Filmemacher freigelassen

Ali Shirzadi, März 2009

Ali Shirzadi, März 2009

Der Filmemacher Ja’far Panahi wurde am 25. Mai gegen Kaution freigelassen. Der Filmregisseur Mohammad Ali Shirzadi wird jedoch weiterhin im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten.

Appell an

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT VON TEHERAN
Mr. Ali Reza Avaei
Karimkhan Zand Avenue
Sana'i Avenue, Corner of Alley 17, No 152
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Avaei)
E-Mail: avaei@Dadgostary-tehran.ir

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh (Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Internetseite:
http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
Erste Textzeile mit rotem Sternchen: Ihr Vorname. Zweite Textzeile mit Sternchen: Ihr Nachname. Dritte Zeile mit Sternchen: Ihre E-Mail-Adresse.

Sende eine Kopie an

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhuri Tehran 1316814737, IRAN
Fax: (00 98) 21 3390 4986
E-Mail: bia.judi@yahoo.com
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Juli 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die iranischen Behörden auf, die erhobenen oder bevorstehenden Anklagen gegen Ja’far Panahi fallen zu lassen.

  • Fordern Sie von den iranischen Behörden die sofortige und bedingungslose Freilassung von Mohammad Ali Shirzadi, der ein politischer Gefangener ist und nur wegen der friedlichen Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung in Haft gehalten wird.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, Maßnahmen zum Schutz von Mohammad Ali Shirzadi vor Folter oder anderweitiger Misshandlung zu ergreifen und ihm umgehend regelmäßigen Zugang zu seiner Familie, zu seinen Anwält_innen und zu notwendiger medizinischer Versorgung zu gewähren.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to drop any charges brought or contemplated against Ja'far Panahi;

  • Calling on the Iranian authorities to release Mohammad Ali Shirzadi immediately and unconditionally, as he is a prisoner of conscience, held solely for the peaceful exercise of his right to freedom of expression;

  • Urging the authorities to protect Mohammad Ali Shirzadi from torture or other ill-treatment and to grant him immediate and regular access to his family, his lawyers and to any medical care he may need.

Sachlage

Ja’far Panahi wurde am 25. Mai 2010 nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet etwa 160.000 Euro freigelassen. Sein Fall wurde einem Revolutionsgericht übergeben. Ihm droht weiterhin der Prozess. Bei einer Verurteilung und Inhaftierung wegen der friedlichen Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten.

Ja’far Panahi war am 1. März festgenommen worden. Am 16. Mai trat er in Hungerstreik, nachdem er während eines Verhörs beschuldigt worden war, in seiner Gefängniszelle Filmaufnahmen gemacht zu haben. Gefängniswärter sollen ihm als Bestrafung damit gedroht haben, seine Familie festzunehmen. Am 19. Mai rief er seine Familie an und las ihnen einen Brief vor, den er an die Behörden adressiert hatte. Er bat seine Familie darum, den Inhalt des Briefes zu veröffentlichen. In dem Brief forderte er, seiner Familie zu erlauben, ihn zu besuchen, und die Zusicherung, dass sie sich in Sicherheit befände. Weiterhin forderte er den Zugang zu seinem Anwalt und schließlich seine Freilassung bis zum Prozessbeginn. Er schwor, seinen Hungerstreik fortzusetzen, bis seine Forderungen erfüllt wären. Am 21. Mai genehmigte man es seiner Familie und seinem Anwalt, ihn zu besuchen. Außerdem traf er den Staatsanwalt von Teheran, der bekannt gab, dass sein Fall geprüft würde. Ja’far Panahi wurde vier Tage später freigelassen.

Ein weiterer Filmemacher, Mohammad Ali Shirzadi, wird weiterhin im Evin-Gefängnis festgehalten. Seinem Anwalt Farid Gheyrat ist es bisher nicht möglich gewesen, seinen Klienten zu treffen. Auch wurde ihm der Zugang zu dessen Akte nicht gewährt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ja’far Panahi ist ein renommierter Filmregisseur, der weltweit gefeierte Filme gedreht hat wie "Der weiße Ballon" und "Der Kreis". Er ist außerdem ein Friedensaktivist und Mitglied des Nationalen Friedensrates (National Peace Council) in Iran, der im Jahre 2008 auf Initiative des von der Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi und anderen Menschenrechtler_innen gegründeten Zentrums für Menschenrechte (Centre for Human Rights Defenders - CHRD) entstand. Dem Nationalen Friedensrat gehören 85 Persönlichkeiten verschiedener gesellschaftlicher und ethnischer Gruppen und unterschiedlicher Berufe an. Er verfolgt das Ziel, "eine Grundlage für Frieden zu schaffen und zu stärken, einen Militärangriff zu verhindern, die verhängten Sanktionen abzuschaffen und zusätzliche Sanktionen zu verhindern und den Zustand 'zwischen Krieg und Frieden’ zu beenden".

Ja’far Panahi befand sich im Juli 2009 bereits für kurze Zeit in Haft. Er war während einer Trauerfeier für Neda Agha Soltan festgenommen worden, einer jungen Frau, die von einem Angehörigen der Basij-Miliz bei den Demonstrationen nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 getötet worden sein soll. Nach seiner Freilassung wurde ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt. So konnte er nicht wie geplant an der Berlinale 2009 teilnehmen. Nach seiner Festnahme im März 2010 war er als Jurymitglied zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingeladen, die vom 12. bis 23. Mai 2010 stattfanden. Während des Festivals wurde als Zeichen des Protestes gegen seine andauernde Haft ein leerer Stuhl für ihn bereitgestellt. Siehe: Iran must allow detained filmmaker to appear at Cannes, 11. Mai 2010 (http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/iran-must-allow-detained-filmmaker-appear-cannes-2010-05-11).

Während seiner Haft gaben iranische Behördenvertreter_innen an, dass seine Festnahme im Zusammenhang mit seiner Arbeit an einem regierungskritischen Film über die Präsidentschaftswahlen von 2009 stand. Seiner Familie zufolge, habe er nichts Unrechtmäßiges getan. Er habe lediglich in seinem eigenen Haus gefilmt und der Film sei nicht gegen die Regierung gerichtet gewesen. In einem Brief, der während des Festivals von Cannes vorgelesen wurde, wies Ja’far Panahi diese Anschuldigung ebenfalls zurück.

Mohammad Ali Shirzadi ist Mitglied der von dem Menschenrechtsverteidiger Emadeddin Baghi gegründeten und nun verbotenen Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen (Association for the Defence of Prisoners' Rights - ADPR). Er wurde am 4. Januar 2010 von fünf unbekannten Männern festgenommen. Seine Familie wusste 40 Tage lang nichts über seinen Verbleib, bis sie erfuhren, dass er sich im Evin-Gefängnis befand. Sie durften ihn besuchen. Seine Familie glaubt, dass seine Festnahme mit einem Interview zwischen Emadeddin Baghi und Großayatollah Hosseinali Montazeri zusammenhängt, das er vor etwa zwei Jahren filmte. Der Film wurde nach dem Tod des Großayatollah Hosseinali Montazeri im Dezember 2009 vom persischen BBC-Fernsehen ausgestrahlt. Emadeddin Baghi wurde kurz darauf festgenommen und befindet sich seitdem in Haft (siehe UA-05/2010 und weitere Informationen).

Der Iran gehört zu den Vertragsstaaten des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, der das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, Informationen "in Wort, Schrift oder Druck, durch Kunstwerke oder andere Mittel eigener Wahl" zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.