Frauenrechtlerinnen in Gefahr
Eine paramilitärische Gruppierung hat Mitglieder einer Frauenrechtsorganisation zu einem "militärischen Ziel" erklärt und mit dem Tod bedroht.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Presidente Álvaro Uribe Vélez
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No.7-26,
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Uribe/
Excmo. Sr. Presidente Uribe)
Fax: (0057) 1 337 5890
AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago
Fiscal General de la Nación (e)
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01)
Bloque C, Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Attorney General/Estimado Sr. Fiscal General)
Fax: (0057) 1 414 9108
Sende eine Kopie an
REGIERIUNGSKOMMISSION
Sr. Diego Andrés Molano Aponte
Senior Government Advisor, Director of the Presidential Agency for Social Action and International Cooperation
Edificio Principal Calle 7 No. 6-54
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Director/
Estimado Sr. Director)
Fax: (0057) 1 596 0800 (sagen Sie bitte: "me da tono de fax, por favor")
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. März 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Bringen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit der Mitglieder der Organisation Corporación Sisma Mujer, die namentlich in der Droh-Mail vom 27. Januar 2010 genannt werden, zum Ausdruck und appellieren Sie an die Behörden, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen ihre Sicherheit zu gewährleisten.
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Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
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Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtung, die Tätigkeit von MenschenrechtsverteidigerInnen zu unterstützen, wie sie in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt ist.
- Dringen Sie bei den Behörden darauf, unverzüglich für die Auflösung der paramilitärischen Gruppen zu sorgen, in Übereinstimmung mit den Verpflichtungen, die die Regierung eingegangen ist, und den Empfehlungen der UN sowie anderer zwischenstaatlicher Organisationen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of the members of Corporación Sisma Mujer, named in an email death threat received on 27 January, and urging the authorities to provide them with effective protection, in strict accordance with their wishes;
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Calling on the authorities to order a full and impartial investigation into the threats, publish the results and bring those responsible to justice;
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Reminding them to adhere to their obligations regarding the situation of human rights defenders, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders;
- Urging them to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.
Sachlage
Die in Bogotá ansässige Frauenrechtsorganisation Corporación Sisma Mujer hat am 27. Januar 2010 eine E-Mail mit Morddrohungen erhalten. Absender der E-Mail ist eine paramilitärische Gruppe namens "Bloque Central de las Aguilas Negras Verdad y Muerte". Die Drohungen galten auch anderen Menschenrechtsorganisationen – in der Hauptsache solchen, die sich für Personen einsetzen, die im Zuge des internen bewaffneten Konflikts aus ihren Heimatorten vertrieben wurden.
Der Wortlaut der E-Mail lautete: "...Wir werden weiterhin diejenigen als militärisches Ziel betrachten und zu beseitigen suchen, die getarnt als Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Organisationen für Vertriebene als Führer von Guerillaeinheiten agieren, und solche die euch unter dem Deckmantel des Menschenrechtsideals helfen und die Arbeit der Regierung stören." (… Continuamos declarandolos objetivo militar y [sic] plan de eliminación contra los líderes guerrilleros que se cubren el rostro con la fachada de ONG y Organizaciones de desplazados y quines les ayudan bajo el paradigma de defensores de derechos humanos y quienes obstaculizan la politica del gobierno).
In der E-Mail werden mehr als 30 Personen namentlich bedroht. Die meisten von ihnen arbeiten gemeinsam mit Binnenvertriebenen. Einige von ihnen erhielten bereits am 29. Oktober 2009 in einer von Paramilitärs verfassten E-Mail Morddrohungen. Am 17. November 2009 brachte Corporación Sisma Mujer eine Pressemitteilung heraus, in der die Organisation diese Drohungen verurteilte.
Hintergrundinformation
Die Frauenrechtsorganisation Corporación Sisma Mujer setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt für Frauen in Kolumbien ein. Im Rahmen ihrer Menschenrechtsarbeit engagiert sie sich auch für Frauen, die mit Gemeinschaften arbeiten, die im Zuge des internen bewaffneten Konflikts aus ihren Heimatorten vertrieben wurden. In Kolumbien sind etwa drei bis vier Millionen Menschen davon betroffen; sie bilden die größte Bevölkerungsgruppe von Binnenvertriebenen weltweit.
Corporación Sisma Mujer leistete im September 2009 den Frauen Unterstützung, die gemeinsam mit vertriebenen Gemeinschaften arbeiten und die mit Vertretern der Regierung verhandelt haben, um ein landesweites Treffen aller in diesem Bereich engagierten Frauen zu organisieren. Das Treffen fand vom 8. bis zum 10. Oktober 2009 statt. Am 29. Oktober 2009 erhielten einige der an diesen Gesprächen beteiligten Organisationen Morddrohungen von der paramilitärischen Gruppierung "Aguilas Negras" (Schwarze Adler).
Im Zuge des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien bezeichnen Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen häufig als Guerillakollaborateure oder -unterstützerInnen. Aus diesem Grund werden immer wieder engagierte Frauen und Männer Opfer von Drohungen, "Verschwindenlassen" und Tötungen. Guerillagruppierungen haben ebenfalls MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, denn sie betrachten diese als UnterstützerInnen ihrer Feinde.