Drohende Steinigung
Laut Berichten der iranischen Zeitung Ham Mihan droht Mohammad Ali Navid Khamami unmittelbar die Steinigung, nachdem er in Rasht in der nördlichen Provinz Gilan wegen "Ehebruchs" verurteilt wurde. Über seine Festnahme und die darauf folgende Verhandlung sind keine Einzelheiten bekannt.
Appell an
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi
c/o Director
Judiciary Public Relations and Information Office
Ardeshir Sadiq
Judiciary Public Relations and Information Office
No. 57, Pasteur St., corner of Khosh Zaban Avenue
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info@dadiran.ir
(Betreff: FAO Ayatollah Shahroudi)
JUSTIZAUTORITÄT VON GILAN
Office of the Gilan Judiciary
Rasht
Gilan Province
IRAN
(korrekte Anrede: Dear Sir)
E-Mail: info@gildad.ir
(Betreff: FAO Head of Gilan Judiciary)
Sende eine Kopie an
STAATSOBERHAUPT
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street – End of Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info_leader@leader.ir und über die Internetseite http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter
(Englisch)
LEITER DER IRANISCHEN BEHÖRDE FÜR MENSCHENRECHTE
Mohammad Javad Larijani
Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St, Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri, Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Larijani)
Fax: (0098) 21 3390 4986
E-Mail: info@dadgostary-tehran.ir
(Betreff: FAO Javad Larijani)
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch.
PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN PERSIAN, ARABIC, ENGLISH, FRENCH OR YOUR OWN LANGUAGE
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expressing deep regret at the stoning to death of Vali Azad on 5 March 2009;
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calling on the authorities to immediately commute the sentence of death by stoning faced by Mohammad Ali Navid Khamami;
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calling on the authorities to immediately commute all other sentences of death by stoning;
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calling on them not to allow the execution by any other means of those sentenced to stoning;
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urging the authorities to ensure that the moratorium on stonings is implemented immediately and effectively, making it clear to officials of law enforcement, custodial and other relevant ministries and agencies that this moratorium must not be breached and that any officials who defy that instruction will be held accountable;
- calling on the authorities to urgently reform the law on stoning in Iran, and urging that any new legislation permits neither stoning nor any other form of execution for "adultery while being married".
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
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Ihr großes Bedauern über die Steinigung von Vali Azad am 5. März 2009 ausdrücken;
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die Behörden auffordern, das Steinigungsurteil gegen Mohammad Ali Navid Khamami sofort umzuwandeln;
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die Behörden auffordern, alle bereits verhängten Steinigungsurteile umzuwandeln;
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sie auffordern, die Verurteilten auch in keiner anderen Form hinzurichten;
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bei den Behörden darauf dringen, zu gewährleisten, dass das Steinigungsmoratorium unverzüglich und wirksam umgesetzt wird, und den Beamten der Polizeibehörden, Grenzbehörden und anderer relevanter Ministerien und Behörden deutlich zu machen, dass gegen dieses Moratorium nicht verstoßen werden darf, und dass jeder Beamte, der diese Vorschrift bricht, dafür zur Verantwortung gezogen wird;
- die Behörden auffordern, das Gesetz zur Steinigung dringend zu reformieren und in neuen Gesetzen weder Steinigung noch irgendeine andere Form der Hinrichtung für "Ehebruch" zuzulassen.
Sachlage
Die Sorge um Mohammad Ali Navid Khamamis Leben nahm weiter zu, nachdem der Sprecher der Justiz, Ali Reza Jamshidi, in einer Pressekonferenz am 5. Mai 2009 bestätigte, dass im iranischen Monat Esfand (Februar/März 2009) ein weiterer Mann zu Tode gesteinigt worden war. Ali Reza Jamshidi gab zwar an, dass seines Wissens nach derzeit in Rasht niemandem sonst die Steinigung drohe, schloss die Möglichkeit jedoch nicht aus.
Amnesty International hatte sich am 3. April 2009 an die Oberste Justizautorität gewandt und die Bestätigung verlangt, dass der 30-jährige Vali Azad aus Parsabad am 5. März 2009 im Lakan-Gefängnis im Geheimen zu Tode gesteinigt wurde. Er war von Hojjatoleslam Kashani, dem Vorsitzenden der 11. Abteilung des ordentlichen Gerichts der Provinz Gilan, wegen "Ehebruchs" zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Amnesty International ging ein Bericht zu, dem zufolge die Frau im selben Fall begnadigt wurde. Nach seiner Hinrichtung wurde Vali Azads Leiche Berichten zufolge im Geheimen bestattet, obwohl seine Familie darum gebeten hatte, ihn selbst beisetzen zu dürfen.
Hintergrundinformation
Ehebruch ist im Iran ein Vergehen und wird grundsätzlich mit Steinigung bestraft. 2002 verfügte die Oberste Justizautorität des Iran ein Moratorium für Hinrichtungen durch Steinigung. Dennoch sind seit 2002 mindestens vier Männer und eine Frau zu Tode gesteinigt worden. Im Januar 2009 sagte Ali Reza Jamshidi, der noch im Dezember 2008 zwei Hinrichtungen durch Steinigung bestätigt hatte, dass die Anordnung des Moratoriums kein rechtliches Gewicht habe und Richter sie daher ignorieren könnten.
Es wird davon ausgegangen, dass im Iran derzeit mindestens acht Frauen und zwei weiteren Männern der Tod durch Steinigung droht (siehe UA-050/2009, 24. Februar 2009 und UA-010/2009, 16. Januar 2009).