Morddrohungen

Zeichnung dreier Ausrufezeichen

Der Journalist Julio César Vásquez Calle hat bei der Staatsanwaltschaft der Region Piura Anzeige gegen PolizistInnen und Wachleute eines Bergbauunternehmens erstattet, die ihn seinen Angaben zufolge im August 2005 folterten, als er über einen Protestmarsch berichtete. Am 5. Februar 2009 erhielt er einen Anruf von einem Mann, der ihm drohte, ihn zu töten, wenn er seine Klage nicht zurücknehme. Amnesty International geht davon aus, dass er und 28 BewohnerInnen von Kleinbauerngemeinden, die in der selben Angelegenheit Anzeige erstattet haben, in großer Gefahr schweben.

Appell an

INNENMINISTER Ministerio del Interior Ministro del Interior

Sr. Remigio Hernaní Meloni Plaza 30 de agosto s/n Urb. Corpac San Isidro Lima, PERU (korrekte Anrede: Sr. Ministro) Fax: (00 51) 1 225 7234

GENERALSTAATSANWÄLTIN Ministerio Público Fiscalía de la Nación Fiscal de la Nación Dra. Gladys Echaíz Ramos Av. Abancay Cuadra 5 s/n Lima 1, PERU (korrekte Anrede: Sra. Fiscal de la Nación) Fax: (00 51) 1 426 2800

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION Fundación Ecuménica para el Desarollo y la Paz (FEDEPAZ) Jr. Trinidad Morán 286 Lince, Lima 14, PERU Fax: (00 51) 1 421 4747, (00 51) 1 421 4730

 

BOTSCHAFT DER REPUBLIK PERU S.E. Herrn Augusto Federico Kauffmann Doig Mohrenstr. 42, 10117 Berlin Fax: 030-2064 1077 E-Mail: info@embaperu.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. März 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN ENGLISH OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • expressing concern for the safety of Julio César Vásquez Calle, who was threatened on 5 February;

  • urging the authorities to do everything possible to guarantee his safety, and that of the others pursuing a complaint that they were tortured by police and security guards working for the Majaz mining project;

  • calling on them to order a prompt and impartial investigation into the death threat and bring those responsible to justice;

  • calling on the authorities to order an independent and impartial investigation into the allegations against the police and security guards, and bring those responsible to justice;

  • urging them to guarantee the right of local communities affected by mining projects to information and to participate in an open, transparent and fair consultation process before any mining activities take place.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • Ihre Sorge um die Sicherheit von Julio César Vásquez Calle ausdrücken, der am 5. Februar 2009 bedroht wurde;

  • bei den Behörden einfordern, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um seine Sicherheit und die der übrigen Personen, die ebenfalls Anzeigen wegen Folterungen durch Polizei und Wachleute des Majaz-Bergbauunternehmens erstattet haben, zu gewährleisten;

  • die Behörden auffordern, unverzüglich eine unparteiische Untersuchung der Morddrohung einzuleiten und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;

  • von den Behörden fordern, die Vorwürfe gegen die Polizei und das Wachpersonal unabhängig und unparteiisch untersuchen zu lassen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;

  • sie auffordern, das Recht der lokalen, von Bergbauprojekten betroffenen Gemeinden auf Information und die Beteiligung an einem offenen, transparenten und fairen Konsultationsprozess zu garantieren.

Sachlage

Der Anrufer drohte: "Seit wann ist es dein Job, Terroristen zu helfen? Wir werden dafür sorgen, dass du im Gefängnis verrottest, wenn du deine Anzeige nicht zurückziehst. Wenn du die Klage nicht zurücknimmst, wirst du ins Gefängnis wandern, und zwar in Stücken". Julio Vásquez gab an, in dieser Woche mehrere Anrufe erhalten zu haben, bei denen sich aber niemand meldete. Julio Vásquez und lokale Menschenrechtsorganisationen hielten am 6. Januar 2009 in der Hauptstadt Lima eine Pressekonferenz ab. Dort zeigten sie mehrere Fotos, die man ihnen ausgehändigt hatte. Die Fotos waren während der Folterungen aufgenommen worden, denen Julio Vásquez und die 28 BewohhnerInnen von Kleinbauerngemeinden in Piura im August 2005 ausgesetzt waren.

Julio Vásquez arbeitet bei der im Nordwesten der Region Piura angesiedelten lokalen Radiostation Cutivalú. Am 1. August 2005 berichtete er über einen friedlichen Protestmarsch von BewohnerInnen der Kleinbauerngemeinden in Segunda, Cajas und Yanta in der Region Piura. Die Kleinbauern hatten sich auf einen mehrtägigen Fußmarsch von ihren Dörfern zum Lager der Mitarbeiter des Majaz-Bergbauunternehmens gemacht, das nördlich von Piura in der Region Río Blanco in der Nähe der Grenze zu Ecuador liegt. Während die Männer und Frauen vor dem Lager demonstrierten, wurden Julio Vásquez und 28 weitere Personen ihren Angaben zufolge von der Polizei festgenommen und ins Lager gebracht. Dort seien sie drei Tage lang festgehalten und von der Polizei und Wachleuten des Bergbauunternehmens gefoltert worden. Sie gaben an, man habe ihnen die Augen verbunden und ihnen Säcke über den Kopf gezogen, die mit einem Puder gefüllt waren, welches das Atmen erschwerte und zu Brechreiz führte. Außerdem seien sie geschlagen worden. Die beiden Frauen in der Gruppe gaben weiter an, sexuell missbraucht worden zu sein.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Minera Majaz war früher ein Tochterunternehmen der britischen Firma Monterrico Metals. Minera Majaz leitete bis Februar 2007 das Kupferabbauprojekt Río Blanco, dann wurde Monterrico Metals vom chinesischen Konsortium Zijin gekauft. Zijin gehören jetzt 79,9 Prozent der Monterrico-Anteile. Minera Majaz schürft seit 2003 auf der Suche nach Kupfer auf dem Land der Kleinbauerngemeinden in Segunda y Cajas und Yanta. Den Gemeinden zufolge holte sie nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, das Einverständnis der Zweidrittelmehrheit der Gemeindeversammlung ein. Die Haupteinwände der Gemeindemitglieder sind die Verschmutzung ihrer Felder und der Wasserquellen, die Auswirkungen auf die Flora und Fauna sowie die Tatsache, dass sie nicht genügend informiert und konsultiert wurden, bevor der Abbau begann.

Seit 2006 hat Amnesty International mehrere Fälle dokumentiert, in denen AktivistInnen, die sich für den Schutz der Rechte der vom Bergbau betroffenen Gemeinden einsetzen, angeklagt wurden – unter anderem wegen Terrordelikten – und Morddrohungen erhielten. Bislang ist keine dieser Drohungen angemessen untersucht worden und niemand wurde zur Verantwortung gezogen.