Delara Darabi hingerichtet

Ergebnis dieser Urgent Action

Delara Darabi ist am 1. Mai 2009 im Rasht-Gefängnis im Norden des Iran hingerichtet worden. Weder ihre Eltern noch ihre Anwälte wurden zuvor über die bevorstehende Hinrichtung informiert, obwohl ihr Anwalt nach iranischem Recht 48 Stunden vor der Vollstreckung benachrichtigt werden muss.

Delara Darabi

Delara Darabi

Delara Darabi ist am 1. Mai 2009 im Rasht-Gefängnis im Norden des Iran hingerichtet worden. Weder ihre Eltern noch ihre Anwälte wurden zuvor über die bevorstehende Hinrichtung informiert, obwohl ihr Anwalt nach iranischem Recht 48 Stunden vor der Vollstreckung benachrichtigt werden muss.

Sachlage

Laut Angaben ihres Anwalts besuchte Delara Darabis Mutter ihre Tochter einen Tag vor der Hinrichtung. Dabei erzählte Delara Darabi ihrer Mutter: „Wenn ich aus dem Gefängnis frei komme, möchte ich meine Ausbildung fortsetzen. Ich wäre gern frei. Einer der Richter hat versprochen, dass ich begnadigt werde.“ Sie fügte hinzu: „Mutter, ich bin unschuldig.“

Am 1. Mai um 7 Uhr morgens rief Delara Darabi ihre Eltern an, sagte ihnen, dass man sie nun hinrichten wolle und bat ihre Eltern, sie zu retten. Während des Gesprächs nahm ihr jemand den Hörer ab und teilte ihren Eltern mit, dass ihre Tochter getötet würde, und sie daran nichts ändern könnten. Die Familie Darabi eilte daraufhin zum Gefängnis, um ihre Tochter zu sehen. Ein letztes Treffen mit ihr wurde ihnen jedoch verwehrt. Während sie vor dem Gefängnis warteten, wurde Delara Darabi hingerichtet. Die Eltern informierten dann die Anwälte über die Hinrichtung ihrer Tochter.

Delara Darabi wurde am 2. Mai auf dem Friedhof„Himmelsgarten“ in Rasht beigesetzt. Hunderte Menschen kamen zu ihrem Begräbnis. Ihr Vater konnte nicht daran teilnehmen, da er sich im Krankenhaus befindet.

Am 29. September 2003 brach die damals 17-jährige Delara Darabi zusammen mit ihrem damals 19-jährigen Freund Amir Hossein Sotoudeh in das Haus der 58-jährigen Cousine ihres Vaters, Mahin, ein, um sie zu bestehlen. Amir Hossein soll die Frau während des Einbruchs getötet haben. Delara Darabi „gestand“ den Mord zunächst. Ihren Angaben zufolge hatte Amir Hossein sie darum gebeten, die Verantwortung für den Mord zu übernehmen, um ihn vor der Hinrichtung zu bewahren. In der Annahme, dass sie als Minderjährige nicht zum Tode verurteilt werden könnte, willigte sie ein. Sie zog ihr Geständnis jedoch später zurück.

Delara Darabi war ursprünglich am 27. Februar 2005 von der Abteilung 10 des Stadtgerichts von Rasht im Norden des Iran zum Tode verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof des Landes entschied jedoch später, dass aufgrund von „Mängeln“ in dem Prozess ein Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet werden müsse und übergab den Fall einem Gericht für Minderjährige in Rasht. Nach zwei Verhandlungstagen im Januar und Juni 2006 wurde Delara Darabi von der Abteilung 107 des Gerichts in Rasht erneut zum Tode verurteilt. Amir Hossein Sotoudeh erhielt wegen Beihilfe zum Mord zehn Jahre Gefängnis. Beide wurden wegen Diebstahls zu drei Jahren Haft und 50 Peitschenhieben verurteilt und wegen einer „unerlaubten Beziehung“ zu 20 weiteren Peitschenhieben. Am 16. Januar 2007 hielt der Oberste Gerichtshof das Todesurteil gegen Delara Darabi aufrecht.

Im März 2007 legte ihr Anwalt Rechtsmittel gegen das Todesurteil ein. Im April 2007 wurde ihr Todesurteil nach einer weiteren Prüfung durch die Abteilung 7 des Obersten Gerichts bestätigt und zur Begutachtung an die Oberste Justizautorität weitergeleitet. Im Dezember 2007 verwies die Oberste Justizautorität Berichten zufolge den Fall aufgrund von Verfahrensfehlern ein weiteres Mal zur Prüfung nach Rasht zurück. Im Februar 2008 soll der Menschenrechtsanwalt Mohammad Mostafaie Delara Darabi im Gefängnis besucht haben. Sie war anscheinend sehr deprimiert und sagte Mohammad Mostafaie, dass sie des Wartens und ihres unerträglichen Lebens im Gefängnis müde sei. Für weitere Informationen siehe UA-004/2006 vom 6. Januar 2006.

Am 21. März 2009 rief Delara Darabi einen ihrer Anwälte, Abdolsamad Khorramshahi, an und teilte ihm mit, dass sie Gerüchte gehört habe, dass man sie hinrichten würde. Ihre Hinrichtung wurde auf den 20. April 2009 festgesetzt. Am 19. April gewährte die Oberste Justizautorität Darabi jedoch einen zweimonatigen Hinrichtungsaufschub.

Der Iran hat seit 1990 nun mindestens 43 zur Tatzeit minderjährige StraftäterInnen hingerichtet, davon acht Personen im Jahr 2008. Delara Darabi ist die zweite minderjährige Straftäterin, die in diesem Jahr hingerichtet wird. Zurzeit befinden sich mindestens 137 minderjährige StraftäterInnen in iranischen Todeszellen.

Das Völkerrecht verbietet die Verhängung der Todesstrafe gegen minderjährige StraftäterInnen, so festgelegt in Artikel 6(5) des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) und im Übereinkommen über die Rechte des Kindes, deren Vertragsstaat der Iran ist. Die iranischen Behörden haben daher eine Verpflichtung, keine Personen hinzurichten, die zum Tatzeitpunkt noch nicht 18 Jahre alt waren.

Für weitere Informationen über Hinrichtungen minderjähriger StraftäterInnen im Iran siehe: Iran: The last executioner of children (Index: MDE 13/059/2007), http://web.amnesty.org/library/index/engmde130592007.

Vielen Dank allen, die mit Appellschreiben versucht haben, die Hinrichtung von Delara Darabi zu verhindern.