Drohende Hinrichtung
Ergebnis dieser Urgent Action
Am 14. April wurde im US-Bundesstaat Missouri der 53-jährige Afroamerikaner Andre Cole hingerichtet. Er war 2001 wegen der Ermordung von Anthony Curtis zum Tode verurteilt worden.
© Fons Hickmann
Am 14. April soll im US-Bundesstaat Missouri der 53-jährige Afroamerikaner Andre Cole hingerichtet werden. Er war 2001 in einem Gerichtsverfahren, dessen Jury ausschließlich aus Weißen bestand, zum Tode verurteilt worden. Laut seinen Rechtsbeiständen hat sich seine geistige Gesundheit in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MISSOURI
Governor Jay Nixon
P.O. Box 720
Jefferson City
MO 65102
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 573 751 1495
E-Mail: über die Webseite: http://governor.mo.gov/contact/
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 14. April 2015 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte weder den Mord an Anthony Curtis entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Jedoch gebe ich zu bedenken, dass es Andre Cole aufgrund seines Geisteszustands nicht möglich ist, die Gründe für das Strafmaß und die Umstände seiner Bestrafung zu begreifen, was gemäß der US-amerikanischen Verfassung jedoch eine Voraussetzung für die Vollstreckung von Todesurteilen ist.
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Es besorgt mich sehr, dass Andre Cole in einem Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt wurde, dessen Geschworene ausschließlich weiß waren, nachdem sich die Staatsanwaltschaft bei der Auswahl der Jurymitglieder gegen drei Afroamerikaner_innen ausgesprochen hatte. Zudem bereitet es mir große Sorge, dass Mordprozesse im St. Louis County in Missouri häufig mit Mängeln behaftet sind, die auf rassistische Vorurteile zurückzuführen sind.
- Ich bitte Sie daher inständig, die Hinrichtung von Andre Cole zu stoppen und sich für die Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe einzusetzen.
Sachlage
Am 21. August 1998 wurde Anthony Curtis im Haus der Exfrau von Andre Cole erstochen. Andre Cole und seine Frau hatten sich 1995 scheiden lassen. Die Exfrau von Andre Cole wurde bei diesem Vorfall ebenfalls verletzt, jedoch nicht tödlich. Andre Cole wurde 2001 vor Gericht gestellt und für den Mord an Anthony Curtis zum Tode verurteilt. Außerdem erhielt er drei lebenslange Haftstrafen wegen Körperverletzung.
Die zwölf Geschworenen aus dem St. Louis County im Bundesstaat Missouri waren alle weiß. Die Staatsanwaltschaft hatte sich bei der Auswahl der Geschworenen gegen drei Afroamerikaner_innen ausgesprochen. Als der Staatsanwalt aufgefordert wurde, in einem der drei Fälle für seine Ablehnung eine Begründung "ohne Rückgriff auf Rassenmerkmale" abzugeben, führte er die Tatsache an, dass die betreffende Person geschieden war und daher möglicherweise mit dem Angeklagten mitfühlen könnte. Der Staatsanwalt ging von der Theorie aus, dass zwischen Andre Cole und seiner Frau ein "sehr feindseliges" Verhältnis geherrscht habe, fragte den zurückgewiesenen Geschworenenkandidaten jedoch nicht nach den Umständen seiner eigenen Scheidung. Der abgelehnte Kandidat sagte später, dass er zum Zeitpunkt des Gerichtsverfahrens bereits seit zehn Jahren geschieden gewesen sei und es bei seiner Scheidung keinerlei böses Blut gegeben habe. Hinzu kommt, dass der Staatsanwalt keine Einwände gegen einen weißen Geschworenen hatte, der ebenfalls geschieden war und zum Zeitpunkt des Prozesses Unterhaltszahlungen für sein Kind leistete, obwohl die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass Andre Cole zum Tatzeitpunkt in das Haus seiner Exfrau eingedrungen war, weil er wütend über die von ihm zu leistenden Unterhaltszahlungen gewesen sei. Eine schwarze Frau, die als Ersatzgeschworene bestimmt worden war, falls ein Jurymitglied während des Prozesses ausfallen sollte, beschrieb zu einem späteren Zeitpunkt in einer eidesstattlichen Erklärung, dass die zwölf weißen Geschworenen in ihrer Anwesenheit rassistische Bemerkungen über Andre Cole machten. Sie bezeichnete diese Kommentare als "eindeutig rassistisch voreingenommen".
Laut den Rechtsbeiständen von Andre Cole litt er in den vergangenen Jahren eigenen Angaben zufolge an auditorischen Halluzinationen. Offenbar hört er Stimmen über die interne Sprechanlage, das Telefon und den Fernsehapparat. Ein Psychiater stellte bei Andre Cole "ausgeprägte Psychosesymptome" und "schwere Wahnvorstellungen" fest, aufgrund derer es Andre Cole nicht möglich sei, die Gründe für das Strafmaß und die Umstände seiner Bestrafung zu begreifen.
Die Mutter von Anthony Curtis hat sich gegen die Hinrichtung von Andre Cole ausgesprochen. Für die Exfrau und Kinder von Andre Cole wäre seine Hinrichtung nach eigenen Angaben "ein schwerer Schlag". Einer seiner Söhne sagte: "Obwohl ich noch wütend darüber bin, dass mein Vater meine Mutter angegriffen hat, und ich ihm nur schwer verzeihen kann, möchte ich nicht, dass er hingerichtet wird. Die Hinrichtung meines Vaters wäre ein schwerer Schlag für meine Mutter, meine Tante, meinen Onkel, meinen Bruder und den Rest der Familie."
Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahr 1977 sind 1.404 Personen hingerichtet worden, 82 davon im Bundesstaat Missouri. Bisher sind im Jahr 2015 landesweit zehn Todesurteile vollstreckt worden, davon zwei in Missouri.
Amnesty International wendet sich in allen Fällen ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.