Ermittlungen eingeleitet

Magamed Abubakarov

Magamed Abubakarov

Die Untersuchungen zu den Morddrohungen gegen den Strafverteidiger Magamed Abubakarov aus dem russischen Nordkaukasus haben begonnen. Die Drohungen stammten von einer unbekannten Handynummer. Es bleibt abzuwarten, ob ein Verantwortlicher ermittelt wird.

Appell an

INNENMINISTER DER REPUBLIK KABARDINO-BALKARIEN
Sergei Valentinovich Vasilyev
Minister of Internal Affairs of the Kabardino-Balkaria Republic
ul. Kuliev, 10a, 360000 g. Nalchik
Kabardino-Balkaria
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Innenminister)
Fax: (00 7) 866 249 52 00
E-Mail: mvd_kbr@mail.ru

DIREKTOR DER SICHERHEITSBEHÖRDE DER REPUBLIK KABARDINO-BALKARIEN
Maj.-Gen. Sergei Leonidovich Kumenniy
Head of the Directorate of the Federal Security Service for Kabardino-Balkaria, ul. Lenina, 4, 360000 g. Nalchik
Kabardino-Balkaria
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Major-General Kumenniy / Sehr geehrter Generalmajor Kumenniy)
Fax: (00 7) 866 248 17 090
E-Mail: kbr@fsb.ru

GENERALSTAATSANWALT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Yurii Yakovlevich Chaika
Prosecutor General of the Russian Federation
Prosecutor General’s Office
ul. B. Dmitrovka, d.15a
125993 Moscow, GSP- 3
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Prosecutor General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 7) 495 987 58 41 oder (00 7) 495 692 17 25
E-Mail: prgenproc@gov.ru

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. April 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich begrüße die Tatsache, dass Ermittlungen zu den Morddrohungen gegen Magamed Abubakarov vom Februar 2013 eingeleitet wurden.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass die Untersuchungen zu der Beschwerde von Magamed Abubakarov über die gegen ihn ergangenen anonymen Drohungen unabhängig, unparteiisch und zielführend durchgeführt werden. Machen Sie die Verantwortlichen ausfindig und stellen Sie sie vor Gericht.

  • Ich fordere Sie auf, es StrafverteidigerInnen im Nordkaukasus zu ermöglichen, ihrer Arbeit nachzugehen, ohne von Angehörigen der Strafverfolgungsbehörden oder anderen Personen eingeschüchtert, behindert oder drangsaliert zu werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Welcoming the opening of the investigation into the threats made against Magamed Abubakarov in February 2013.

  • Urging the Russian authorities to investigate Magamed Abubakarov’s complaints about the threats he has received in an effective, independent and impartial manner, to identify perpetrators and bring them to justice.

  • Urging them to ensure that criminal defence lawyers in the North Caucasus are able to discharge their functions without intimidation, hindrance and harassment, including from members of law enforcement agencies.

Sachlage

Am 11. Februar 2013 erstattete Magamed Abubakarov im Zusammenhang mit den Drohnachrichten, die er zwischen dem 6. und dem 11. Februar auf seinem Mobiltelefon erhalten hatte, bei der örtlichen Polizei im russischen Kabardino-Balkarien Anzeige. Am 22. Februar startete ein Ermittler des Regionalbüros des Innenministeriums in Nalchik eine strafrechtliche Untersuchung nach Teil 1, Artikel 119 des Strafgesetzbuches (Androhung von Mord oder schwerer Körperverletzung).

Es besteht die Befürchtung, dass die Ermittlungen wie in vielen anderen Fällen nach Durchführung einiger formaler Untersuchungen hinausgezögert und im Endeffekt aufgrund "mangelnder Verdachtsmomente" eingestellt werden.

Magamed Abubakarov hat zwischen dem 6. und dem 11. Februar 2013 mehrfach Drohungen von einer ihm unbekannten Handynummer per SMS erhalten. Der Absender behauptete darin, zu wissen, wo sich Magamed Abubakarov aufhält, und sagte ihm, er könne sich nicht verstecken. Magamed Abubakarov versuchte, den Absender zurückzurufen und schickte ihm Nachrichten, in denen er ein Treffen vorschlug. Sowohl seine Anrufe als auch die Nachrichten blieben jedoch unbeantwortet. Nachdem er die Drohungen bei der Polizei gemeldet und ihr die Nummer des Absenders übermittelt hatte, erhielt er abermals eine Nachricht, in der er bedroht wurde. Darin hieß es unter anderem: "Die Zeit zum [Reden] ist vorbei. … [Du wirst bald in einer Leichenhalle reden]."

