Mordanschlag gegen Journalisten

Der Journalist Abdullah Al-Amin Biplob wurde am 11. April 2009 von Männern angegriffen, die sich als Unterstützer eines örtlichen Parlamentsabgeordneten bezeichneten. Dies geschah, nachdem er mehrere Artikel veröffentlicht hatte, in denen er die Handlungen des Parlamentariers in der Tageszeitung von Bangla, Samakal, kritisiert hatte.

Appell an

PREMIERMINISTER
Prime Minister Sheikh Hasina
Prime Minister's Office
Old Sangsad Bhaban
Tejgaon, Dhaka-1215, BANGLADESCH
(korrekte Anrede: Dear Prime Minister)
Fax: (00 88 02) 8113244
E-Mail: info@pmo.gov.bd

INNENMINISTER
Advocate Sahara Khatun
Minister of Home Affairs
Bangladesh Secretariat, Dhaka-1000, BANGLADESCH
(korrekte Anrede: Dear Home Minister)
Fax: (00 88 02) 7164788
E-Mail: sobhansikder@yahoo.com

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK BANGLADESCH
Herr Tarik Ahsan, Gesandter (Geschäftsträger a.i.)
Dovestraße 1, 5. Etage
10587 Berlin
Fax: 030-3989 7510
E-Mail: info@bangladeshembassy.de,
consular@bangladeshembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Bengalisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. Juni 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN ENGLISH, BANGLA OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • to ensure that the attack on Abdullah Al-Amin Biplob and the death threats he has received are promptly and thoroughly investigated and those responsible are brought to justice;

  • to ensure that Abdullah Al-Amin Biplob, his family and any witnesses receive the full protection of the law in their efforts to seek justice through the criminal justice system;

  • to ensure that all allegations of human rights abuses by members of the ruling party, or its allied parties, are investigated promptly by an independent and competent authority, and those found responsible are brought to justice regardless of their position in these parties or their links to the government.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • die Behörden auffordern, sicherzustellen, dass der Angriff gegen Abdullah Al-Amin Biplob und die Morddrohung gegen ihn umgehend und gründlich untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;

  • sicherzustellen, dass Abdullah Al-Amin Biplob, seine Familie und alle ZeugInnen von Seiten des Gesetzes vollen Schutz in ihren Bemühungen erhalten, durch die Strafverfolgung Gerechtigkeit zu erfahren;

  • fordern, dass alle Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen seitens der Mitglieder der Regierungspartei oder ihrer Koalitionsparteien umgehend von einer unabhängigen und kompetenten Behörde untersucht werden und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden, unabhängig davon, welche Positionen sie in diesen Parteien bekleiden oder in welcher Verbindung sie zur Regierung stehen.

Sachlage

Nach Aussagen von Abdullah Al-Amin Biplob kam am 11. April 2009 um 1:30 Uhr nachts der örtliche Abgeordnete der Awami-Liga des Dorfes Maisebary Chowrasta in der Nähe der Stadt Gafargaon auf ihn zu. Der Abgeordnete teilte ihm mit, dass er für fünf Jahre gewählt worden sei und in dieser Zeit keine Artikel gegen sich tolerieren würde. Er drohte, Abdullah Al-Amin Biplob "eine Lektion" zu erteilen, wenn er ihn noch einmal in einem Artikel kritisieren sollte.

Gegen 19:30 Uhr des selben Tages ging Abdullah Al-Amin Biplob zu einem Internetgeschäft in Gafargaon, um einen Artikel an seine Zeitung zu senden. Ehe er die Geschichte verschicken konnte, näherten sich ihm im Laden zwei Männer. Sie holten Messer hervor, die sie unter ihren Hemden versteckt hatten. Mehrere weitere Männer, die ihrerseits mit Messern und Eisenstangen bewaffnet waren, gesellten sich zu ihnen. Einer der Männer sagte zu Abdullah al-Amin Biplob, der Abgeordnete habe sie angewiesen, ihm den Kopf abzuschneiden, weil er Artikel gegen ihn schreibe. Der Mann versuchte dann, mit dem Messer Abdullah Al-Amin Biplobs Kopf zu treffen. Glücklicherweise gelang es Abdullah Al-Amin Biplob rechtszeitig auszuweichen, er trug aber mehrere Schnittwunden an der Hand davon. Dann versuchte der Mann, ihn in den Bauch zu stechen. Al-Amin Biplob konnte wieder ausweichen, trug jedoch weitere Stichwunden an der Hand davon. Dann wurde noch einmal auf seinen Kopf eingestochen. Er schützte sich diesmal mit dem linken Arm und trug eine tiefe Wunde am Ellbogen davon.

