Sri Lankas Bevölkerung in Gefahr

Ungefähr 50.000 Zivilpersonen sitzen in der Provinz Mullaitivu im Norden Sri Lankas in einer sich immer deutlicher abzeichnenden humanitären Notlage fest. Sie haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln oder medizinischer Versorgung und sind in großer Gefahr, im Konflikt zwischen den srilankischen Regierungstruppen und einer bewaffneten Oppositionsgruppe namens "Befreiungstiger der Tamil Eelam" (LTTE) verletzt oder getötet zu werden. Nach Schätzungen der UN sind in den Kämpfen seit Anfang des Jahres über 6500 Zivilpersonen ums Leben gekommen und 13.000 verletzt worden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die einzige Hilfsorganisation, die sich dauerhaft im Kampfgebiet aufhalten darf, nannte die Situation "katastrophal".

Appell an

PRÄSIDENT
President Mahinda Rajapaksa
Presidential Secretariat, Colombo 1, SRI LANKA
(korrekte Anrede: Your Excellency/Excelencia)
Fax: (00 94) 11 244 6657 / 247 2100

LTTE
E-Mail: ltteps@gmail.com

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER DEMOKRATISCHEN SOZIALISTISCHEN REPUBLIK SRI LANKA
S.E. Herrn Tikiribandara Maduwegedera
Niklasstr. 19, 14163 Berlin
Fax: 030-8090 9757
E-Mail: info@srilanka-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Singhalesisch, Tamil, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 12. Juni 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN ENGLISH, SINHALESE, TAMIL OR YOUR OWN LANGUAGE

To Government of Sri-Lanka

  • calling for an immediate end to artillery shelling by the Sri Lankan army in the 'No Fire Zone’ in the north-east of the country;

  • calling on the Sri Lankan government to allow full and unimpeded access for national and international humanitarian agencies to the north-east so that they can provide food, medicine and other vital humanitarian assistance to the civilian population;

  • asking the government to provide guarantees of safe passage for national and international humanitarian agencies;

  • calling on the Sri Lankan government to have a cessation of hostilities so that civilians can move to areas of safety;

  • urging the Sri Lankan government to allow independent national and international observers, including non-governmental organizations, prompt and unhindered access throughout the island;

  • urging the Sri Lankan government to ensure that the screening process is carried out in ways that guarantees the human rights and dignity of all those involved, and allow independent monitoring of the screening process;

  • calling for anyone who is detained on suspicion of involvement with the LTTE to be promptly charged with a recognizable criminal offence and be brought to justice in proceedings that meet international standards for fairness, without recourse of death penalty, or released;

  • Adding that while in detention, individuals must not be held incommunicado or in secret or unofficial places of detention where they are vulnerable to extrajudicial executions, torture and enforced.

To the LTTE:

  • calling on the LTTE to allow civilians to move to areas of safety and to stop using civilians as a buffer between themselves and government forces;

  • stop all direct or indiscriminate attacks against civilians, condemn all such attacks publicly and state that they will not be tolerated;

  • end forced recruitment including recruitment of child soldiers and involuntary labor.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

von der srilankischen Regierung

  • fordern, dass der Artilleriebeschuss der "No Fire Zone" im Nordosten des Landes von Seiten der srilankischen Armee unverzüglich eingestellt wird;

  • die srilankische Regierung auffordern, nationalen und internationalen humanitären Organisationen uneingeschränkten Zugang zum Nordosten des Landes zu gewähren, damit sie die Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln, Medizin und anderer wichtiger humanitärer Unterstützung versorgen können;

  • die Regierung auffordern, zu garantieren, dass nationale und internationale humanitäre Organisationen sich frei und gefahrlos bewegen können;

  • die Regierung auffordern, die Kampfhandlungen vorübergehend einzustellen, so dass Zivilpersonen sich in Sicherheit bringen können;

  • bei der srilankischen Regierung darauf dringen, unabhängigen nationalen und internationalen Beobachtern, auch Nichtregierungsorganisationen, sofortigen und uneingeschränkten Zugang in alle Regionen des Landes zu gestatten;

  • bei der Regierung darauf dringen, sicherzustellen, dass diese Überprüfung in einer Art und Weise durchgeführt wird, die die Menschenrechte und –würde aller Betroffenen respektiert, und eine unabhängige Beobachtung der Überprüfung zu gestatten;

  • fordern, dass jede Person, die wegen des Verdachts auf Verbindungen zur LTTE festgehalten wird, entweder unverzüglich einer als Straftat erkennbaren Handlung angeklagt und in einem Verfahren vor Gericht gestellt wird, das den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren entspricht und ohne Verhängung der Todesstrafe, oder freigelassen wird;

  • hinzufügen, dass inhaftierte Personen weder in Isolationshaft gehalten noch in geheimen oder inoffiziellen Hafteinrichtungen festgehalten werden dürfen, in denen ihnen außergerichtliche Hinrichtungen, Folter und "Verschwindenlassen" drohen könnte.

von der LTTE

  • fordern, dass die LTTE es Zivilpersonen ermöglicht, sich in Sicherheit zu bringen, und dass sie Zivilpersonen nicht länger als Schutzschild zwischen sich selbst und den Regierungstruppen missbraucht;

  • fordern, alle gezielten oder wahllosen Angriffe gegen Zivilpersonen einzustellen, solche Angriffe öffentlich zu verurteilen und deutlich zu machen, dass sie nicht toleriert werden;

  • fordern, Zwangsrekrutierungen einzustellen, einschließlich der Rekrutierung von Kindersoldaten und unfreiwilligen Arbeitern.

