Friedlich Protestierenden droht Ermittlungsverfahren
Am 29. April kam es im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná zu einer Demonstration von Lehrer_innen, die von der Polizei gewaltsam aufgelöst wurde. Der Minister für öffentliche Sicherheit sowie einige andere hochrangige Staatsbedienstete mussten seitdem ihr Amt niederlegen. Laut dem Volksanwaltschaftsbüro von Paraná sind alle festgenommenen Personen mittlerweile wieder frei, müssen jedoch mit einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren rechnen.
Appell an
GOURVERNEUR DES BUNDESSTAATES PARANÁ
Beto Richa
Praça Nossa Senhora de Salete, s/n
Centro Cívico, Curitiba
CEP 80.530-909
Paraná
BRASILIEN
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT VON PARANÁ
Wagner Mesquita de Oliveira
Rua Deputado Mário de Barros, 1290
Ed. Caetano Munhoz da Rocha
Centro Cívico, Curitiba
CEP 80.530-280
Paraná
BRASILIEN
(Anrede: Dear Secretary / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: gabinete@sesp.pr.gov.br
Sende eine Kopie an
VORSITZENDER DER GEWERKSCHAFT DER ANGESTELLTEN IM ÖFFENTLICHEN BILDUNGSSYSTEM DES BUNDESSTAATS PARANÁ
Hermes Silva Leão
Sindicato dos Trabalhadores em Educação Pública do Paraná
Avenida Iguaçu, 880
Rebouças
Curitiba
CEP 80.230-020
Paraná
BRASILIEN
E-Mail: gabinete@app.com.br
BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
I. E. Frau Maria Luiza Ribeiro Viotti
Wallstraße 57
10179 Berlin
Fax: 030–7262 83-20 oder -21
E-Mail: brasemb.berlim@itamaraty.gov.br
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Juni 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Vorwürfe über Misshandlungen durch die Polizei und den Einsatz von exzessiver Gewalt während der Demonstration vom 29. April in Curitiba ein.
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Stellen Sie bitte sicher, dass alle Verletzten Zugang zu angemessener medizinischer Behandlung erhalten.
- Ich appelliere an Sie, das Recht auf Versammlungsfreiheit zu schützen und keine Gewalt gegen friedlich Demonstrierende einzusetzen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to ensure a prompt, thorough, independent and impartial investigation into allegations of police abuse and excessive use of force towards protesters during the 29 April demonstration in Curitiba.
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Calling on them to ensure that all those injured receive proper medical care.
- Urging them to uphold the right to peaceful assembly and not to use force against peaceful protesters.
Sachlage
Am 8. Mai wurde Fernando Francischini durch den neuen Minister für öffentliche Sicherheit Wagner Mesquita de Oliveira abgelöst. Dieser Wechsel ist die direkte Folge einer Demonstration, die brasilianische Lehrer_innen am 29. April in Curitiba, der Hauptstadt des Bundesstaates Paranás, abhielten und die von der Polizei gewaltsam aufgelöst wurde. In den vergangenen Tagen mussten im Zuge dieser Ereignisse noch einige weitere hochrangige Staatsbedienstete innerhalb der bundesstaatlichen Regierung ihr Amt niederlegen. Am 7. Mai trat César Vinícius Kogut, der Befehlshaber der Militärpolizei von Paraná, zurück. In einer öffentlichen Stellungnahme begründete er seinen Schritt mit "unüberwindbaren Schwierigkeiten in der Beziehung zum Minister für öffentliche Sicherheit". Auch im Amt des Bildungsministers des Bundesstaates Paraná hat es infolge der Polizeigewalt gegen die protestierenden Lehrer_innen einen Wechsel gegeben.
Am 12. Mai erfuhr Amnesty International durch das Volksanwaltschaftsbüro (Public Defender’s Office) von Paraná, dass insgesamt 14 Personen im Zuge der Ereignisse vom 29. April festgenommen wurden, zwölf von ihnen volljährig und zwei von ihnen minderjährig. Nach Angaben des Volksanwaltschaftsbüros sind alle Festgenommenen mittlerweile wieder freigelassen worden, müssen jedoch mit einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren rechnen. Ihnen wird Widerstand und Missachtung sowie "Behinderung anderer in der Ausführung ihrer Arbeit und Ruhestörung" (perturbação do trabalho ou sossego alheio) vorgeworfen. Bei den Festgenommenen handelte es sich um Lehrer_innen, Schüler_innen und bundesstaatliche Beamt_innen. Das Volksanwaltschaftsbüro gab an, dass diesen Personen bei ihrer Festnahme ohne richterliche Anordnung oder Beweise zur Rechtfertigung einer solchen Maßnahme die Mobiltelefone abgenommen wurden, und nannte dies "eine klare Verletzung ihrer Privatsphäre".