Ortschaft belagert

Beatriz Cariño, getötet 2010

Beatriz Cariño, getötet 2010

Die Gemeinde San Juan Copala im südlichen Mexiko wird von Paramilitärs belagert. Bei dem Versuch, die Belagerung zu durchbrechen, sind Menschen bereits bedroht, angegriffen oder getötet worden. Durch den Tod einer indigenen Menschenrechtlerin und eines finnischen Journalisten hat das Medieninteresse an dem Konflikt zugenommen, dennoch haben die Bundes- und Staatsbehörden noch nichts unternommen, um die Belagerung zu beenden.

Appell an:

INNENMINISTER
Lic. Fernando Francisco Gómez-Mont
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso, Col. Juárez, Del. Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06600
MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Minister/Señor Secretario)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

GOVERNEUR DES BUNDESSTAATES OAXACA
Lic. Ulises Ruiz Ortíz
Gobernador del Estado de Oaxaca
Carretera Oaxaca-Puerto Ángel, Km. 9.5, Santa María Coyotepec
Oaxaca C.P. 71254, Oaxaca,
MEXICO
(korrekte Anrede: Dear Governor/ Señor Gobernador)
Fax: (00 52) 951 502 0530
(wenn jemand abhebt, sagen Sie: "el tono de fax, por favor")
E-Mail: gobernador@oaxaca.gob.mx

Sende eine Kopie an:

NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Centro de Apoyo Comunitario
Trabajando Unidos – CACTUS
Jazmín 31, Fraccionamiento
Jardines del Sur
Huajuapán de León, Oax. C.P.
69007
MEXIKO

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die Bundes- und Staatsbehörden auf, umgehend Maßnahmen zum Schutz der BewohnerInnen von San Juan Copala zu ergreifen und sicherzustellen, dass sie angemessenen Zugang zu Nahrung und Trinkwasser sowie medizinischer Versorgung erhalten.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, die Belagerung des Dorfes durch die bewaffnete Gruppe Ubisort zu beenden, damit die BewohnerInnen sich wieder frei bewegen, mit der Außenwelt kommunizieren und humanitäre Hilfe erhalten können ohne Angst vor Angriffen oder Vergeltung.

  • Fordern Sie die Behörden auf, eine Untersuchung des Todes von José Celestino Hernández Cruz in die Wege zu leiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Dringen Sie bei den Bundesbehörden darauf, Menschenrechtsverletzungen gegenüber den BewohnerInnen von San Juan Copala durch die Angehörigen von Ubisort zu verhindern und die Verbindung der Gruppe zu Mitgliedern der PRI, der Regierungspartei des Bundesstaates Oaxaca, zu untersuchen, und alle an Menschrechtsverletzungen Beteiligten vor Gericht zu stellen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • calling on the federal and state government to take immediate action to protect the residents of San Juan Copala, and ensure that they have access to adequate supplies of food and water; as well as all necessary health care;

  • urging them to end the siege of the community by the Ubisort armed group, so that residents can move freely, communicate with the outside world and receive visits from humanitarian missions without fear of attack or reprisal;

  • calling for an investigation into the death of José Celestino Hernández Cruz, with the results made public and those responsible brought to justice;

  • calling on the federal authorities to prevent human rights abuses committed by members of Ubisort against local residents, and to investigate the group's links to members of the PRI, the governing party in Oaxaca, with all those implicated in human rights abuses brought to justice.

Sachlage

Die Gemeinde San Juan Copala im Gebiet der indigenen Triqui im Bundesstaat Oaxaca wurde 2007 von ihren 700 BewohnerInnen zu einem autonomen indigenen Bezirk erklärt, um das Volk der Triqui zu vereinen. Der Ort verwaltet sich selbst und erkennt die Autorität der Beamten in den wichtigsten, nicht von den Triqui verwalteten Städten der Region nicht an. Seit Monaten blockieren Angehörige der bewaffneten Gruppierung Ubisort den Zugang zur Gemeinde als Vergeltungsmaßnahme für die Autonomieerklärung.

