befürchtet, dass sie unfaire Verfahren vor Militärgerichten erhalten.
Appell an
VORSITZENDER DES MILITÄRRATES
Field Marshal Muhammad Tantawi
Ministry of Defence and Military Production
Kairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Field Marshal / Sehr geehrter Herr Feldmarschall)
Fax: (00 202) 2795 8048
INNENMINISTER
Mohamed Ibrahim Youssef
Ministry of Interior
Cairo, ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2794 5529
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Sorgen Sie bitte dafür, dass alle Inhaftierten vor Folter und Misshandlungen geschützt werden, und dass sie uneingeschränkt Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, Familien und jeglicher nötiger medizinischer Versorgung erhalten.
-
Führen Sie bitte umgehend eine sorgfältige, unparteiische und unabhängige Untersuchung der Berichte, Gefangene seien gefoltert und anderweitig misshandelt worden, durch, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
-
Gewährleisten Sie die umgehende und bedingungslose Freilassung aller Gefangenen, die sich nur aufgrund der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Versammlungsfreiheit in Haft befinden.
- Bitte beenden Sie die Untersuchung dieser Fälle durch die Militärstaatsanwaltschaft und übergeben Sie die Fälle stattdessen der zivilen Generalstaatsanwaltschaft.
Sachlage
Tausende Menschen protestierten auf einer Demonstration am 2. Mai im Kairoer Bezirk Abbaseya in der Nähe des Verteidigungsministeriums gegen die Militärregierung und gegen die Tötung von Protestierenden. Es gab hunderte Verletzte, als das Militär die Protestveranstaltung gewaltsam auflöste, und in den darauffolgenden Tumulten soll ein Angehöriger des Militärs getötet worden sein. MilitärpolizistInnen nahmen Berichten zufolge willkürlich Protestierende fest.
Protestierende, die bereits aus dem Militärgewahrsam entlassen worden sind, gaben an, brutal geschlagen, sexuell belästigt und/oder beleidigt und erniedrigt worden zu sein. Die Ärztin Aya Kamal hat sich öffentlich zu ihrer Zeit in Militärgewahrsam geäußert. Ihren Angaben zufolge wurden Menschen von der Straße in die Al-Noor-Moschee getrieben und darin eingesperrt. Angehörige der Militär- und Bereitschaftspolizei kamen daraufhin in die Moschee und bedrohten, beschimpften und schlugen die darin Eingeschlossenen. Eine Frau zog sich eine Schusswunde zu, als ein Polizeibeamter willkürlich in die Menge schoss. Aya Kamal berichtete auch darüber, wie sie und andere Frauen auf dem Weg zu einem Militärgebäude und erneut bei der Ankunft im Al-Qanater-Gefängnis geschlagen und sexuell genötigt wurden.
Derzeit sind über 300 Personen von Folter und unfairen Verfahren vor Militärgerichten bedroht. Sie werden in verschiedenen Gefängnissen und Hafteinrichtungen in Kairo festgehalten. Den inhaftierten Protestierenden wird unter anderem vorgeworfen, "Angehörige des Militärs angegriffen und verletzt" zu haben, "einer Gruppe beigetreten zu sein mit dem Ziel, die öffentliche Ordnung zu stören", "den Verkehr durch Versammeln in einer öffentlichen Straße gestört" zu haben, und "sich in einem militärischen Sperrgebiet befunden" zu haben. Die Militärstaatsanwaltschaft hat eine zweiwöchige Untersuchungshaft angeordnet.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Sorgen Sie bitte dafür, dass alle Inhaftierten vor Folter und Misshandlungen geschützt werden, und dass sie uneingeschränkt Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, Familien und jeglicher nötiger medizinischer Versorgung erhalten.
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Führen Sie bitte umgehend eine sorgfältige, unparteiische und unabhängige Untersuchung der Berichte, Gefangene seien gefoltert und anderweitig misshandelt worden, durch, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
-
Gewährleisten Sie die umgehende und bedingungslose Freilassung aller Gefangenen, die sich nur aufgrund der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Versammlungsfreiheit in Haft befinden.
- Bitte beenden Sie die Untersuchung dieser Fälle durch die Militärstaatsanwaltschaft und übergeben Sie die Fälle stattdessen der zivilen Generalstaatsanwaltschaft.
