MigrantInnen entführt
MigrantInnen in Mexiko
© Ricardo Ramírez Arriola
MigrantInnen im mexikanischen Bundesstaat Tabasco dienen weiterhin als Zielscheibe für Übergriffe von kriminellen Banden. Dieses Mal wurden einige MigrantInnen entführt. Örtliche Behörden reagieren langsam und mit unzulänglichen Maßnahmen. Solche Entführungen bedeuten eine unmittelbare Gefahr für MigrantInnen.
Appell an
INNENMINISTER
Miguel Ángel Osorio Chong
Bucareli 99, col. Juárez
Cuauhtemoc
Distrito Federal
MEXIKO, C.P. 6600
(Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Innenminister)
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
Fax: (00 52) 55 5093 3414
GENERALSTAATSANWALT DES BUNDESSTAATES TABASCO
Fernando Valenzuela Pernas
Av. Paseo Usumacinta No. 802
Col. Gil y Sáenz (antes El Águila)
Villahermosa
Tabasco, MEXIKO
(Anrede: Dear Attorney General / Sr. Procurador General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: procurador@pgjtabasco.gob.mx
Sende eine Kopie an
MIGRANTENHERBERGE LA 72
E-Mail: ruben_migrante@hotmail.com
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S. E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte sorgen Sie dafür, dass Schutzmaßnahmen für die MigrantInnen getroffen werden, die Betroffene oder AugenzeugInnen der Entführungen vom 14. Mai geworden sind. Ich bitte Sie auch, besseren Schutz von MigrantInnen ohne regulären Aufenthaltsstatus, die sich auf der Durchreise durch Mexiko befinden, zu gewährleisten, indem wirksam gegen kriminelle Banden vorgegangen wird.
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Es bereitet mir große Sorge, dass die Behörden bisher keine wirksamen rechtlichen Schritte gegen alle für die Entführungen von MigrantInnen ohne regulären Aufenthaltsstatus am 14. Mai Verantwortlichen unternommen zu haben scheinen. Zudem wurde den Betroffenen kein Zugang zu Justiz gewährt, z. B. durch vorläufige Aufenthaltsgenehmigungen, um die Strafanzeige verfolgen zu können.
- Gewährleisten Sie den Schutz der MenschenrechtsverteidigerInnen von der Migrantenherberge La 72, die aufgrund der Hilfestellung für die Betroffenen der jüngsten Entführung möglichweise in Gefahr sind.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to ensure protection of the migrants who were the victims of, and witnesses to the kidnappings on 14 May and to improve security of irregular migrants in transit in Mexico by effectively combating criminal gangs responsible.
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Expressing concern at the apparent failure of the authorities to take timely and effective measures to bring all those responsible for the kidnappings of irregular migrants on 14 May to justice and ensure that the victims have access to justice. Including temporary residence visas in order to pursue the criminal complaint.
- Ensure the safety of human rights defenders from the 72 shelter who may face increased insecurity as a result of supporting the victims of this latest kidnapping incident.
Sachlage
Am 14. Mai entführte eine kriminelle Bande in der Nähe von Tenosique im Bundesstaat Tabasco mindestens fünf MigrantInnen ohne regulären Aufenthaltsstatus. Die entführten MigrantInnen waren mit vielen weiteren MigrantInnen auf einem Güterzug durchgereist, als die kriminelle Bande den Zug stoppte und sie überfiel. Unter den Entführten waren Frauen, Männer und Kinder. Die fünf Entführten wurden mittlerweile freigelassen, nachdem deren Verwandte in Zentralamerika gezwungen worden waren, Lösegelder zu bezahlen, um Misshandlungen und Mord an den Entführten zu vermeiden.
Zwei MigrantInnen, die den Überfall beobachtet hatten und selbst Verwandte haben, die entführt worden sind, kamen später am Tag in die Migrantenherberge La 72, um Hilfe zu suchen. Nachdem Lösegelder in der Migrantenherberge La 72 bezahlt worden waren, wurden am 20. Mai einige der am 14. Mai entführten MigrantInnen freigelassen. Als sie später am Abend zurück in die Migrantenherberge kamen, berichteten sie über ihre Erfahrungen.
Es wurde Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft von Tabasco (Procuraduría General de Justicia del Estado de Tabasco, PGJE) erstattet und Beweise für die Entführung eingereicht, doch Berichten haben die Behörden keine Maßnahmen gegen die kriminellen Bande ergriffen. Aufgrund des Scheiterns der Bundes- und Landesregierungen, wirksam gegen die ausführlich dokumentierten Angriffe auf und Entführungen von MigrantInnen ohne regulären Aufenthaltsstatus vorzugehen, sind die kriminellen Banden nach wie vor auf freiem Fuß, um MigrantInnen weiterhin ins Visier zu nehmen. Die Banden arbeiten oft in Absprache mit korrupten staatlichen BeamtInnen und verbreiten Angst vor Vergeltungsmaßnahmen unter denjenigen, die Anzeige bei den Behörden erstatten, darunter auch MenschenrechtsverteidigerInnen. MigrantInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen, die solche Vorfälle gemeldet hatten, haben in der Vergangenheit Vergeltungsmaßnahmen zu spüren bekommen.
Hintergrundinformation
Jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen aus mittel- und südamerikanischen Ländern, ohne Visum über Mexiko in die USA zu gelangen. Viele von ihnen werden von den mexikanischen Einwanderungsbehörden inhaftiert und in ihre Heimatländer zurückgeführt. Amnesty International hat Mexiko kürzlich bereist, um Berichte über Menschenrechtsverletzungen an dieser Personengruppe zu prüfen. Bei dem Besuch fand Amnesty International heraus, dass viele MigrantInnen von Banden verschleppt werden und dies manchmal in Mittäterschaft von BeamtInnen lokaler Behörden geschieht. Die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen an MigrantInnen, die sich in einer besonders gefährdeten Lage befinden, hat zu einem Anstieg dieser Verbrechen geführt, obwohl sich die Regierung verpflichtet hat, die Rechte von MigrantInnen zu schützen.
Rubén Figueroa und Fray Tomás González arbeiten in der Migrantenherberge La 72. Sie sind ständigen Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt, weil sie sich für MigrantInnen ohne regulären Aufenthaltsstatus einsetzen, die sich auf der Durchreise durch Mexiko befinden.
Im Jahr 2012 wurde das Gesetz zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen einstimmig sowohl von der Abgeordnetenkammer als auch vom Senat in Mexiko verabschiedet und vom Präsidenten unterschrieben. Die Umsetzung mit der direkten Beteiligung von VertreterInnen der Zivilgesellschaft hat nun begonnen. Es sind jedoch dringend Verfahrensprotokolle, klare Richtlinien zu der Zusammenarbeit zwischen den Behörden auf Bundesebene und den bundesstaatlichen Behörden sowie finanzielle Mittel erforderlich, um die Wirksamkeit des Gesetzes sicherzustellen. Es ist unerlässlich, dass sich die Behörden darüber im Klaren sind, dass ihre Verantwortlichkeiten nicht nur auf die Schaffung eines Schutzmechanismus begrenzt sind.
Amnesty International hat vor Kurzem eine Aktion ins Leben gerufen, um auf die Notlage aufmerksam zu machen, in der sich MigrantInnen während der Reise durch Mexiko befinden, und um dafür zu sorgen, dass den MigrantInnen die Hilfe geboten wird, die sie bei der Durchquerung des Landes dringend benötigen. Sie können sich unter http://sendsocks.org/ an der Aktion beteiligen.