Medizinische Versorgung verweigert
Ni Yulan im Rollstuhl
© privat
Ni Yulan, eine ehemalige Anwältin und Menschenrechtsverteidigerin für das Recht auf Wohnen, und ihr Ehemann Dong Jiqin befinden sich nun unter der Anklage "Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben" in Gewahrsam. Sie können jederzeit vor Gericht gestellt werden. Im Fall eines Schuldspruchs drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft.
Appell an
DIREKTOR DER BEHÖRDE FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT IN PEKING
Fu Zhenghua Juzhang
Beijingshi Gong'anju
9 Dongdajie, Qianmen
Dongchengqu
Beijingshi 100740
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)
Fax: (00 86) 10 652 429 27
JUSTIZMINISTER
WU Aiying Buzhang
Sifabu
10 Chaoyangmen Nandajie,
Chaoyangqu
Beijingshi 100020
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 86) 10 652 923 45
E-Mail: pfmaster@legalinfo.gov.cn
MINISTERPRÄSIDENT
WEN Jiabao Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie
Xichengqu,
Beijingshi 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 86) 10 65961109
(c/o Ministry of Foreign Affairs)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S.E. Herrn Hongbo Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: de@mofcom.gov.cn
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich appelliere an Sie, Ni Yulan und Dong Jiqin unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
-
Stellen Sie ebenfalls sicher, dass Ni Yulan und Dong Jiqin in Haft weder gefoltert noch misshandelt werden.
-
Sorgen Sie bitte dafür, dass Ni Yulan und Dong Jiqin unverzüglich Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsbeistand ihrer Wahl aufnehmen können, sowie Zugang zur nötigen medizinischen Versorgung erhalten.
- Bitte stellen Sie die Drangsalierung, Einschüchterung, willkürlichen Inhaftierungen sowie die Folterung und anderweitige Inhaftierung von MenschenrechtsanwältInnen und anderen AktivistInnen ein, die sich mit friedlichen Mitteln für rechtliche Belange einsetzen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
to release Ni Yulan and Dong Jiqin immediately and unconditionally
-
to guarantee that Ni Yulan and Dong Jiqin are not tortured or otherwise ill-treated while they remain in custody
-
to ensure they have immediate access to their families and any medical care they may require
- to stop the harassment, intimidation, arbitrary detention, torture and other ill-treatment and imprisonment of human rights lawyers and legal activists peacefully carrying out their work.
Sachlage
Die Polizei hatte Ni Yulan und Dong Jiqin am 7. April unter dem Verdacht, "Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben", festgenommen. Sie wurden am 17. Mai unter der selben Anklage (§ 293 des chinesischen Strafgesetzbuchs) formell inhaftiert. Sollten sie vor Gericht gestellt und schuldig befunden werden, drohen den Eheleuten bis zu fünf Jahre Gefängnis. Amnesty International geht davon aus, dass Ni Yulan und Dong Jiqin aufgrund ihres fortgesetzten menschenrechtlichen Engagements und ihrer juristischen Arbeit ins Visier der Behörden geraten sind.
Die RechtsanwältInnen von Ni Yulan und Dong Jiqin konnten sich drei Mal mit ihnen treffen: zwei Mal im Mai und einmal am 17. Juni. Laut Angaben der AnwältInnen von Ni Yulan hatte sie sich Rückenbeschwerden zugezogen, weil die Polizei ihren Rollstuhl während des Transports in eine Hafteinrichtung nicht im Fahrzeug befestigt hatte. Während der Fahrt schlug ihr Rollstuhl immer wieder gegen die Wände des Gefängnistransporters. Als Ni Yulan sich an die PolizistInnen wandte und sich beschwerte, dass ihr dies Schmerzen verursache, wurde sie ignoriert.
Ni Yulan leidet an Atem-, Herz- und Verdauungsbeschwerden und kann nicht mehr laufen, seit sie in Polizeigewahrsam gefoltert wurde. Vor ihrer Inhaftierung im April hatte sich ihr Gesundheitszustand verbessert, da sie sich in regelmäßiger medizinischer Behandlung befand. Zudem konnte sie an Krücken gehen. In der Haft hat sie jedoch keinen Zugang zu medizinischer Betreuung. Derzeit leidet sie auch im Sitzen unter Schmerzen und kann nicht mehr an Krücken gehen. Ihrer Familie werden keine Besuche bei ihr gestattet. Dong Jiqin leidet unter Bluthochdruck und muss regelmäßig Medikamente einnehmen. Die Behörden weigern sich jedoch, ihm die Medikamente auszuhändigen, die seine Familie ihm mitgebracht hat. Ni Yulan und Dong Jiqin befinden sich im Gefängnis des Pekinger Stadtteils Xicheng.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich appelliere an Sie, Ni Yulan und Dong Jiqin unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
-
Stellen Sie ebenfalls sicher, dass Ni Yulan und Dong Jiqin in Haft weder gefoltert noch misshandelt werden.
