Morddrohungen

Im kolumbianischen Departamento Valle del Cauca sind Menschenrechtsverteidiger_innen und Gewerkschafter_innen in Gefahr. Sie haben Morddrohungen erhalten, die offenbar von der paramilitärischen Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia ausgingen.

Appell an

PRÄSIDENT
Juan Manuel Santos
Casa de Nariño
Calle 7. No 6-54
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

INNENMINISTER
Juan Fernando Cristo
Calle 12, No 8-38
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 283 9876

Sende eine Kopie an

NGO MOVICE
Movimiento de Víctimas de Crímenes de Estado
Valle del Cauca
Carrera 9, No. 4-53
Barrio San Antonio
Cali
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Mai 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ergreifen Sie bitte in Absprache mit den Betroffenen alle erforderlichen Maßnahmen, um ihre Sicherheit zu garantieren.

  • Bitte ordnen Sie eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Drohungen an, veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Untersuchung und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Bitte erfüllen Sie ihre Verpflichtungen zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen, die sich aus der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern von 1998 ergeben.

  • Zudem fordere ich Sie auf, umgehend wirksame Maßnahmen zur Auflösung der paramilitärischen Gruppen zu ergreifen und ihre Verbindungen zu den kolumbianischen Sicherheitskräften zu lösen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to take all measures deemed appropriate by those under threat to guarantee their safety.

  • Calling on them to order full and impartial investigations into these threats, publish the results and bring those responsible to justice.

  • Reminding them to fulfil their obligation to protect human rights defenders, as set out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

  • Urging them to take decisive action to dismantle paramilitary groups and break any links these groups still have with some sectors of the security forces.

Sachlage

Am 11. April wurde in den Büroräumen von zwei Menschenrechtsorganisationen und einer Gewerkschaft in der Stadt Cali im Departamento Valle del Cauca eine schriftliche Morddrohung unter der Tür durchgeschoben. Betroffen waren die Menschenrechtsorganisation Comité de Solidaridad con los Presos Poilíticos (CSPP), eine Zweigstelle der Organisation Movimiento de Víctimas de Crímenes de Estado (MOVICE) und der Gewerkschaftsdachverband Central Unitaria de Trabajadores (CUT). Die Morddrohungen waren offenbar von der paramilitärischen Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia unterschrieben.

Die Morddrohungen waren jeweils an Martha Giraldo von MOVICE, José Milciades Sánchez von der Gewerkschaft SINTRAUNICOL, Walter Agredo von CSPP und Wilson Sánchez von CUT adressiert, insgesamt wurden jedoch 15 Personen von CSPP, CUT, MOVICE, den Gewerkschaften SINTRAUNICOL, SINTRAEMCALI, und SINTRAMUNICIPIO, der Menschenrechtsorganisation Comité Permanente por la Defensa de los Derechos Humanos (CPDH) und der sozialen Bewegung Congreso de los Pueblos genannt. Viele Mitglieder dieser Bewegung sind in der Vergangenheit bereits bedroht und einige sogar getötet worden.

In der Morddrohung stand: "Wir werden alle diese links-orientierten, aktivistischen Menschenrechts- und Friedensprozessverteidiger, Indigenensprecher, Congreso-de-los-Pueblos-Aktivisten, Gewerkschafter, Guerilla-Kollaborateure, Hurensöhne, Tripper-Ratten vernichten, wir wissen, wie ihr euch tarnt. Wir erklären all jene zu militärischen Zielen, die sich selbst als Verteidiger der Arbeiter verkleiden, die sich in Gewerkschaften zusammengeschlossenen haben … Außerdem empfehlen wir, dass die Gemeinschaft sich von diesen Menschen fern hält, da diejenigen, die sie begleiten, ebenfalls erschossen werden."

Hintergrundinformation

Hintergrund

Trotz der vermeintlichen Demobilisierung im Rahmen eines 2005 von der Regierung ins Leben gerufenen Programms operieren in Kolumbien weiterhin paramilitärische Gruppen.

Laut der kolumbianischen NGO Somos Defensores wurden von Januar bis März 2016 19 Menschenrechtsverteidiger_innen getötet. In den meisten dieser Fälle ist nicht bekannt, zu welcher Gruppe die mutmaßlichen Täter_innen gehörten. Laut des kolumbianischen Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte stellen paramilitärische Gruppen (die UN bezeichnet sie als "mit dem organisierten Verbrechen verbundene bewaffnete Gruppen, die sich in der Nachfolge der Demobilisierung gebildet haben") weiterhin die größte Herausforderung für die innere Sicherheit dar.

Menschenrechtsverteidiger_innen, darunter Sprecher_innen von indigenen, afro-kolumbianischen und kleinbäuerlichen Gemeinschaften, Gewerkschafter_innen, Opferorganisationen und Landrechtsaktivist_innen werden weiterhin von paramilitärischen Gruppen angegriffen.