Regisseure in Haft
Ali Shirzadi, März 2009
© privat
Die Filmemacher Mohammad Ali Shirzadi und Ja’far Panahi werden seit Januar beziehungsweise März 2010 im Evin-Gefängnis in Teheran ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Amnesty International betrachtet sie als gewaltlose politische Gefangene, die lediglich wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert sind, und fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.
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LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhuri Tehran 1316814737
IRAN
Fax: (00 98) 21 3390 4986
E-Mail: bia.judi@yahoo.com
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie von den iranischen Behörden die sofortige und bedingungslose Freilassung von Mohammad Ali Shirzadi und Ja’far Panahi, die nur wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit in Haft gehalten werden und politische Gefangene sind.
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Drücken Sie Ihre Sorge darüber aus, dass Mohammad Ali Shirzadi 40 Tage lang ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wurde und dringen Sie darauf, dass die Familienmitglieder aller Gefangenen unverzüglich über deren Verbleib in Kenntnis gesetzt werden und die Erlaubnis erhalten, sie zu besuchen.
- Erinnern Sie die Behörden daran, dass Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, zu dessen Vertragsstaaten der Iran gehört, das Recht auf Meinungsfreiheit garantiert. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, Informationen in Wort, Schrift oder Druck, durch Kunstwerke oder andere Mittel eigener Wahl zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling for the immediate and unconditional release of Mohammad Ali Shirzadi and Ja’far Panahi as they are held solely for the peaceful exercise of their right to freedom of expression and are prisoners of conscience;
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Expressing concern that Mohammad Ali Shirzadi was held incommunicado for 40 days and urging that family members of all detainees are informed promptly of their relatives’ whereabouts and allowed to visit them regularly;
- Reminding the Iranian authorities that freedom of expression is guaranteed under Article 19 of the International Covenant on Civil and Political Rights to which Iran is a state party and that the right to freedom of expression includes freedom to seek, receive and impart information, either orally, in writing or in print, in the form of art, or through any other media.
Sachlage
Mohammad Ali Shirzadi wurde am 4. Januar 2010 vor seinem Haus in Teheran von fünf unbekannten Männern festgenommen. Sie zwangen ihn, in sein Haus zu gehen, durchsuchten dieses ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl und beschlagnahmten unter anderem seinen Computer und seinen persönlichen Laptop. Seine Familie wusste 40 Tage lang nichts über seinen Verbleib, bis er sie anrief und ihnen mitteilte, dass es ihm gut ginge. Er nannte ihnen jedoch nicht seinen Aufenthaltsort. Sie erfuhren erst später, dass er im Evin-Gefängnis festgehalten wird. Seine Familie durfte ihn bisher zwei Mal besuchen, immer unter Aufsicht eines Sicherheitsbeamten. So war es ihm nicht möglich, ihnen die Gründe für seine Festnahme zu nennen. Seine Familie glaubt jedoch, dass seine Festnahme mit einem Interview zwischen dem Menschenrechtler Emadeddin Baghi und Großayatollah Hosseinali Montazeri zusammenhängt, das er vor etwa zwei Jahren filmte. Der Film wurde nach dem Tod des Großayatollah Hosseinali Montazeri im Dezember 2009 gezeigt. Emadeddin Baghi wurde kurz darauf festgenommen und befindet sich seitdem in Haft (siehe UA-05/2010).
Der preisgekrönte Filmemacher Ja’far Panahi wurde am 1. März 2010 in seinem Haus in Teheran zusammen mit mehreren anderen Personen verhaftet, darunter seine Frau und Tochter. Bis auf Ja’far Panahi, der sich weiterhin in Haft befindet, sind alle wieder auf freiem Fuß. Seine Frau durfte ihn zum ersten Mal am 30. März besuchen. Am 14. April gab der Minister für Kultur und islamische Führung als Grund für die Inhaftierung von Ja’far Panahi seine Arbeit an einem regierungskritischen Film über die umstrittenen Präsidentschaftswahlen von 2009 an.
Hintergrundinformation
Ja’far Panahi ist ein renommierter Filmregisseur, der so weltweit gefeierte Filme gedreht hat wie "Der weiße Ballon" und "Der Kreis". Er ist außerdem ein Friedensaktivist und Mitglied des Nationalen Friedensrates (National Peace Council) in Iran, der im Jahre 2008 auf Initiative des von der Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi und anderen MenschenrechtlerInnen gegründeten Zentrums für Menschenrechte (Centre for Human Rights Defenders - CHRD) entstand. Dem Nationalen Friedensrat gehören 85 Persönlichkeiten verschiedener gesellschaftlicher und ethnischer Gruppen und unterschiedlicher Berufe an. Er verfolgt das Ziel, "eine Grundlage für Frieden zu schaffen und zu stärken, einen Militärangriff zu verhindern, die verhängten Sanktionen abzuschaffen und zusätzliche Sanktionen zu verhindern und den Zustand 'weder Krieg noch Frieden’ zu beenden".
Ja’far Panahi befand sich im Juli 2009 bereits für kurze Zeit in Haft. Er war während einer Trauerfeier für Neda Agha Soltan festgenommen worden, einer jungen Frau, die von einem Angehörigen der Basij-Miliz bei den Demonstrationen nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 getötet worden sein soll. Nach seiner Freilassung wurde ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt. So konnte er nicht wie geplant an der Berlinale im vergangenen Jahr teilnehmen. Er ist als Jurymitglied zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingeladen, die vom 12. bis 23. Mai 2010 stattfinden werden.
Mohammad Ali Shirzadi ist Mitglied der von Emadeddin Baghi gegründeten und nun verbotenen Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen (Association for the Defence of Prisoners' Rights - ADPR).