Journalistin im Hungerstreik

Iranische Journalistin Hengameh Shahidi

Iranische Journalistin Hengameh Shahidi

Die in Teheran inhaftierte iranische Journalistin Hengameh Shahidi befindet sich in kritischem Zustand. Aus Protest gegen ihre Festnahme befindet sie sich seit 29 Tagen im Hungerstreik. Sie ist herzkrank und muss eigentlich Medikamente einnehmen, was sie jedoch verweigert. Die Journalistin wird in Einzelhaft gehalten und hat keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand.

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Dein Appell

Mit Bitte um Weiterleitung an die Oberste Justizautoritaet

Exzellenz,
ich habe erfahren, dass die in Teheran inhaftierte Journalistin Hengameh Shahidi sich in kritischem Zustand befindet. Aus Protest gegen ihre Festnahme befindet sie sich seit 29 Tagen im Hungerstreik. Sie ist herzkrank, verweigert aber die Einnahme von Medikamenten. Sie wird in Einzelhaft gehalten und hat keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand.

Bitte lassen Sie Hengameh Shahidi umgehend und bedingungslos frei, da sie offenbar lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit inhaftiert ist. Stellen Sie bitte sicher, dass sie bis zu ihrer Freilassung Zugang zu qualifiziertem Aerztepersonal hat, sie entsprechend versorgt wird und die Grundsaetze der Vertraulichkeit, Patientenautonomie und informierte Einwilligung einhaelt. Sorgen Sie bitte dafuer, dass sie nicht mit Strafmassnahmen für ihren Hungerstreik belegt wird, z. B. durch verlaengerte Einzelhaft, was grausamer, unmenschlicher Behandlung oder Strafe gleichkommt und moeglicherweise als Folter betrachtet werden kann.

Mit freundlichen Gruessen

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Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
c/o Public Relations Office
Number 4, Deadend of 1 Azizi
Above Pasteur Intersection, Vali Asr Street
Tehran
IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street
Tehran
IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
The Presidency
Pasteur Street
Pasteur Square
Tehran
IRAN

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Mai 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, E-MAILS UND FAXE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Hengameh Shahidi umgehend und bedingungslos frei, da sie offenbar lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit inhaftiert ist.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass sie bis zu ihrer Freilassung Zugang zu qualifiziertem Ärztepersonal hat, das sie entsprechend der Medizinethik versorgt und die Grundsätze der Vertraulichkeit, Patientenautonomie und informierte Einwilligung einhält.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass sie bis zu ihrer Freilassung nicht mit Strafmaßnahmen für ihren Hungerstreik belegt wird, z. B. durch verlängerte Einzelhaft, da dies grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe gleichkommt und möglicherweise als Folter betrachtet werden kann.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to release Hengameh Shahidi immediately and unconditionally, as she appears to be held solely for the peaceful exercise of her rights to freedom of expression, association and assembly.

  • Calling on them to ensure, pending her release, that she has access to adequate specialized medical care and to a qualified health professional who can provide health care in compliance with medical ethics, including the principles of confidentiality, autonomy and informed consent.

  • Calling on them to ensure, pending her release, that she is protected from any reprisals for her hunger strike, including prolonged solitary confinement, which constitutes cruel, inhuman or degrading treatment or punishment, and may amount to torture.

Sachlage

Die Journalistin und politische Aktivistin Hengameh Shahidi wurde am 9. März willkürlich festgenommen. Am selben Tag trat sie aus Protest gegen ihre Festnahme in den Hungerstreik. Ihr Gesundheitszustand hat sich seither stark verschlechtert. Sie hat ein Herzleiden, weshalb sie in der Vergangenheit bereits ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Hengameh Shahidi benötigt medizinische Versorgung und auch Medikamente, die sie jedoch seit Anfang April nicht mehr zu sich nimmt. Unter Stress verschlechtert sich ihre Erkrankung noch zusätzlich. Seit Anfang April weist sie außerdem die intravenöse Flüssigkeitsgabe zurück.

