Aktivisten nicht gefoltert

Die Staatsanwaltschaft am Staatssicherheitsgericht hat inzwischen den Wirtschaftswissenschaftler Nasser bin Ghaith und den zivilgesellschaftlich engagierten Blogger Ahmad Mansoor vernommen. Beide Männer durften ihren Rechtsanwalt zu der Befragung hinzuziehen. Nach Auskunft des Anwalts ist keiner der beiden Häftlinge gefoltert oder misshandelt worden. Eine Vernehmung von Fahad Salem al-Shehhi, der sich ebenfalls zivilgesellschaftlich betätigt, hat noch nicht stattgefunden. Amnesty International betrachtet die drei Männer als gewaltlose politische Gefangene.

Appell an

STELLVERTRETENDER STAATSCHEF UND MINISTERPRÄSIDENT
Shaikh Mohammad bin Rashid Al-Maktoum
Co-Chair of the Higher National Security Council
Office of the Prime Minister
POB 2838
Dubai
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(korrekte Anrede: Your Highness/ Eure Hoheit, Scheich Mohammad bin Rashid Al-Maktoum)
Fax: (00 971) 4353 1974
E-Mail: über http://www.uaepm.ae/en/communicate/index.html
(1. = Name; 2. = Alter; 3.= Staatsangehörigkeit; 4. = Arbeitsplatz;
5.= E-Mail; 6.= Grund des Schreibens – wählen Sie "Suggestion";
7.= Betreff; 8.= Text)

INNENMINISTER
Lt-General Sheikh Saif bin Zayed Al-Nahyan
Minister of Interior, Human Rights Directorate
POB 398, Abu Dhabi
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Sehr geehrter Herr Inneminister)
Fax: (00 971) 4398 1119

Sende eine Kopie an

AUSSENMINISTER
Sheikh Abdullah bin Zayed Al Nahya
POB 1
Abu Dhabi
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(korrekte Anrede: Your Excellency/Eure Hoheit, Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahya)
Fax: (00 971) 2 4447766

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE
S.E. Herrn Mohammed Ahmed Almahmoud
Hiroshimastraße 18-20
10785 Berlin
Fax: 030-5165 1900

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Juni 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bringe meine Sorge über die Festnahme von Ahmad Mansoor, Fahad Salem al-Shehhi und Nasser bin Gaith zum Ausdruck und fordere Sie auf, die Gründe für ihre Festnahme sowie ihren derzeitigen rechtlichen Status bekannt zu geben.

  • Ich erwarte, dass Ahmad Mansoor und die beiden anderen Männer umgehend und bedingungslos freigelassen werden, da es sich bei ihnen allem Anschein nach um gewaltlose politische Gefangene handelt, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie ihren Überzeugungen in friedlicher Weise Ausdruck verliehen haben.

  • In Übereinstimmung mit internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte möchte ich Sie nachdrücklich dazu auffordern Einschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit aufzuheben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Express concern about the arrest and detention of Ahmad Mansoor, Fahad Salem al-Shehhi and Nasser bin Ghaith, and ask to be informed of the reasons for their arrest and their current legal status.

  • Call for the three detainees to be released immediately and unconditionally if, as it appears, they are prisoners of conscience who are being held solely on account of their peaceful expression of their beliefs.

  • Call on the authorities to remove restrictions on the exercise of the right to freedom of expression, association and assembly, in line with international human rights law and standards.

[HINTERGRUNDINFORMATIONEN]

Bei den Vereinigten Arabischen Emiraten handelt es sich um eine Föderation von sieben Emiraten. Jedes dieser Emirate wird von einem Emir regiert, der über uneingeschränkte Machtbefugnisse verfügt. Wahlen finden in den jeweiligen Emiraten nicht statt. Der Föderale Nationalrat mit seinen 40 Mitgliedern und Sitz in Abu Dhabi wird zur Hälfte vom Nationalen Wahlausschuss gewählt, die übrigen 20 Mitglieder vom Staatspräsidenten bestimmt. Die Amtszeit der Nationalratsmitglieder beträgt zwei Jahre. Eine ihrer wenigen Befugnisse besteht darin, Gesetze der Föderation zu prüfen und zu ergänzen. Über ein Vetorecht gegen Gesetzesinitiativen verfügen sie nicht.

Am 9. März wandten sich mehr als 130 politische und BürgerrechtsaktivistInnen der Vereinigten Arabischen Emirate mit einer Petition an den Staatspräsidenten, in der sie ihn aufriefen, allgemeine und direkte Wahlen einzuführen und dem gewählten Gremium gesetzgeberische Befugnisse zu übertragen. Ahmed Mansoor hatte die Initiative offen und vehement unterstützt und sich in einer Vielzahl von Interviews mit den Medien für einen solchen Weg ausgesprochen.