[APPELLE AN]
VORSITZENDER DES MILITÄRRATES
Field Marshal Muhammad Tantawi
Ministry of Defence and Military Production
Kairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Field Marshal / Sehr geehrter Herr Feldmarschall)
Fax: (00 202) 2795 8048
INNENMINISTER
Mohamed Ibrahim Youssef
Ministry of Interior
Cairo, ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2794 5529
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Am 4. Mai versammelten sich nach dem Freitagsgebet Protestierende vor dem Verteidigungsministerium in Abbaseya, um gegen die Militärregierung zu demonstrieren. Sie wollten außerdem ihren Unmut darüber ausdrücken, dass am 2. Mai bei Zusammenstößen von Demonstrierenden mit bewaffneten Personen mindestens sieben Protestierende getötet worden waren. Damals fand nahe des Verteidigungsministeriums ein Sitzstreik statt, der am 27. April begonnen hatte und mit dem die TeilnehmerInnen gegen die verweigerte Präsidentschaftskandidatur eines Politikers und gegen die Militärregierung protestieren wollten. Bereits vor dem 2. Mai waren die Protestierenden angegriffen worden, was zu einem Todesfall und mehr als 100 Verletzten geführt hatte.
Obwohl unklar ist, wer hinter den Übergriffen steckt, sind manche AktivistInnen der Ansicht, dass das Militär für sie verantwortlich ist. Sowohl unter der Regierung des ehemaligen Präsidenten Mubarak als auch unter dem Obersten Militärrat sind Protestierende häufig von unbekannten Gruppen angegriffen worden.
Der zunächst friedliche Protest am 4. Mai in Abbaseya endete damit, dass sich Demonstrierende und SoldatInnen mit Steinen bewarfen. Die SoldatInnen setzten dann Wasserwerfer und Tränengas ein, und die Militärpolizei löste die Protestveranstaltung schließlich gewaltsam auf. Dabei sollen hunderte Personen verletzt worden sein, darunter auch SanitäterInnen, die in Notlazaretten arbeiteten. Der Student und Sanitäter Anas Ahmed soll so schwer von MilitärpolizistInnen geschlagen worden sein, dass er Knochenbrüche an den Armen und in einigen Fingern davontrug, und daraufhin in einem Militärkrankenhaus in Gewahrsam gehalten wurde.
Andere AktivistInnen berichteten zudem, dass Angehörige der Militärpolizei verletzte Protestierende im Krankenhaus festgenommen und diese dann direkt zur Strafverfolgung in Militärgewahrsam genommen oder in andere Krankenhäuser gebracht haben. Neben den bereits genannten 300 Protestierenden sollen sich noch 200 weitere Personen in Krankenhäusern in Gewahrsam befinden. Ägyptische NGOs geben an, dass sich unter den Inhaftierten mindestens neun Kinder befinden. Es sind jedoch auch schon einige Personen freigelassen worden, darunter 15 Frauen und zwei Kinder sowie Studierende und Verletzte.
Amnesty International hat 2011 und 2012 zahlreiche Berichte von Personen erhalten, die im Zuge von Protestveranstaltungen inhaftiert worden waren und angeben, gefoltert oder misshandelt worden zu sein. Als Foltermethoden wurden häufig schwere Schläge, Stromstöße, Auspeitschung, sexuelle Nötigung und das Drohen mit Vergewaltigung und Demütigungen genannt. Bisher sind keine unabhängigen und unparteiischen Untersuchungen durchgeführt worden, und keiner der Verantwortlichen ist vor Gericht gestellt worden. Seit dem Beginn der Unruhen Anfang 2011 herrscht für Angehörige des Militärs und der Bereitschaftspolizei ein Klima der Straflosigkeit.
Militärgerichte haben seit Beginn der Demonstrationen am 25. Januar 2011 gegen tausende ägyptische Zivilpersonen Haftstrafen verhängt. Diese Gerichte sind weder unabhängig noch unparteiisch, und Angeklagte haben nicht das Recht auf Einlegen eines wirksames Rechtsmittels. Amnesty International wendet sich in Übereinstimmung mit internationalen Rechtsgrundsätzen gegen Militärgerichtsverfahren gegen Zivilpersonen, da solche Verfahren mit dem in Artikel 14 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) verbrieften Recht von Angeklagten unvereinbar sind, dass ihr Fall vor einem zuständigen, unabhängigen, unparteiischen und auf Gesetz beruhenden Gericht verhandelt wird. Ägypten ist Vertragsstaat des IPbpR. Berichten zufolge sollen zwar einige Personen, gegen die ein Militärgericht Haftstrafen verhängt hatte, nach einer erneuten Verhandlung freigekommen sein; dennoch befinden sich noch tausende Menschen in Haft, darunter auch Kinder, die nicht in einem Hochsicherheitsgefängnis für Erwachsene festgehalten werden sollten.