BewohnerInnen zufolge kappte Ubisort die Wasserleitung und zwingt die EinwohnerInnen so, eine verschmutzte Wasserquelle zu verwenden. Außerdem verhindert die Gruppierung, dass beschädigte Stromleitungen repariert werden. Nur wenigen BewohnerInnen ist es erlaubt, zu Fuß in die nächste Stadt zu gehen, um Lebensmittel zu besorgen. Seit Anfang April dürfen Autos das Gebiet nicht mehr verlassen. Außerdem ist die Gemeinde von den umliegenden Hügeln aus beschossen worden. Dabei wurde am 17. April José Celestino Hernández Cruz, ein Bewohner von San Juan Copala, von Ubisort-Mitgliedern getötet. Seit diesem Vorfall hat sich die Lage zugespitzt. LehrerInnen und ÄrztInnen ist der Zutritt zum Dorf verwehrt, so dass die EinwohnerInnen keinen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung haben. Ubisort steht in Verbindung mit Oaxacas Regierungspartei Partido Revolucionario Institucional (PRI).

Am 27. April war eine Gruppe von MenschenrechtsverteidigerInnen und -aktivistInnen sowie JournalistInnen in Begleitung internationaler Beobachter auf dem Weg nach San Juan Copala, um auf die Belagerung aufmerksam zu machen und Hilfe zu leisten, als bewaffnete Angehörige von Ubisort sie überfielen. Bei dem Angriff wurden die Menschenrechtlerin und Indigene Alberta Cariño, Beatriz oder Bety genannt, und der finnische Beobachter Jyri Antero Jaakkola getötet (siehe UA 101/2010).

Hintergrundinformation

Hintergrund

Trotz wiederholter Aufforderungen haben die Kommunal- und Staatsbehörden nichts unternommen, um Mitglieder von Ubisort für die Tötungen und die Belagerung von San Juan Copola zur Rechenschaft zu ziehen, eine angemessene Lebensmittel- und Wasserversorgung sicherzustellen und den Bewohnern ein Leben ohne Angst zu garantieren. Am 5. Mai rief die Nationale Menschenrechtskommission Mexikos zum Schutz der Bewohner von San Juan Copala auf.

Wer versucht, den Teufelskreis von Ausgrenzung, Ungleichheit, Armut und anderen Menschenrechtsverstößen gegen die indigenen Völker zu durchbrechen, zahlt einen hohen Preis dafür.

Die überwiegend vom indigenen Volk der Triqui bewohnte Region gehört zu den ärmsten und unruhigsten Gebieten des Landes. Seit über 30 Jahren wird die Region von einem innergemeinschaftlichen Konflikt zerrissen, in dem schon zahlreiche Menschen zu Tode gekommen sind. Die Bundes- und Staatsbehörden haben kaum etwas unternommen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Häufig werden Vorwürfe gegen die Regierungspartei des Bundesstaates laut, den Konflikt in der Region mit der Schaffung von Organisationen wie Ubisort, die vom Staat finanziell unterstützt werden, noch zu verschärfen. Die Rechte dieses indigenen Volkes sind konsequent ignoriert und verletzt worden. Die Autonomieerklärung von San Juan Copala war ein Versuch der indigenen Gemeinschaft, seine Verwaltung selbst zu bestimmen, sich von den lokalen politischen Parteien zu distanzieren, die für die Gewalttätigkeiten verantwortlich gemacht werden, und mit einer traditionellen Triqui-Regierung die Spaltungen zwischen den Gemeinden zu überwinden.
Gemäß der UN-Erklärung über die Rechte der indigenen Völker haben „indigene Völker das kollektive Recht, als eigenständige Völker in Freiheit, Frieden und Sicherheit zu leben, und dürfen keinen...Gewalthandlungen ausgesetzt werden.“