Prügel in Haft
Die Brüder Beslan and Adam Tsechoev werden von der Polizei in Inguschetien im Nordkaukasus in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Sie sind offenbar im Gewahrsam geschlagen worden. Ihren Angehörigen zufolge wurde am 8. Juni 2010 von der Polizei ein Rettungswagen gerufen. Bei Beslan Tsechoev wurden schwere Kopf- und Rückenverletzungen diagnostiziert und der Krankenwagen kehrte mindestens noch zwei weitere Male zur Polizeiwache zurück. Den Brüdern drohen weitere Folter und anderweitige Misshandlungen.
Appell an
STAATSANWALT DER REPUBLIK INGUSCHETIEN
Yuri Turygin
Ul. Fabrichnaya, 9
Nazran, 386102
Republik Inguschetien
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor)
Fax: (007) 8732 22 41 72
INNENMINISTER DER REPUBLIK INGUSCHETIEN
Viktor Pogolov
Ul. Itazova 33
Nazran 386100
Republik Inguschetien
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Minister
Fax: (007) 873 222 1049 (fragen Sie nach dem Fax)
E-Mail: oios-mvd-ri@yandex.ru
Sende eine Kopie an
PRÄSIDENT DER REPUBLIK INGUSCHETIEN
Yunus-Bek Bamatgievich Yevkurov
Pr. Zyazikova 14
Magas 386001
Republik Inguschetien
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax (007) 873 455 11 29
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S.E. Herrn Vladimir Kotenev
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Juli 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie die Behörden der Republik Inguschetien auf, sicherzustellen, dass Beslan and Adam Tsechoev umgehend Zugang zu ihren AnwältInnen, Angehörigen und jegliche notwendige medizinische Versorgung gewährt wird.
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Dringen Sie bei den Behörden darauf, Maßnahmen zum Schutz von Beslan and Adam Tsechoev vor weiterer Folter und Misshandlung während ihres Gewahrsams zu ergreifen.
- Fordern Sie die Behörden auf, umgehend umfassende und unabhängige Untersuchungen über die Foltervorwürfe und andere Misshandlungen einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
Sachlage
Nach Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial", wurde das Haus der Tsechoevs am 8. Juni von mehreren Dutzend maskierten Männern durchsucht. Ohne sich auszuweisen oder einen Durchsuchungsbefehl vorzulegen, durchsuchten sie das Haus und fanden angeblich eine Handgranate. Ohne weitere Erklärungen nahmen sie Beslan and Adam Tsechoev mit. Die Familie erfuhr später, dass sie zur Bezirkspolizeiwache ROVD in der Stadt Malgobek gebracht worden waren. Der Familie zufolge sei die Handgranate in ihrem Haus platziert worden. Der Anwalt der Brüder gab gegenüber Amnesty an, dass dem Leiter der ROVD in Malgobek zufolge, sie wegen ihres Widerstands gegen die Polizisten festgenommen worden waren.
Um 8:35 Uhr am 8. Juni wurde ein Krankenwagen zur Polizeiwache gerufen. Laut Krankenbericht hatte Beslan Tsechoev schwere Kopf- und Rückenverletzungen. Angehörigen zufolge rief die Polizei am 11. Juni erneut einen Krankenwagen und zu mindestens noch einem weiteren Zeitpunkt, um Beslan Tsechoev zu untersuchen. Sie sind jedoch der Ansicht, dass die Polizei Druck auf das medizinische Personal ausgeübt hat, damit diese keine weiteren Informationen über den Zustand der Gefangenen bekannt geben.
Den Angehörigen und AnwältInnen der Brüder war es nicht möglich, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Auch MitgliederInnen einer öffentlichen Einrichtung, die Haftanstalten beobachtet, und offiziellen VertreterInnen des Menschenrechtsbeauftragten der Republik Inguschetien, die am 10. Juni versuchten, die Gefangenen zu besuchen, wurde der Zugang verwährt. Die Praxis der Haft ohne Kontakt zur Außenwelt trägt nachweislich zur Folter- und Misshandlungsgefahr bei, da die Gefangenen ausgeliefert sind und nicht in der Lage sind, rechtlichen Schutz zu suchen.
Hintergrundinformation
Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen erhalten weiterhin Informationen über Folter und anderweitige Misshandlungen in Hafteinrichtungen und während polizeilichen Ermittlungen in der Region Inguschetien im Nordkaukasus. Vorwürfe, dass PolizeibeamtInnen rechtswidrige Methoden anwenden, insbesondere gegen Tschetschenen und Inguschen, liegen aus allen Regionen der Russischen Föderation vor. In vielen Fällen, auf die Amnesty International aufmerksam geworden ist, ist der Betroffene gefoltert oder anderweitig misshandelt worden, damit sie ein "Geständnis" unterschreiben oder eine weitere verdächtigte Person belasten.