Sachlage

Zivilpersonen, darunter auch Kinder, sind sehr großer Gefahr ausgesetzt, da sie in dem Gebiet festsitzen und so Luftangriffen der Regierungstruppen und dem Beschuss der LTTE ausgesetzt sind. Das Kampfgebiet umfasste ursprünglich einen großen Teil der Provinz Mullaitivu, doch im Februar 2009 schuf die Regierung auf Druck der UN und anderer internationaler Institutionen eine "No Fire Zone". Dies sollte ein Gebiet sein, in dem Zivilpersonen sicher sind.

Als jedoch die Regierungstruppen Gebiete besetzten, die vorgeblich LTTE-Territorium gewesen waren, begab sich die bewaffnete Oppositionsgruppe in die "No Fire Zone". Diese Sicherheitszone wird von Tag zu Tag kleiner und beschränkt sich mittlerweile auf Teile der Küstenregion in Mullaitivu. Die LTTE hat Zivilpersonen mit vorgehaltener Waffe daran gehindert, das Kampfgebiet zu verlassen und einen sicheren Ort aufzusuchen. Die LTTE lässt diese Menschen für sich kämpfen, Verteidigungen aufbauen und missbraucht sie als menschliche Schutzschilde.

Im Februar 2009 berichtete das IKRK von einem schwindelerregenden Zuwachs in der Zahl ziviler Opfer. Medizinisches Personal vor Ort berichtet, dass die Zone weiterhin wahllos von Regierungstruppen beschossen wird und auch Krankenhäuser angegriffen werden. Durch die mehrfache Verweigerung von humanitärer Hilfe für die Region herrscht ein akuter Mangel an Medizin. Nahrungsmittelknappheit hat zu Fällen der Unterernährung geführt.

Auf internationalen Druck hin hat sich die srilankische Regierung am 27. April verpflichtet, in der "No Fire Zone" keine schweren Waffen einzusetzen. Dennoch berichtete das medizinische Personal vor Ort über anhaltenden Beschuss am 28. April, in dessen Folge 204 Zivilpersonen mit Verletzungen in ein Krankenhaus der Ortschaft Mullivakkal eingeliefert wurden, von denen 29 später verstarben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Konflikt zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE schwelt bereits seit Jahrzehnten. Seit Juli 2008 haben sich die Kämpfe im Nordosten Sri Lankas jedoch intensiviert. Der Konflikt hat sich dadurch drastisch verschärft, und mit ihm einher gehen Kriegsverbrechen und schwere Verstöße gegen internationale Menschenrechtsnormen.

Anfang 2009 waren bis zu eine Million Menschen zwischen den Linien der Regierungstruppen und der LTTE eingeschlossen. Die srilankische Regierung hat unabhängige JournalistInnen und BeobachterInnen wiederholt daran gehindert, unparteiische und genaue Einschätzungen der Situation vorzunehmen. Da somit beinahe keine Informationen nach außen drangen, wusste weder die srilankische Bevölkerung noch der Rest der Welt um das wahre Ausmaß der humanitären Katastrophe in der Vanni-Region.

Im September 2008 wies die Regierung alle humanitären Organisationen mit Ausnahme des IKRK aus. Das IKRK ist die einzige Hilfsorganisation mit dauerhaftem, wenn auch beschränktem, Zugang und hat seitdem in Zusammenarbeit mit der UN erreicht, dass die dortige Zivilbevölkerung eingeschränkt Hilfslieferungen erhält.

Im April 2009, als sich die Kämpfe intensivierten und vermehrt internationaler Druck für einen zeitweiligen humanitären Waffenstillstand ausgeübt wurde, flohen Zehntausende Zivilpersonen in die von der Regierung besetzten Gebiete. Derzeit halten sich über 150.000 Vertriebene in 20 Übergangslagern in der Provinz Vavuniya auf. Die srilankische Regierung hat monatelang behauptet, dass die Zahl der Zivilpersonen, die im Konfliktgebiet festsitzen, niedriger liegt als die von Hilfsorganisationen herausgegebenen Schätzungen. Daher ist die Regierung nun mit den Zehntausenden Zivilpersonen, die in die Provinz Vavuniya geflüchtet sind, überfordert. Aus Berichten geht hervor, dass die zum Auffangen der Flüchtlinge eingerichteten "Welfare Villages" – die de facto staatliche Hafteinrichtungen sind – überfüllt und mangelhaft ausgestattet sind.

Abseits der Kampfgebiete ist die Meinungsfreiheit in Sri Lanka massiv eingeschränkt. Aus diesem Grund wird innerhalb des Landes nicht in vollem Umfang über den Konflikt berichtet. Diejenigen, die es versuchen, werden routinemäßig von der Regierung ins Visier genommen.