Die ersten Drohungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Strafverteidiger erhielt Magamed Abubakarov im Jahre 2007. Seitdem wird er regelmäßig bedroht.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Strafverteidiger Magamed Abubakarov stammt aus Tschetschenien und arbeitet derzeit in Kabardino-Balkarien, einer weiteren im Nordkaukasus gelegenen Republik. Er ist weithin bekannt für seine mutige Arbeit zu einigen der brisantesten Straffälle des Nordkaukasus, bei denen es oftmals um gegen BeamtInnen mit Polizeiaufgaben erhobene schwere Vorwürfe wegen Entführungen, Folter und konstruierten Anklagen ging, sowie wegen seiner Interviews, die er den Medien zu diesen Themen gibt. Magamed Abubakarov hat bereits mit verschiedenen Menschenrechtsorganisationen zusammengearbeitet, unter anderem auch mit Amnesty International. Einer seiner Mandanten ist Rasul Kudaev, ein ehemaliger Guantanamo-Häftling, der von ErmittlungsbeamtInnen und Angehörigen der Gefängnisbehörden gefoltert und misshandelt worden ist. Amnesty International hat bereits mehrere Urgent Actions zu seinem Fall herausgegeben.

In der Nacht des 15. Dezember 2011 war Magamed Abubakarov alleine in seinem Auto unterwegs, als er von bewaffneten und maskierten PolizeibeamtInnen in einer ruhigen Straße in Nalchik angehalten wurde. Nachdem er seine Papiere vorgezeigt hatte, befahl man ihm, den Kofferraum seines Autos zu öffnen. Als er dies tat, fuhr ein Auto in hoher Geschwindigkeit von hinten in ihn hinein. Magamed Abubakarov erlitt schwere Verletzungen. Eines seiner Beine wurde zertrümmert und er musste mehrere Monate im Krankenhaus verbringen. Anfangs dachte er, es sei ein Unfall gewesen, konnte jedoch nicht ausschließen, dass er absichtlich verletzt worden war. Sein Misstrauen stieg, als der Unfallfahrer seine Anrufe nicht weiter entgegennahm. Außerdem unternahm die Polizei nichts, um den Aufenthaltsort des Fahrers ausfindig zu machen und verweigerte Magamed Abubakarov anschließend die Einsicht in die Unfallakte.

Die Lage in der russischen Region Nordkaukasus ist von Unsicherheit und Unbeständigkeit gekennzeichnet. Regelmäßig wird die Region von Gewalttaten bewaffneter Gruppierungen erschüttert, die sich gegen Sicherheitskräfte und örtliche Staatsbedienstete, aber auch gegen Zivilpersonen richten. Die Behörden gehen gegen diese Bedrohung fast ausschließlich mit Sicherheitsoperationen und drastischen Strafverfolgungsmaßnahmen vor. In diesem Zusammenhang werden ihnen oftmals Menschenrechtsverletzungen wie außergerichtliche Hinrichtungen und das Verschwindenlassen, die geheime Inhaftierung sowie Folter und anderweitige Misshandlungen von Personen vorgeworfen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem englischsprachigen Bericht: Russian Federation: The circle of injustice: Security operations and human rights violations in Ingushetia unter http://amnesty.org/en/library/info/EUR46/012/2012/en.

StrafverteidigerInnen im Nordkaukasus, die Fälle mutmaßlicher Angehöriger bewaffneter Gruppierungen – also derjenigen Personen, die besonders gefährdet sind, Opfer von den oben genannten Menschenrechtsverletzungen zu werden – übernehmen, sind häufig selbst Drohungen und Menschenrechtsverletzungen durch BeamtInnen mit Polizeibefugnissen ausgesetzt, die sie als ein Hindernis bei ihrer Arbeit betrachten. Omar Saidmagomedov, ein Anwalt aus Dagestan, wurde auf offener Straße in Makhachkala von Sicherheitskräften getötet. Die Behörden verzeichneten seine Tötung als Folge einer Sicherheitsoperation, seine KollegInnen vertreten jedoch die Auffassung, dass er wegen seiner Arbeit außergerichtlich hingerichtete wurde. Sie äußerten Besorgnis darüber, dass die Behörden sich weigern, diesen Anschuldigungen nachzugehen.