Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Todesurteil umwandeln!

  • USA
UA-072/2017
Index:
AMR 51/5988/2017
30. März 2017

Herr PAUL STOREY, 32 Jahre alt

Ausschnitt einer Zeichnung von Mark Wiles: © privatAusschnitt einer Zeichnung von Mark Wiles: © privat

Paul Storey soll am 12. April im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Unter denen, die seine Begnadigung fordern, sind auch die Eltern des Mannes, den Paul Storey 2006 getötet haben soll. Einer der Geschworenen, der für die Todesstrafe gestimmt hatte, fordert ebenfalls die Umwandlung des Todesurteils.

Am 16. Oktober 2006 wurde der 28-jährige Jonas Cherry bei einem Raubüberfall auf dem Minigolfplatz Putt-Putt Golf and Games in Hurst, Texas, wo er als Assistent der Geschäftsführung gearbeitet hat, getötet. Der damals 22-jährige Paul Storey wurde gemeinsam mit dem 20-jährigen Mark Porter wegen Mordes angeklagt. Beiden Angeklagten wurde eine Einigung im Strafverfahren angeboten - eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit auf Bewährung im Gegenzug für ein Schuldbekenntnis. Mark Porter ging darauf ein und wurde 2008 verurteilt. Paul Storey wollte kein Schuldeingeständnis abgeben. Der Fall ging vor Gericht und Paul Storey wurde zum Tode verurteilt. Seit dem 25. November 2008 befindet er sich im Todestrakt.

Bei der Verhandlung über die Strafzumessung präsentierte die Verteidigung kein medizinisch-psychologisches Gutachten, sondern lud vornehmlich Familienangehörige des Angeklagten vor, um als Leumundszeugen auszusagen. 2010 kam im Berufungsverfahren eine Psychologin zu dem Schluss, dass man den Geschworenen im Gerichtsverfahren 2008 "viele mildernde Umstände" hätte präsentieren sollen, unter anderem ernstzunehmende Depressionserkrankungen unter Paul Storeys Familienmitgliedern mütterlicherseits sowie seine eigenen geistigen Behinderungen und seine begrenzten intellektuellen Fähigkeiten. Die Psychologin führte aus, dass Informationen über seine "eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten, seine Beeinflussbarkeit, seine Mitläufertendenzen und sein Mangel an Bewältigungsstrategien […] ausschlaggebend für eine Strafmilderung hätten sein können". Hinsichtlich der Befürchtung, Paul Storey könne in der Zukunft eine Gefährdung darstellen, schrieb die Psychologin, dass "die verfügbaren Informationen zu der Zeit der Verurteilung darauf hindeuteten, dass Herr Storey nur eine sehr geringe Gefahr für seine Mitmenschen darstellte". Im Jahr 2010 unterschrieb einer der Geschworenen eine eidesstaatliche Erklärung, nachdem er diesen Bericht gelesen hatte. Er sagte: "Basierend auf diesen neuen Informationen bin ich mir sicher, dass ich nicht für die Todesstrafe gestimmt hätte". Insbesondere sagte er, er hätte sich in einem solchen Fall dafür ausgesprochen, "dass Herr Storey keine potenzielle Gefahr darstellt".

In Paul Storeys Gnadengesuch wird darauf hingewiesen, dass der Staatsanwalt bei der Strafzumessung gegenüber den Geschworenen gesagt hatte, dass "die gesamte Familie des Angeklagten gestern hier ausgesagt und euch darum gebeten hat, sein Leben zu retten", es sich jedoch von selbst verstehe, "dass die Familie von Jonas [Cherry] und all die, die ihn liebten, der Ansicht sind, dass das Todesurteil angemessen ist". Kürzlich beantragten die Eltern von Jonas Cherry jedoch bei den Behörden die Umwandlung des Todesurteils. Sie fertigten sogar ein Video an, in dem sie erklärten: "Wir möchten nicht, dass Paul Storey für den Mord an unseren Sohn hingerichtet wird, und bitten darum, dass er eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit auf Bewährung erhält." Die Mutter von Jonas Cherry machte deutlich: "Wir können den Gedanken nicht ertragen, dass wegen dem Tod unseres Sohnes eine weitere Person in voller Absicht getötet wird und damit einer weiteren Familie Leid zugefügt wird. Die Hinrichtung [von Paul Storey] wird den Tod unseres Sohnes nicht besser machen, sondern fügt uns nur noch mehr Leid zu."

