Drohende Folter
Ergebnis dieser Urgent Action
Der Menschenrechtsanwalt Abdullah al-Khalil wurde am 28. März freigelassen.
Abdullah al-Khalil
© Amnesty
Der Menschenrechtsanwalt Abdullah al-Khalil wird an einem unbekannten Ort ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen. Seit seiner Festnahme am 3. Februar auf einer Straße in al-Raqqa im Osten Syriens fehlt von ihm jede Spur.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Dawood Rajiha
Ministry of Defence
Omayyad Square
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 666 2460
AUSSENMINISTER
Walid al-Mu'allim
Ministry of Foreign Affairs and Expatriates
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 625 12 / 11 214 625 13
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herr Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Mai 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE UND E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Geben Sie bitte unverzüglich den Aufenthaltsort und Rechtsstatus von Abdullah al-Khalil bekannt und gewähren Sie ihm sofortigen Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand und der erforderlichen medizinischen Versorgung.
-
Die Berichte, dass Abdullah al-Khalil an einem unbekannten Ort ohne Anklage festgehalten wird und gefoltert oder anderweitig misshandelt worden sein könnte, erfüllen mich mit großer Sorge. Leiten Sie bitte umgehend eine unparteiische Untersuchung dieser Berichte ein und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Abdullah al-Khalil wird offenbar lediglich wegen der rechtmäßigen Wahrnehmung seines Rechts auf Meinungsfreiheit und seiner Menschenrechtsarbeit festgehalten und ist daher als gewaltloser politischer Gefangener zu betrachten, der sofort und bedingungslos freigelassen werden muss.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging the Syrian authorities to reveal Abdullah al-Khalil’s whereabouts and legal status and ensure that he is provided with all necessary medical care, and is given immediate access to his family and lawyer.
-
Expressing concern at reports that Abdullah al-Khalil may have been subjected to torture and other ill-treatment while being held without charge at an unknown location, and urging that these reports be investigated promptly and impartially, with anyone found responsible for abuses brought to justice.
- Expressing concern that Abdullah al-Khalil is a prisoner of conscience detained solely for the legitimate exercise of his right to freedom of expression and his legitimate human rights work, and as such he should be released immediately and unconditionally.
Sachlage
Abdullah al-Khalil ist ein bekannter Rechtsanwalt, der politische Gefangene und gewaltlose politische Gefangene vertritt und dem Zusammenschluss zur Verteidigung von Gefangenen (Detainees’ Defence Team) in seinem Heimatort al-Raqqa angehört. Er hat außerdem regelmäßig auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam gemacht, die im vergangenen Jahr während der Proteste und Unruhen, aber auch schon davor, begangen worden sind. Nach Aussagen syrischer MenschenrechtsaktivistInnen wurde Abdullah al-Khalil am 3. Februar gemeinsam mit anderen AnwältInnen (die mittlerweile wieder freigelassen wurden) auf der Straße in al-Raqqa festgenommen. Unbestätigten Berichten zufolge wurde er im Gewahrsam des Militärgeheimdienstes in al-Raqqa gefoltert oder in anderer Weise misshandelt. Daraufhin soll er an den Militärgeheimdienst in der Hauptstadt Damaskus überstellt worden sein. Es ist unklar, ob und welche Anklagepunkte gegen Abdullah al-Khalil erhoben worden sind. Im vergangenen Jahr war Abdullah al-Khalil bereits dreimal festgenommen worden, und er und seine Familie waren auf verschiedene Weise von den syrischen Behörden drangsaliert worden.
In den vergangenen zwölf Monaten sind tausende mutmaßliche GegnerInnen der syrischen Regierung festgenommen worden. Viele, wenn nicht sogar die meisten, sollen gefoltert und auf andere Weise misshandelt worden sein. Amnesty International liegen die Namen von über 280 Personen vor, die während dieser Zeit in der Haft ums Leben gekommen sind. Außerdem hat die Organisation zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen frühere Gefangene gefoltert oder anderweitig misshandelt wurden. Weitere Informationen über die Folter und Misshandlung von Gefangenen in Syrien finden Sie im englischen Bericht "I wanted to die": Syria’s torture survivors speak out vom März 2012, online unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/016/2012/en.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE UND E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Geben Sie bitte unverzüglich den Aufenthaltsort und Rechtsstatus von Abdullah al-Khalil bekannt und gewähren Sie ihm sofortigen Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand und der erforderlichen medizinischen Versorgung.
-
Die Berichte, dass Abdullah al-Khalil an einem unbekannten Ort ohne Anklage festgehalten wird und gefoltert oder anderweitig misshandelt worden sein könnte, erfüllen mich mit großer Sorge. Leiten Sie bitte umgehend eine unparteiische Untersuchung dieser Berichte ein und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Abdullah al-Khalil wird offenbar lediglich wegen der rechtmäßigen Wahrnehmung seines Rechts auf Meinungsfreiheit und seiner Menschenrechtsarbeit festgehalten und ist daher als gewaltloser politischer Gefangener zu betrachten, der sofort und bedingungslos freigelassen werden muss.
[APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Dawood Rajiha
Ministry of Defence
Omayyad Square
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 666 2460
AUSSENMINISTER
Walid al-Mu'allim
Ministry of Foreign Affairs and Expatriates
Al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 625 12 / 11 214 625 13
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herr Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Mai 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Abdullah al-Khalil wird wegen seiner friedlichen Menschenrechtsaktivitäten und seiner Tätigkeit als Menschenrechtsanwalt offenbar systematisch von den syrischen Behörden schikaniert. Seit Mai 2011 ist er bereits dreimal festgenommen worden, und am 6. Februar hätte er eigentlich vor Gericht erscheinen sollen. Die Anklagepunkte in diesem Gerichtsverfahren waren offenbar politisch motiviert: Ihm wird "illegale Bautätigkeit" auf einem Grundstück vorgeworfen, das den Behörden zufolge in Staatsbesitz ist. Am 1. Mai 2011 wurde Abdullah al-Khalil einen Monat lang festgehalten und zu der ihm vorgeworfenen Teilnahme an nicht genehmigten Demonstrationen sowie dem Schüren religiöser Konflikte befragt. Dies sind Anschuldigungen, die mutmaßlichen RegierungsgegnerInnen häufig zur Last gelegt werden. Einige Tage nach seiner Freilassung wurde Abdullah al-Khalil im Rahmen einer Präsidialamnestie begnadigt. Am 22. August wurde er zusammen mit 21 anderen AnwältInnen erneut festgenommen und eine Woche lang festgehalten, weil er sich an einem friedlichen Sitzstreik am Justizpalast in al-Raqqa beteiligt hatte. Am 15. Dezember nahm man Abdullah al-Khalil und seinen Sohn vor seinem Haus fest. Während sein Sohn am nächsten Tag freigelassen wurde, hielt man Abdullah al-Khalil elf Tage lang fest und befragte ihn zu Aussagen, die er auf Facebook gemacht hatte. Diese Aussagen betrafen die mutmaßliche Folter, die einige seiner Mandanten in der Haft erlitten haben sollen. Ihm wurde vorgeworfen, "falsche Informationen verbreitet" und Proteste geschürt und an ihnen teilgenommen zu haben. Am 18. Dezember wurde auf Geheiß des Gouverneurs von al-Hasaka das Bauernhaus der Familie niedergerissen, offenbar als Strafe für Abdullah al-Khalils Menschenrechtsaktivitäten. Während des Abrisses wurden mehrere Familienmitglieder von VertreterInnen der Behörden angegriffen, und der Neffe von Abdullah al-Khalil musste zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Bereits im April 2011 hatte Abdullah al-Khalil angegeben, Morddrohungen erhalten zu haben, und obgleich er dies den Behörden gemeldet hätte, seien allem Anschein nach keine Untersuchungen eingeleitet worden.
Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich Mitte März zu Massenprotesten. Die Behörden reagierten in ihrem Bestreben, die Proteste niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Seit April 2011 dokumentiert Amnesty International systematische und weitreichende Menschenrechtsverletzungen, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrachtet werden müssen. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs sich mit der Situation in Syrien befasst und fordert außerdem ein umfassendes Waffenembargo für Syrien sowie das Einfrieren der Vermögenswerte von Präsident Bashar al-Assad und seinen Gefolgsleuten.
Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 7.200 Menschen, die Berichten zufolge seit Mitte März im Zusammenhang mit den Demonstrationen gestorben sind oder getötet wurden. Vermutlich sind viele von ihnen von den Sicherheitskräften, die mit scharfer Munition gegen die Protestierenden vorgingen, erschossen worden, während sie an friedlichen Demonstrationen oder der Beisetzung von Opfern früherer Proteste teilnahmen. Auch Angehörige der Sicherheitskräfte sind getötet worden: einige von abtrünnigen Soldaten, die ihre Waffen nun gegen die Regierung einsetzen, andere von KollegInnen, weil sie sich weigerten, auf Demonstrierende zu schießen. Tausende Menschen wurden festgenommen, und viele von ihnen werden ohne Kontakt zur Außenwelt an unbekannten Orten in Haft gehalten, an denen Folter und andere Misshandlungen an der Tagesordnung sein sollen. MenschenrechtsverteidigerInnen und anderen Personen, die Menschenrechtsverletzungen dokumentieren oder veröffentlichen, drohen Festnahme, Folter und andere Misshandlungen. Zahlreiche MenschenrechtsverteidigerInnen sind bereits untergetaucht oder ins Ausland geflohen, da sie oder ihre Familien bedroht wurden.
Syrien verfügt über mehrere Sicherheits- und Nachrichtendienste sowie zahlreiche inoffizielle Gruppierungen, die oftmals zwar bewaffnet, jedoch nicht uniformiert sind. Diese Gruppierungen sind für Entführungen, Tötungen und andere Straftaten verantwortlich, die offenbar von BehördenvertreterInnen koordiniert, zumindest aber geduldet werden. Amnesty International liegen Berichte vor, denen zufolge bewaffnete Personen Menschen bedrohen, misshandeln und in einigen Fällen töten. Diese Personen sollen Verbindungen zu Behördenstellen unterhalten bzw. die Regierung unterstützen.