In einer Erklärung vom 9. April gab die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bekannt, dass Ahmed Mansoor dem Beratungsausschuss der Organisation für den Nahen Osten und Nordafrika angehört. In der Erklärung heißt es weiter, dass Human Rights Watch "auf einer Pressekonferenz vom 26. Januar in Dubai den Einsatz von Ahmed Mansour für die Förderung der Menschenrechte in den Emiraten gewürdigt und anerkannt hat" (siehe http://www.hrw.org/en/news/2011/04/09/uae-government-detains-human-rights-defender?print).

Die in Abu Dhabi erscheinende Zeitung The National zitierte in ihrer Ausgabe vom 11. April einen Polizisten aus Dubai, der erklärt hatte, Ahmed Mansoor sei im Zusammenhang mit einer "Strafsache" auf Weisung der Generalstaatsanwaltschaft festgenommen worden. Einzelheiten wurden nicht bekannt gegeben. Amnesty International vermutet hinter dieser Auskunft eine Schutzbehauptung, um die Inhaftierung von Ahmed Mansoor zu rechtfertigen.

Nach Angaben eines für Ahmed Mansoor und Nassar bin Ghaith tätigen Rechtsanwalts wurde Ahmed Mansoor nicht zu den ungeöffneten Flaschen mit Alkoholika befragt, die man angeblich bei ihm zuhause gefunden hatte. Auch sei keiner der beiden Männer zu der Petition befragt worden, die sie gemeinsam mit vielen anderen Menschen im März 2011 unterzeichnet hatten.

Ahmed Mansoor und seinem Rechtsanwalt Abdelhamid al-Kumaitli sind über Facebook Morddrohungen zugegangen. Eine dieser Drohungen datiert nach Auskunft von Human Rights Watch vom 5. April und lautete: "Ahmed Mansoor, Du bist ein toter Mann. Ich werde in jedem Haus nach Dir suchen, das schwöre ich. Ich schwöre bei Gott, dass ich Dich in Stücke zerteilen werde... Sollte nicht ich Dich niedermetzeln, werden meine Cousins Dir den Kopf abtrennen, Du Köter".

Nach bislang unbestätigten Meldungen aus den Emiraten ist derzeit eine Verleumdungskampagne gegen Ahmed Mansoor und den ebenfalls zivilgesellschaftlich engagierten Menschenrechtsverteidiger Dr. Mohamed al-Mansoori im Gange. So sollen SMS in Umlauf gebracht worden sein, in denen beiden Männern Illoyalität gegenüber den Vereinigten Arabischen Emiraten, fehlender Patriotismus und Kritik am Präsidenten vorgeworfen werden. In anderen Texten ergeht offenbar der Aufruf an die Bevölkerung des Landes, bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Ahmed Mansoor und Dr. Mohamed al-Mansoori zu erstatten.

Die drei Männer werden vom Staatssicherheitsdienst Amn al-Dawla in Haft gehalten. Verstöße gegen vage formulierte Vorschriften des Strafgesetzbuchs, die dort als Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates definiert sind, werden – in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit - vor der Obersten Kammer des Staatssicherheitsgerichts verhandelt. Gegen Urteile dieses Gerichts ist keine Berufung zugelassen.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten existieren keine politischen Parteien. Abweichende politische Meinungen werden nicht geduldet, die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit unterliegen strikten Einschränkungen. Diverse Internetseiten mussten ihr Erscheinen einstellen und die Betreiber wurden wegen Verleumdung strafrechtlich verfolgt.

Nach vorliegenden Meldungen sind politische Gefangene sehr stark von Folter gefährdet. Zu den Foltermethoden zählen Schlafentzug, das Aufhängen an den Hand- oder Fußgelenken mit anschließenden schweren Schlägen auf die Fußsohlen und das Quälen mit Elektroschocks an verschiedenen Körperteilen.

Der UN-Menschenrechtsausschuss hat beanstandet, dass routinemäßige lange Einzelhaft nicht mit der Verpflichtung der Staaten vereinbar ist, Gefangene menschlich und mit Respekt für ihre angeborene Menschenwürde zu behandeln (Allgemeine Bemerkung 21/44, 6. April 1992).

