Hinrichtung ausgesetzt

Hinrichtungsraum

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Am 23. Februar hat das texanische Berufungsgericht die Aussetzung der auf den 5. März terminierten Hinrichtung von Rodney Reed verfügt. Er war wegen eines Mordes zum Tode verurteilt worden, den er im Jahr 1996 begangen haben soll. Rodney Reed hat die Tat stets bestritten.

Sachlage

Am 23. Februar hat das texanische Berufungsgericht die Aussetzung der Hinrichtung von Rodney Reed verfügt. Seine Rechtsbeistände hatten am 13. Februar einen diesbezüglichen Antrag eingereicht. Das Gericht gab dem Antrag mit sechs zu zwei Stimmen statt und sagte hierzu: "In diesem Antrag macht der Antragsteller geltend, über neu erworbene Beweismittel zu verfügen, die seine Behauptung stützt, unschuldig zu sein, dass neue wissenschaftliche Beweise seine mögliche Unschuld belegen können…, und dass die Staatsanwaltschaft falsche, irreführende und wissenschaftlich nicht haltbare Beweise vorgelegt hat, die sein Recht auf ein faires Verfahren verletzen… Das Gericht verfügt, dass die Hinrichtung des Antragstellers ausgesetzt wird, bis das Gericht weitere Anweisungen erteilt."

Rodney Reed sitzt seit seiner Verurteilung im Jahr 1998 wegen des Mordes an Stacey Stites im Todestrakt eines texanischen Gefängnisses. DieLeiche von Stacey Stite wurde am Nachmittag des 23. April 1996 in der Nähe einer Straße in Bastrop County im ländlich geprägten Zentraltexas gefunden. Fast ein Jahr nach dem Mord konnten bei einem DNA Abgleich Spermaspuren an der Leiche Rodney Reed zugeordnet werden konnten. Zuerst hatte er angegeben, das Opfer nicht gekannt zu haben, räumte jedoch später ein, mit ihm eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben.

Neue Einschätzungen von Gutachter_innen und weitere Beweise schüren nun Zweifel an der Version der Staatsanwaltschaft und den forensischen Beweisen, auf die sie sich stützt. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass die DNA Spuren von Rodney Reed an der Leiche von einer Vergewaltigung stammen, die zeitgleich mit dem Mord um etwa 03:00 Uhr am 23. April 1996 stattgefunden haben soll. Der forensische Gutachter der Staatsanwaltschaft bestätigte diese Version vor Gericht. Inzwischen hat er eine Stellungnahme unterzeichnet, in der er der Staatsanwaltschaft vorwirft, sein Gutachten missbraucht zu haben und erklärt, dass seine Einschätzung "vor Gericht nicht als präzise Feststellung des Todeszeitpunktes von Miss Stites hätte verwendet werden dürfen" und dass sich das Sperma schon seit mehr als 24 Stunden vor ihrem Tod in ihrem Körper hätte befunden haben können. Dies deckt sich zudem mit der Aussage Reeds, in diesem Zeitraum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit dem Opfer gehabt zu haben. Drei führende forensische Patholog_innen kommen nach der Untersuchung aller verfügbarer Hinweise ebenfalls zu dem Schluss, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Stacey Stites Opfer eines sexuellen Übergriffes geworden ist, sondern dass sie vielmehr 24 Stunden oder mehr vor ihrem Tod einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatte. Sie stellten fest, dass sie vor 24:00 Uhr am 22. April 1996 getötet wurde und dass sie mehrere Stunden lang mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen haben muss, bevor sie zur Fundstelle der Leiche gebracht wurde. Einer der Gutachter führte an, dass dieser forensische Beweis die Version der Staatsanwaltschaft über den Todeszeitpunkt "medizinisch und wissenschaftlich unmöglich" macht. Ein anderer kam zu dem Ergebnis, "dass es auf Grundlage der forensischen Beweise aus medizinischer Sicht an Sicherheit grenzt, dass Mister Reed für ein Verbrechen hingerichtet werden soll, das er nicht begangen hat."

Kürzlich haben zwei Personen Aussagen unterzeichnet, in denen sie bestätigen, dass ihnen die Beziehung zwischen Rodney Reed und Stacey Stites bekannt war. Frühere Zeugen, die die Beziehung bezeugt hatten, wurden vom Gericht für unglaubwürdig erachtet, entweder weil sie mit dem Angeklagten in Verbindung standen oder aus anderen Gründen.

Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind derzeit nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben.