Zwangsräumung durchgeführt
Ergebnis dieser Urgent Action
An die 200 Menschen sind aus einer informellen Siedlung in Ris-Orangis außerhalb von Paris vertrieben worden. Acht Familien haben inzwischen rechtliche Schritte gegen die Räumung eingeleitet.
Informelle Siedlung in Ris-Orangis
© Amnesty
An die 200 Menschen sind aus einer informellen Siedlung in Ris-Orangis außerhalb von Paris vertrieben worden. Acht Familien haben inzwischen rechtliche Schritte gegen die Räumung eingeleitet.
Sachlage
Am Morgen des 3. April haben die Behörden mehr als 200 BewohnerInnen einer informellen Siedlung in Ris-Orangis aus ihren Hütten und Wohnwagen vertrieben. Der Bürgermeister von Ris-Orangis hat sich bereit erklärt, zwölf der vertriebenen Familien, 38 Personen, in einem Integrationsprojekt unterzubringen. Bis das Projekt anläuft, werden sie vorübergehend woanders untergebracht.
Vereine vor Ort gehen davon aus, dass einige Familien nach der Zwangsräumung für vier bis zehn Nächte in einer Notunterkunft im Großraum Paris untergebracht wurden und etwa 30 Personen erst einmal obdachlos waren, bis lokale Wohlfahrtsverbände eine vorübergehende Unterbringung organisieren konnten. NGOs vor Ort haben ihre Bedenken zu den unhygienischen Zuständen in einigen der vorübergehenden Unterkünfte zum Ausdruck gebracht.
Am 15. April haben acht aus Ris-Orangis vertriebene Familien und ein einzelner Mann, insgesamt 17 Erwachsene und 26 Kinder, rechtliche Schritte vor dem Verwaltungsgericht von Versailles eingeleitet, in denen sie den Präfekten dazu auffordern, sicherzustellen, dass diejenigen, die nicht Teil des Integrationsprojektes des Bürgermeisters bilden, eine Unterkunft erhalten. Ihre Anwältin argumentierte, dass sie nach vier Nächten in einer Notunterkunft nun obdachlos seien. Nach der Anhörung gab die Präfektur eine Erklärung ab, die nahelegt, dass die Beschwerde abgewiesen wurde. Nach Zusicherung des Präfekten, sich formell dafür einzusetzen, dass die 43 BeschwerdeführerInnen in Notunterkünften unterkommen können, hatte das Verwaltungsgericht tatsächlich entschieden, dass es nicht nötig sei, die Beschwerde zu hören. Die Familien sind seit dem 17. April in Notunterkünften im Großraum Paris untergebracht und müssen sich am 22. April erneut an den Vermittlungsdienst für Notunterkünfte wenden, um weiter untergebracht zu werden.
Bei einem Treffen mit VertreterInnen von Amnesty International Frankreich am 8. April berichtete der Bürgermeister von Ris-Orangis, dass er Briefe von Amnesty-AktivistInnen aus aller Welt erhalten habe und signalisierte, dass er mit den NGOs vor Ort Rücksprache zur Entwicklung der Situation der im Integrationsprojekt aufgenommenen Personen halten werde.
Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben. Auch wenn die Zwangsräumung nicht verhindert werden konnte, so wurden die Appelle doch deutlich wahrgenommen und könnten dazu beitragen, dass die Vertriebenen in Zukunft eine sichere Wohnsituation haben werden.