Sachlage

Am 8. April wurde Ahmad Mansoor von zwei uniformierten PolizistInnen und mehreren zivil gekleideten MitarbeiterInnen der Sicherheitspolizei Amn al-Dawla festgenommen. Ahmad Mansoor stellt Beiträge in das politische Online-Forum Hewar ein, dessen Seiten von den Behörden des Landes gesperrt worden sind. Nach Ahmad Mansoors Festnahme wurde seine Wohnung durchsucht und dabei Computer, Bücher und Dokumente beschlagnahmt. Am 17. April wurde Ahmad Mansoor von der Staatsanwaltschaft des Staatssicherheitsgerichts vernommen. Die Staatsanwaltschaft wollte laut Aussagen seines Anwalts von ihm wissen, aus welchen Gründen er es zugelassen habe, dass 'gegen’ den Präsidenten der Emirate und gegen die nationale Sicherheit gerichtete Beiträge in das Online-Forum eingestellt werden. Außerdem wurde Ahmad Mansoor zu Äußerungen befragt, in denen er angeblich zu einem Boykott der anstehenden Wahlen aufgerufen hatte. Damit, so die Staatsanwaltschaft, habe er sich womöglich der "Anstiftung zur Störung der öffentlichen Ordnung" schuldig gemacht. Anklage scheint allerdings nicht gegen ihn erhoben worden zu sein.

Der Wirtschaftswissenschaftler Nasser bin Ghaith, Gastdozent an der Zweigstelle der Pariser Universität Sorbonne in Abu Dhabi, ist am 10. April in Dubai festgenommen worden. Auch er hatte sich in Online-Beiträgen für politische Reformen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft am Staatssicherheitsgericht vernahm Nasser bin Ghaith um den 13. April herum. Sie befragte ihn offenbar zu Äußerungen, die er im Oktober 2010 über den Kronprinzen von Abu Dhabi und den Stellvertretenden Kommandeur der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, gemacht haben soll. Soweit bekannt, ist bislang auch gegen ihn keine Anklage erhoben worden.

Fahad Salemal-Shehhi, ein 38 Jahre alter Mann, wurde am 10. April gegen 19.00 Uhr in seiner Wohnung im Emirat Ajman festgenommen. Er steht ebenfalls dem Online-Forum Hewar nahe und wird vermutlich in den kommenden Tagen vernommen werden.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

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  • Ich bringe meine Sorge über die Festnahme von Ahmad Mansoor, Fahad Salem al-Shehhi und Nasser bin Gaith zum Ausdruck und fordere Sie auf, die Gründe für ihre Festnahme sowie ihren derzeitigen rechtlichen Status bekannt zu geben.

  • Ich erwarte, dass Ahmad Mansoor und die beiden anderen Männer umgehend und bedingungslos freigelassen werden, da es sich bei ihnen allem Anschein nach um gewaltlose politische Gefangene handelt, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie ihren Überzeugungen in friedlicher Weise Ausdruck verliehen haben.

  • In Übereinstimmung mit internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte möchte ich Sie nachdrücklich dazu auffordern Einschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit aufzuheben.

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Shaikh Mohammad bin Rashid Al-Maktoum
Co-Chair of the Higher National Security Council
Office of the Prime Minister
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(korrekte Anrede: Your Highness/ Eure Hoheit, Scheich Mohammad bin Rashid Al-Maktoum)
Fax: (00 971) 4353 1974
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(1. = Name; 2. = Alter; 3.= Staatsangehörigkeit; 4. = Arbeitsplatz;
5.= E-Mail; 6.= Grund des Schreibens – wählen Sie "Suggestion";
7.= Betreff; 8.= Text)

INNENMINISTER
Lt-General Sheikh Saif bin Zayed Al-Nahyan
Minister of Interior, Human Rights Directorate
POB 398, Abu Dhabi
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Sehr geehrter Herr Inneminister)
Fax: (00 971) 4398 1119

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AUSSENMINISTER
Sheikh Abdullah bin Zayed Al Nahya
POB 1
Abu Dhabi
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(korrekte Anrede: Your Excellency/Eure Hoheit, Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahya)
Fax: (00 971) 2 4447766

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S.E. Herrn Mohammed Ahmed Almahmoud
Hiroshimastraße 18-20
10785 Berlin
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  • Express concern about the arrest and detention of Ahmad Mansoor, Fahad Salem al-Shehhi and Nasser bin Ghaith, and ask to be informed of the reasons for their arrest and their current legal status.

  • Call for the three detainees to be released immediately and unconditionally if, as it appears, they are prisoners of conscience who are being held solely on account of their peaceful expression of their beliefs.

  • Call on the authorities to remove restrictions on the exercise of the right to freedom of expression, association and assembly, in line with international human rights law and standards.