Hengameh Shahidi wurde von Sicherheitskräften festgenommen, die am 9. März um Mitternacht herum ohne einen Haftbefehl das Haus eines Verwandten in der nordöstlichen Stadt Maschhad durchsuchten, in dem sie sich gerade aufhielt. Die Journalistin wurde zunächst in einer Hafteinrichtung in Maschhad festgehalten, bevor man sie in das Teheraner Evin-Gefängnis verlegte. Dort wird sie derzeit in Einzelhaft festgehalten. Sie befindet sich in Trakt 209, der dem Geheimdienstministerium untersteht.

Hengameh Shahidi wurde nicht über die gegen sie erhobenen Vorwürfe informiert und hat keinen Zugang zu ihrem Rechtsbeistand. Ihr Anwalt Mostafa Tork Hamedani sagte in einem Interview mit der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur ILNA, Hengameh Shahidi werde einer nicht näher benannten „Straftat gegen die öffentliche Sicherheit“ bezichtigt und sei auf Geheiß des Sonderstaatsanwalts für Straftaten im Bereich Medien und Kultur festgenommen worden, welcher der Teheraner Generalstaatsanwaltschaft untersteht.

Hengameh Shahidi ist eine von zahlreichen Journalist_innen, die derzeit einer neuen Festnahmewelle im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Mai 2017 ausgesetzt sind. Sie war bereits im Jahr 2009 kurz nach den damaligen Präsidentschaftswahlen wegen ihres Aktivismus und ihrer journalistischen Tätigkeiten inhaftiert worden. 2011 wurde sie aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 1. April sagte Nahid Kermanshahi, die Mutter von Hengameh Shahidi, in einem Interview mit der Menschenrechtsorganisation Center for Human Rights in Iran, dass der Gesundheitszustand ihrer Tochter sehr schlecht sei: sie habe Herzschmerzen und könne nicht mehr gehen. Hengameh Shahidi habe ihrer Mutter mitgeteilt, dass sie ihrem Verhörbeamten ihr Testament übergeben und zu ihm gesagt habe: „Wenn mir etwas zustößt, wirst du dich verantworten müssen. Die hochrangigen Entscheidungsträger werden sich verantworten müssen. Der Präsident, das Geheimdienstministerium, die Staatsanwaltschaft und die Justiz sind für meinen Tod verantwortlich.“

Vor ihrer Festnahme hatte Hengameh Shahidi einen handschriftlichen Brief verfasst, in dem sie vorausahnte, dass sie festgenommen werden würde, und zwar im Rahmen eines „Vorhabens, politische Aktivistinnen und Journalistinnen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen [im Mai 2017] festzunehmen, um sicherzustellen, dass der gewünschte Kandidat gewinnt, genau wie bei den Wahlen 2009“. Der Brief wurde am 11. März von einem Bekannten auf ihrem Instagram-Konto veröffentlicht.

Weiter auf Englisch:
Hengameh Shahidi was an advisor on women’s issues to candidate Mehdi Karroubi during his 2009 presidential election campaign and is a member of his political party, the E’temad-e Melli (National Trust Party). She was first arrested by Ministry of Intelligence officials on 30 June 2009. She was held for four months in Section 209 of Evin prison, 50 days of which were in solitary confinement in a tiny cell which measured one metre by two metres. She has said that she was tortured through beatings and threats of execution during this time and was in constant fear that she would be executed. She has said that she was also left in a room with ropes and knives for hours, which she felt was intended to drive her to commit suicide. Her interrogators also threatened to arrest members of her family. She was repeatedly interrogated in detention without a lawyer present and was allowed only limited contact with her family. She was denied access to her lawyer, despite his repeated requests for access, until the start of her trial in November 2009.

Later that month, following an unfair trial before Branch 26 of the Revolutionary Court in Tehran, Hengameh Shahidi was convicted of “gathering and colluding to commit crimes against national security” and “spreading propaganda against the system” and sentenced to six years’ imprisonment.