Eltern schikaniert

Schikaniert und bedroht: Die Mutter von Orlando Zapata Tamayo vor einem Bild ihres Sohnes

Schikaniert und bedroht: Die Mutter von Orlando Zapata Tamayo vor einem Bild ihres Sohnes

Am 18. Februar wurden Reina Luisa Tamayo und ihr Ehemann José Ortiz von staatlichen Sicherheitskräften festgenommen und 12 Stunden lang in Gewahrsam gehalten. Reina Tamayo ist die Mutter von Orlando Zapata Tamayo, eines gewaltlosen politischen Gefangenen, der im vergangenen Jahr an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis starb. Amnesty International geht davon aus, dass die Inhaftierung des Ehepaars sie davon abhalten soll, Aktionen zum Gedenken an ihren verstorbenen Sohn zu organisieren, dessen Tod sich am 23. Februar zum ersten Mal jährt.

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KUBA
S.E. Herrn Raúl Becerra Egaña
Stavanger Str. 20
10439 Berlin
Fax: 030-916 4553
E-Mail: embacuba-berlin@botschaft-kuba.de oder cpolitica@botschaft-kuba.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. April 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, die von AnhängerInnen der Regierung ausgehenden Schikanen und Einschüchterungen gegen Reina Luisa Tamayo und ihre Angehörigen, FreundInnen und alle anderen BürgerInnen, die ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit friedlich auszuüben versuchen, umgehend zu unterbinden.

  • Ich appelliere an Sie, die von Reina Luisa Tamayo und anderen BürgerInnen rechtmäßig durchgeführten sonntäglichen Gedenkmärsche zum Friedhof, auf dem Orlando Zapata Tamayo begraben liegt, zu genehmigen und ihnen friedliche Gedenkfeiern anlässlich des Todes von Orlando Zapata Tamayo zu gestatten.

  • Geben Sie Reina Luisa Tamayo sowie ihren 12 Familienangehörigen die Erlaubnis, Kuba zu verlassen. Stellen Sie hierzu Pässe, Ausreisegenehmigungen und alle anderen notwendige Reisedokumente zur Verfügung.

APPELLE AN
STAATS- UND REGIERUNGSCHEF
Raúl Castro Ruz
Presidente
La Habana
KUBA
(korrekte Anrede: Su Excelencia / Your Excellency)
Fax: (0053) 7 833 30 85 (über das Außenministerium) oder
(001) 212 779 16 97 (ständige Vertretung Kubas bei der UN)
E-Mail: cuba@un.int (c/o ständige Vertretung Kubas bei der UN)

INNENMINISTER
General Abelardo Coloma Ibarra
Ministro del Interior y Prisiones
Ministerio del Interior
Plaza de la Revolución,
La Habana
KUBA
(korrekte Anrede: Su Excelencia / Your Excellency)
Fax: (0053) 7 833 30 85 (über das Außenministerium) oder
(001) 2 127 791 697 (ständige Vertretung Kubas bei der UN)

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KUBA
S.E. Herrn Raúl Becerra Egaña
Stavanger Str. 20
10439 Berlin
Fax: 030-916 4553
E-Mail: embacuba-berlin@botschaft-kuba.de oder cpolitica@botschaft-kuba.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. April 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to ensure an immediate halt to the harassment and intimidation of Reina Luisa Tamayo by government agents, and that of the relatives and friends and any other citizens who seek to peacefully exercise their right to freedom of expression, assembly and association.

  • Calling on the authorities to permit Reina Luisa Tamayo and others to go the cemetery where Orlando Zapata is buried and peacefully commemorate the anniversary of her son’s death.

  • Calling on the authorities to allow Reina Luisa Tamayo and her relatives to leave the country, granting them the passport, exit permit and other documents needed to travel outside the country.

Sachlage

Reina Luisa Tamayo hat ausgesagt, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann und dem Menschenrechtsverteidiger Daniel Mesa beim Verlassen ihres Hauses in Barnes von etwa 15 staatlichen SicherheitsbeamtInnen umringt wurde. Reina Luisa Tamayo rief den Sicherheitskräften zu: „Zapata lebt! Das kubanische Volk stirbt und wird bald auf die Straße gehen!“ Als Reaktion auf ihren Ruf bedrängten die staatlichen Sicherheitskräfte die drei und zwangen sie dazu, in einen Transporter einzusteigen. Reina Luisa Tamayo und ihre Begleiter wehrten sich vergebens gegen den Transport. Während des Handgemenges soll José Ortiz wiederholt von Sicherheitskräften ins Gesicht geschlagen worden sein.