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Sorgen Sie bitte dafür, dass Ni Yulan und Dong Jiqin unverzüglich Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsbeistand ihrer Wahl aufnehmen können, sowie Zugang zur nötigen medizinischen Versorgung erhalten.
- Bitte stellen Sie die Drangsalierung, Einschüchterung, willkürlichen Inhaftierungen sowie die Folterung und anderweitige Inhaftierung von MenschenrechtsanwältInnen und anderen AktivistInnen ein, die sich mit friedlichen Mitteln für rechtliche Belange einsetzen.
[APPELLE AN]
DIREKTOR DER BEHÖRDE FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT IN PEKING
Fu Zhenghua Juzhang
Beijingshi Gong'anju
9 Dongdajie, Qianmen
Dongchengqu
Beijingshi 100740
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)
Fax: (00 86) 10 652 429 27
JUSTIZMINISTER
WU Aiying Buzhang
Sifabu
10 Chaoyangmen Nandajie,
Chaoyangqu
Beijingshi 100020
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 86) 10 652 923 45
E-Mail: pfmaster@legalinfo.gov.cn
MINISTERPRÄSIDENT
WEN Jiabao Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie
Xichengqu,
Beijingshi 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 86) 10 65961109
(c/o Ministry of Foreign Affairs)
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S.E. Herrn Hongbo Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: de@mofcom.gov.cn
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
JuristInnen spielen bei den menschenrechtlichen Aktivitäten in China zunehmend eine Rolle, da immer mehr Menschen auf rechtlichem Weg Demokratie und die Einhaltung der Grundrechte einfordern. Die chinesische Regierung regiert darauf mit unnachgiebiger Härte. MenschenrechtsanwältInnen sollen durch verschiedene Maßnahmen zum Schweigen gebracht werden: man setzt ihre Anwaltslizenzen aus oder entzieht sie ihnen, sie werden drangsaliert, fallen dem Verschwindenlassen zum Opfer oder werden gefoltert. Aufgrund der Verfolgung ist die Zahl der JuristInnen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, relativ niedrig. Von den über 204.000 RechtsanwältInnen in China nehmen nur wenige Hundert Fälle an, bei denen es um Menschenrechte geht.
Ni Yulan arbeitete 18 Jahre lang als Rechtsanwältin. Sie nahm viele politisch brisante Fälle auf, bei denen es um Beschwerden und Proteste gegen den Abriss von Wohnhäusern ging. Die Menschenrechtlerin wird nun schon zum dritten Mal für einen längeren Zeitraum von der Polizei festgehalten. Als sie im Jahr 2002 den Abriss eines Wohnhauses in Peking filmte, brachten die Behörden sie zu einer nahe gelegenen Polizeidienststelle, wo sie über mehrere Tage hinweg gefoltert wurde; dabei brach man ihr die Füße und die Kniescheiben. Ihre Verletzungen waren derart schwerwiegend, dass sie seither im Rollstuhl sitzt. Als Ni Yulan daraufhin versuchte, wegen der Schläge bei den Behörden Beschwerde einzulegen, wurde sie verhaftet und wegen "Behinderung öffentlicher Angelegenheiten" zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Sie verlor dadurch ihre Anwaltslizenz. Ihrem Ehemann Dong Jiqin war der Zutritt zu der Verhandlung untersagt worden.
Nachdem Ni Yulan im Jahr 2003 aus der Haft entlassen wurde, setzte sie sich weiterhin für die Rechte derjenigen ein, deren Wohnhäuser vor den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008 abgerissen werden sollten. Im Jahr 2008 nahm man sie kurz vor den Olympischen Spielen erneut fest und sie kam zwei Jahre lang in Haft, da sie versuchte, den Abriss ihres eigenen Hauses zu verhindern. In Haft war sie Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt. Man versagte ihr außerdem eine angemessene medizinische Versorgung.
Nach der Freilassung von Ni Yulan im April 2010 war das Paar wohnungslos. Sie lebten in einem Hotel bis die Polizei sie auf die Straße drängte und es ihnen unmöglich machte, eine Wohnung zu mieten oder sogar bei Freunden unterzukommen. Im Juni 2010 brachte die Polizei das Paar in der Pension Yuxingong in Peking unter, nachdem Dutzende von UnterstützerInnen eine Solidaritätsdemonstration für Ni Yulan und Dong Jiqin abgehalten hatten. Sie waren jedoch erneut verschiedenen Schikanen durch die Behörden ausgesetzt, wie etwa das Kappen der Wasser- und Elektrizitätsversorgung sowie des Internetzugangs.
Als Ni Yulan in besagter Pension in Peking lebte, hielt sie den Kontakt zu AktivistInnen, RechtsanwältInnen und JournalistInnen und veröffentlichte weiterhin Menschenrechtsverletzungen auf ihrem Mikroblog. Der Dokumentarfilmregisseur He Yang richtete mit seinem Film Emergency Shelter aus dem Jahr 2010 die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Verfolgung von Ni Yulan.