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Paul Storey (Häftlingsnummer 999538) und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.
  • Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass einer der Geschworenen angegeben hat, dass er nicht für die Todesstrafe gestimmt hätte, wenn man den Geschworenen die Beweise für eine Strafmilderung präsentiert hätte, die im Berufungsverfahren vorgelegt wurden. Die strafmildernden Umstände hätten gut und gerne in einer lebenslangen Haftstrafe resultieren können - dieselbe Strafe, die beiden Angeklagten ursprünglich von der Staatsanwaltschaft angeboten wurde.
  • Darüber hinaus möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass auch die Eltern von Jonas Cherry darum gebeten haben, das Todesurteil gegen Paul Storey umzuwandeln.

APPELLE AN

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin, Texas 78757-6814, USA
(Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses )
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR VON TEXAS
Greg Abott
Office of the Governor, P.O. Box 12428
Austin, Texas 78711-2428, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr
Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849
E-Mail: https://gov.texas.gov/contact/assistance.aspx

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i.
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 12. April 2017 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN auf Englisch

Texas accounts for 37% of the executions (542 of 1,448) carried out in the USA since judicial killing resumed there in 1977 under revised capital laws approved by the US Supreme Court in 1976. The death penalty in the USA is marked by arbitrariness, discrimination and error. Supposedly reserved under constitutional law for the worst crimes and the most culpable offenders, in reality it is often those who lack the resources to mount an effective defence who end up on death row, or those whose crimes were committed in a jurisdiction whose prosecutorial authorities are more willing or better resourced than others to pursue the death penalty. The geographic bias in the system is illustrated in Texas. For example, 40 people have been executed since 1976 who were prosecuted in Tarrant County, Texas, the county where Paul Storey was tried. Only 10 whole states have carried out more than 40 executions in the past 40 years.

In Texas, a prerequisite for a death sentence is a jury's finding that the defendant would likely commit future acts of criminal violence that would constitute a "continuing threat to society" if allowed to live. If the jury is not unanimous in answering this "future dangerousness" question in the affirmative, the judge will impose a life sentence. The jury also has to consider whether there is sufficient mitigation evidence to warrant a life rather than a death sentence. If the jurors are less than unanimous in answering "no" to this question, that again results in a life sentence.

There have been six executions in the USA so far in 2017, four of them in Texas. Amnesty International opposes the death penalty in all cases, unconditionally. Today, 141 countries are abolitionist in law or practice.

In 2015, US Supreme Court Justice Stephen Breyer, joined by Justice Ruth Bader Ginsburg, argued that the time had come for the Court to revisit the constitutionality of the death penalty in the USA, given the evidence of its arbitrariness and unreliability. Among the contributors to inconsistency or error, he suggested, was the jury selection process: "No one can serve on a capital jury who is not willing to impose the death penalty". He wrote and cited the half-century of research that "has demonstrated that death qualification skews juries toward guilt and death". At jury selection, the defence and prosecution will question prospective jurors and can exclude certain people, either for a stated reason (for cause) or without giving a reason (a peremptory challenge). Those citizens who would be "irrevocably committed" to vote against the death penalty can be excluded for cause by the prosecution, under a 1968 US Supreme Court ruling. In 1985, the Court relaxed the standard, thereby expanding the class of potential jurors who could be dismissed for cause during jury selection. Under this standard, a juror can be dismissed for cause if his or her feelings about the death penalty would "prevent or substantially impair the performance of his duties as a juror in accordance with his instructions and his oath". In 1986, the Supreme Court acknowledged research showing that the "death qualification" of capital jurors "produces juries somewhat more 'conviction-prone' than 'non-death-qualified' juries".

In 2016, the juror who signed an affidavit in 2010 provided his recollections of the jury's deliberation at Paul Storey's trial: "I know we didn't deliberate long - one to two hours, maybe. The room was pretty quiet; it felt like everyone came in already knowing how to vote. All the other jurors thought he should be put to death. If I could have done anything, it would have been to deadlock the jury, but I didn't have the personal strength to do it. I was 28, and not a mature 28. I've grown quite a lot since then, but at the time, I was really uncomfortable speaking out". The state appeal court had dismissed his affidavit under Texas evidentiary rules, and when the federal District Court upheld the death sentence in 2014, the judge said he did "not give this affidavit any weight" as it had not been shown that the state court had acted unreasonably in dismissing it.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for the execution of Paul Storey (inmate #999538) to be halted and his death sentence to be commuted.
  • Noting that one of the jurors has said he would not have voted for the death penalty if the jury had been presented with the mitigation evidence revealed on appeal, which would have been enough to result in a life sentence, the sentence that the prosecution had offered to both co-defendants.
  • Noting the call for commutation of Paul Storey's death sentence made by the parents of Jonas Cherry.