Abdullah Al-Amin Biplob gelang die Flucht aus dem Computerladen. Als er draußen war, sah er, dass JournalistenkollegInnen gekommen waren, um zu sehen, was vor sich ging. Sie konnten ihm aber nicht helfen, da sie Angst hatten, an einer großen Gruppe von Männern vorbeizugehen, die sich zu seinen Angreifern gesellt hatten. Er sah außerdem vier Polizisten, die nichts unternahmen, um die Angreifer aufzuhalten, bis er sie explizit um Hilfe bat. Abdullah Al-Amin Biplob wurde daraufhin mit einer Rikscha ins Krankenhaus von Gafargaon gebracht. Ein Arzt behandelte seine Verletzungen, darunter die tiefe Schnittwunde am Ellbogen. Auf Anraten des Arztes brachte man ihn in die Uniklinik Mymenshingh, wo eine Notoperation durchgeführt wurde. Insgesamt lag Abdullah Al-Amin Biplob 17 Tage im Krankenhaus.

Am 12. April 2009 zeigte ein Freund von Abdullah Al-Amin Biplob den Angriff bei der örtlichen Polizei an. Sechs der beteiligten Männer nannte er namentlich und bis zu zehn unbekannte Männer, die ihnen geholfen hatten, wurden ebenfalls erwähnt. Die Polizei nahm die Anzeige zwar auf, befragte jedoch keinen der Beschuldigten. Auf Nachfrage konnte sie nicht begründen, warum sie den Fall nicht untersuchte. Abdullah Al-Amin Biplob und seine KollegInnen vermuten, dass der örtliche Abgeordnete seinen politischen Einfluss geltend gemacht haben könnte, um eine Untersuchung zu verhindern. Der Abgeordnete streitet jedoch jede Verbindung zu den Angreifern ab.

Sechs der Beschuldigten konnten durch Zahlung einer Kaution ihre Festnahme verhindern, drei vor dem Gericht von Mymensingh und drei weitere vor dem Obersten Gericht. Am 30. April schickten drei der Beschuldigten Abdullah Al-Amin Biplob eine SMS, die lautete: "Biplob, du Hurensohn, wir werden dich umbringen. Wir haben heute Kaution vom Obersten Gericht erhalten. Wenn du am Leben bleiben willst, nimm deine Anschuldigungen zurück. [Unterzeichnende:] F. Fakhrul, Sayot, Biplob [ein zweiter Mann des selben Namens], Shafique"

Abdullah Al-Amin Biplob informierte die Polizei über die Morddrohung. Die Polizei hat bisher nichts weiter getan, als die Morddrohung aufzunehmen. Er fürchtet daher jederzeit einen neuerlichen Angriff. Der Angriff gegen Abdullah Al-Amin Biplob ist der erste derartige Übergriff in der derzeitigen Amtszeit der Regierung der Awami-Liga. Andere JournalistInnen befürchten, dass auch sie in Gefahr sein könnten, wenn die Regierung nicht für die Sicherheit von Abdullah Al-Amin Biplobs sorgt und die Angreifer zur Verantwortung zieht.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Einzelpersonen, die mit bewaffneten Banden in Kontakt stehen, die mutmaßlich für örtliche PolitikerInnen arbeiten, haben schon häufig JournalistInnen angegriffen, weil sie Artikel geschrieben hatten, die die PolitikerInnen kritisierten. Solche Übergriffe nahmen zwischen 2000 und 2005 zu, da die Regierungen der Awami-Liga (1996-2001) und der Nationalistischen Partei Bangladesch, BNP (2001-2006), nichts unternahmen, um sie zu verhindern. In diesem Zeitraum wurden mindestens acht JournalistInnen ermordet. Angesichts zunehmender Kritik aus dem In- und Ausland besserte sich die Situation ab Ende 2005. Wegen der Anschläge und Morde ist jedoch bisher niemand vor Gericht gestellt worden.