Reina Luisa Tamayo wurde in einen Raum in einem staatlichen Sicherheitsgebäude gebracht, in dem sie 12 Stunden von zwei Sicherheitsbeamtinnen festgehalten wurde. Zu keinem Zeitpunkt wurden ihr die Aufenthaltsorte ihres Ehemannes José Ortiz und des Menschenrechtsverteidigers Daniel Mesa mitgeteilt. Zudem durften alle drei während ihrer 12-stündigen Haft weder Wasser noch Nahrung zu sich nehmen. Reina Luisa Tamayo und ihr Ehemann wurden nach 12 Stunden entlassen, Daniel Mesa wurde noch weitere zwei Tage festgehalten. Seit ihrer Haftentlassung wird das Haus von Reina Luisa Tamayo von acht bis zwölf staatlichen SicherheitsbeamtInnen bewacht, die verhindern, dass die Eheleute BesucherInnen empfangen können.

Amnesty International befürchtet, dass Reina Luisa Tamayo und ihre Angehörigen bei ihren Vorbereitungen der Gedenkfeier für den 23. Februar – der Tag, an dem sich Orlando Zapata Tamayos Tod zum ersten Mal jährt – vielen Schwierigkeiten und Schikanen ausgesetzt sein werden. Seit dem Tod ihres Sohnes war Reina Luisa Tamayo bei Aktionen zu seinem Gedenken wiederholt das Opfer von Schikanen und Einschüchterungsversuchen. Vor kurzem hat sie sich dazu entschlossen, gemeinsam mit ihrer Familie in die USA auszuwandern, um der Unterdrückung zu entkommen. Amnesty International hat von ihr erfahren, dass die US-amerikanischen Behörden ihr und zwölf Familienangehörigen ein Visum sowie alle notwendigen Reisedokumente bewilligt haben. Derzeit warten sie und ihre Familie darauf, dass die kubanischen Behörden ihnen Pässe zusenden und eine Ausreisegenehmigung erteilen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Reina Luisa Tamayo gehört zu den Damas de Blanco (Damen in Weiß), einem friedlichen Zusammenschluss von Frauen in Kuba, deren Angehörige oder FreundInnen im März 2003 im Zuge des harten Durchgreifens der kubanischen Regierung gegen ihre KritikerInnen verhaftet wurden. Damals nahmen Regierungsbehörden über einen Zeitraum von mehreren Tagen insgesamt 75 Frauen und Männer fest, weil diese friedlich Kritik an der Regierung geäußert hatten. In Schnellverfahren verurteilte man sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 28 Jahren. Amnesty International betrachtet alle 75 Inhaftierten als gewaltlose politische Gefangene. Sechs der Verurteilten befinden sich noch immer in Haft.

Die Mitglieder der Damas de Blanco organisieren wöchentlich friedliche Protestmärsche in Havanna, bei denen sie Blumen verteilen und die Freilassung ihrer Angehörigen und FreundInnen fordern. Im März 2010 organisierten die Damas de Blanco anlässlich des siebten Jahrestages der Festnahme ihrer Angehörigen mehrere Demonstrationen, die eine Woche lang täglich stattfinden sollten. Am 17. März 2010 löste die kubanische Polizei eine dieser Protestkundgebungen gewaltsam auf und nahm mehrere Frauen für kurze Zeit in Haft. Einige der Frauen gaben an, von den PolizistInnen geschlagen worden zu sein.

Reina Luisa Tamayo ist die Mutter von Orlando Zapata Tamayo, einem gewaltlosen politischen Gefangenen, der am 23. Februar 2010 an den Folgen eines Hungerstreiks starb. Seit dem Tod ihres Sohnes organisiert Reina Luisa Tamayo jeden Sonntag in Barnes, einer Stadt in der Provinz Holguin, friedliche Gedenkmärsche für ihren Sohn. Angehörige und FreundInnen begleiten Reina Luisa Tamayo auf diesen sonntäglichen Märschen von ihrem Haus zur Kirche Nuestra Señora de la Caridad, wo die Gruppe gemeinsam am Gottesdienst teilnimmt. Von dort aus begibt sie sich zum Friedhof, auf dem Orlando Zapata Tamayo begraben ist.

Amnesty International hat die kubanischen Behörden bereits im August 2010 dazu aufgefordert, die Einschüchterungen gegen Reina Luisa Tamayo und ihre Angehörigen und FreundInnen einzustellen und sie nicht länger daran zu hindern, dem Tod ihres Sohnes friedlich zu gedenken. Gleiches gilt für alle anderen BürgerInnen, die ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit friedlich auszuüben versuchen.