Hinrichtung am 20. April

Für eine Welt ohne Todesstrafe

Für eine Welt ohne Todesstrafe

Stacey Johnson soll am 20. April wegen eines 1993 begangenen Mordes im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet werden. Drei Richter_innen des Obersten Gerichts von Arkansas argumentieren jedoch, dass ihm ein faires Verfahren vorenthalten wurde, da ihm der Zugang zu Informationen bezüglich der Glaubwürdigkeit einer Hauptzeugin der Anklage verweigert wurde.

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Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte begnadigen Sie Stacey Johnson und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.

  • Ich möchte darauf hinweisen, dass drei Richter_innen des Obersten Gerichts von Arkansas der Ansicht sind, dass der selektive Einsatz der Schweigepflicht zu einem unfairen Verfahren geführt hat, da so der Verteidigung Informationen über die Glaubwürdigkeit einer Hauptzeugin der Anklage vorenthalten wurden.

  • Ich möchte betonen, dass ich die Schwere dieses Gewaltverbrechens und seine Folgen auf keinen Fall herunterspielen möchte.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for clemency for Stacey Johnson and for his death sentence to be commuted.

  • Noting the selective use of the therapist/patient privilege, which three state Supreme Court judges said led to an unfair trial by keeping from the defence information about the credibility of a key prosecution witness.

  • Explaining that you are not seeking to condone violent crime or to downplay its consequences.

Sachlage

Am 2. April 1993 fand man die Leiche von Carol Heath in ihrer Wohnung in DeQueen im US-Bundesstaat Arkansas. Man hatte ihr die Kehle durchgeschnitten und sie wies weitere Verletzungen auf. Ihre sechs Jahre alte Tochter gab an, dass ein Afroamerikaner mit einem „Mädchennamen“ zu ihnen nach Hause gekommen sei, dass er mit ihrer Mutter gekämpft habe und dass er ein Messer gehabt habe. Das Mädchen wies bei Fotografien von sieben schwarzen Männern, die ihr die Polizei zeigte, auf Stacey Johnson. Er wurde daraufhin am 14. April 1993 in New Mexico festgenommen und in Sevier County in Arkansas vor Gericht gestellt. Im Jahr 1994 wurde er wegen Mordes schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Im Rechtsmittelverfahren 1996 ordnete das Oberste Gericht von Arkansas ein Neuverfahren auf der Grundlage an, die Aussage der Polizei über die Identifizierung des Täters durch die Tochter sei Hörensagen und daher nicht zulässig. Die Richterin hatte die Tochter für eine Aussage als ungeeignet erklärt.

Stacey Johnsons Rechtsbeistand beantragte wegen der großen Öffentlichkeit eine Verlegung des Verfahrens an einen anderen Ort. Die Richterin gab dem Antrag statt, bestimmte jedoch Pike County statt wie gewünscht Little River County zum neuen Verhandlungsort. Die Verteidigung legte Widerspruch ein und argumentierte, dass Pike County einen viel geringeren Anteil an schwarzer Bevölkerung habe - 3% der registrierten Wähler_innen, verglichen mit 19% in Little River - und dies sei ein Fall mit schwarzem Angeklagten und weißem Opfer. Das Neuverfahren fand dennoch 1997 in Pike County vor einer Jury mit nur einem afroamerikanischen Mitglied statt. Die Tochter des Opfers, die zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt war, wurde als zur Aussage geeignet befunden und eine Kronzeugin des Verfahrens. Stacey Johnson wurde schuldig gesprochen und erneut zum Tode verurteilt. Im Jahr 2000 hielt das Oberste Gericht des Bundesstaates Urteil und Strafmaß mit knapper Mehrheit aufrecht.

Drei der Richter_innen schlossen sich diesem Urteil nicht an. Sie merkten an, dass die Tochter des Opfers seit dem Mord in Therapie war. Vor dem ersten Verfahren hatte ihr gesetzlicher Vormund die Schweigepflicht für die behandelnde Psychologin aufgehoben. Die Therapeutin sagte bei einer Eignungs-Anhörung aus, das Mädchen werde seelischen Schaden leiden, wenn man es zur Aussage nötigen würde, und dass sie nicht genau erinnere, was ein Jahr zuvor passiert war. Von 1996 bis 1998 wurde das Mädchen von einer anderen Therapeutin behandelt. Für das Neuverfahren 1997 lehnte der gesetzliche Vormund es ab, diese Therapeutin von der Schweigepflicht zu entbinden. Stacey Johnsons Rechtsbeistand hatte daher keinen Zugang zu ihren Aufzeichnungen. Wenn er diesen Zugang gehabt hätte, so merkten die drei Richter_innen an, „wäre er in der Lage gewesen, auf die Schlussfolgerungen der Therapeutin einzugehen, dass die Geschichten des Mädchens sehr widersprüchlich seien und dass sie unter beträchtlichem Druck von ihrer Familie und der Staatsanwaltschaft gestanden habe, Stacey Johnson schuldig zu erklären“. Diese Informationen hätten „eine gänzlich neue Grundlage zur Hinterfragung der Glaubwürdigkeit des Mädchens“ gegeben. Sie schrieben, dass „wenn der Patientin zugestanden wird, zwischen Ärzten als Zeugen aussuchen zu können und sie unter Berufung auf die Schweigepflicht verhindern kann, dass belastende Zeugenaussagen dem Gericht vorgelegt werden, könnte die Justiz zur Farce werden“. Solch eine „Wahlmöglichkeit“, fuhren sie fort, „ist genau das, wozu es hier gekommen ist“ und meinten damit, dass Stacey Johson beim Kreuzverhör dieser Zeugin und bei der Verteidigung allgemein „lahmgelegt“ wurde und „ihm damit das Recht auf ein faires Verfahren verweigert war“.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt. Die Anwendung der Todesstrafe ist eine destruktive und polarisierende Maßnahme, die keine Möglichkeit lässt, Fehlurteile zu korrigieren. Sie verursacht zudem hohe finanzielle und soziale Kosten. Ein etwaiger abschreckender Effekt der Todesstrafe ist nicht erwiesen. In den USA werden Todesurteile oft unter diskriminierenden Umständen verhängt, häufig auf der Grundlage der ethnischen und gesellschaftlichen Zugehörigkeit. Mit der Todesstrafe wird den Verurteilten die Möglichkeit auf Rehabilitierung genommen. Eine solche Bestrafung stellt nicht nur für die Familie und Freunde des/der Verurteilten eine Qual dar, sondern kann auch für die Familie des Opfers schwierig sein. Aus diesen Gründen spricht sich Amnesty International für die Abschaffung der Todesstrafe aus. Bis heute haben mehr als 141 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Appell an:

GOUVERNEUR VON ARKANSAS
The Honorable Asa Hutchinson
Governor of the State of Arkansas
State Capitol, Suite 250
500 Woodlane St
Little Rock
AR 72201
USA
(Anrede: Dear Govenor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 501 682 3597 oder (001) 501 682-1382
E-Mail: http://governor.arkansas.gov/contact-info/
(Da dieses Formular nur mit einer US-Adresse zu verwenden ist, tragen Sie bitte Ihren Namen und die Adresse der US-Sektion von Amnesty International ein:
600 Pennsylvania Ave. SE, 5th Floor
Washington, D.C. Zip Code: 20003)

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 20. April 2017 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.