Morddrohungen gegen Journalist_innen
Karte Dominikanische Republik
© Amnesty International
In der Dominikanischen Republik sind vier Journalist_innen drangsaliert und mit dem Tod bedroht worden, weil sie sich für die Rechte von Dominikaner_innen haitianischer Abstammung eingesetzt hatten.
Appell an
PRÄSIDENT
Danilo Medina
Palacio Nacional
Avenida México esq. Doctor Delgado Gazcue
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(Anrede: Dear President / Señor Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 1809) 682 0827
E-Mail: prensa2@presidencia.gob.do
Twitter: @PresidenciaRD
GENERALSTAATSANWALT
Francisco Domínguez Brito
Palacio de Justicia
Av. Jiménez Moya esq. Juan Ventura Simón
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(Anrede: Dear Attorney General / Señor Procurador General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: info@pgr.gob.do
SOLIDARITÄTSBEKUNDUNGEN AN
FERNSEHSENDER
Canal Tele Antillas
Programa Uno Más Uno
E-Mail: unomasuno@codetel.net.do
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
S. E. Herrn
Gabriel Rafael Ant Jose Calventi Gavino
Dessauer Straße 28 – 29
10963 Berlin
Fax: 030-2575 7761
E-Mail: info@embajadadominicana.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. März 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS, FAXE, TWITTERNACHRICHTEN UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie höflich auf, eine sorgfältige, unabhängige und zeitnahe Untersuchung der Bedrohung und Drangsalierung der vier Journalist_innen einzuleiten und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
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Bitte stellen Sie öffentlich klar, dass Sie die Vorfälle und alle Anfeindungen gegen Journalist_innen und Menschenrechtler_innen verurteilen, insbesondere gegen solche, die sich für die Rechte von Dominikaner_innen haitischer Abstammung einsetzen.
- Gewährleisten Sie umgehend, dass alle Journalist_innen ihrer Arbeit ohne Angst vor Vergeltungsschlägen und Bedrohungen nachgehen können.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to carry out a thorough, independent and timely investigation into the threats and harassment suffered by the four journalists, and bring those responsible to justice.
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Calling on them to publicly condemn these incidents and all acts of intimidation against journalists and human rights defenders, in particular those advocating for the rights of Dominicans of Haitian descent.
- Urging them to act immediately to ensure that all journalists in the country can safely carry out their work without fear of retaliation or threats.
Sachlage
Am 2. Februar berichteten die vier dominikanischen Journalist_innen Juan Bolívar Díaz, Huchi Lora, Amelia Deschamps und Roberto Cavada von einer Reihe von Drohungen und Schikanierungen, die sie auf Grund ihrer Arbeit erfahren haben. Alle vier setzen sich mit großem Eifer gegen die Diskriminierung von Dominikaner_innen haitianischer Abstammung ein. Roberto Cavada berichtete, dass er am 10. Januar von einem unbekannten Mann verfolgt wurde, der ihn dann in einem Supermarkt laut als "Vaterlandsverräter" beschimpfte und drohte: "Wir werden alle Verräter töten und ihr Journalisten seid die ersten." Am 16. Januar drohte ein unbekannter Mann Amelia Deschamps in einem Supermarkt in Santo Domingo: "Du verdienst es, als erste umgebracht zu werden. Und nach dir Huchi und Juan Bolívar. Ihr alle seid Vaterlandsverräter." Während einer Protestaktion nationalistischer Gruppen in Santiago am 26. Januar erklärte ein Mann im Fernsehen, dass "die Vaterlandsverräter den Tod verdienen". Er nannte hierbei ausdrücklich Juan Bolívar Díaz, Huchi Lora und Roberto Cavada. Die Journalist_innen gaben darüber hinaus an, dass eine Werbefirma Anfang 2014 erfolglos versucht hatte, eine große Anzahl an Flyern zu drucken, auf denen Karikaturen von Juan Bolívar Díaz und Huchi Lora abgebildet waren und auf denen sie als "Vaterlandsverräter" beschimpft wurden und der "Tod der Verräter" gefordert wurde.
Die vier Journalist_innen reichten bei der Staatsanwaltschaft in Santiago und Santo Domingo zwei Beschwerden ein. Am 3. Februar informierte die Polizei die Presse, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Am gleichen Tag berichtete Juan Bolívar Díaz Amnesty International, dass er vom Innenminister und einem hochrangigen Polizeibeamten besucht worden sei, die ihm mitteilten, dass sie vom Präsidenten mit einer gründlichen Untersuchung beauftragt worden seien.
Durch Inkrafttreten der umstrittenen verfassungsgerichtlichen Entscheidung TC 0168-13 ist rückwirkend tausenden Menschen ausländischer Abstammung die dominikanische Staatsbürgerschaft entzogen worden. Menschen haitianischer Abstammung, haitianische Migrant_innen sowie Journalist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen berichten seitdem von zunehmenden Drohungen und Einschüchterungsversuchen gegen ihre Person.
Hintergrundinformation
Im September 2013 trat die verfassungsgerichtliche Entscheidung TC 0168-13 in Kraft. Sie legt fest, dass zwischen 1929 und 2010 in der Dominkanischen Republik geborene Kinder von Migrant_innen ohne regulären Aufenthaltsstatus zu keinem Zeitpunkt ein Recht auf die dominikanische Staatsbürgerschaft hatten und ihnen diese daher aberkannt werden muss. Die meisten der von diesem Gesetz betroffenen Personen sind Dominikaner_innen haitianischer Herkunft.
Daraus hat sich eine öffentliche Debatte entwickelt, in der das Recht auf eine Staatsbürgerschaft und das Schicksal der tausenden von Entscheidung TC 0168-13 Betroffenen diskutiert wird. Juan Bolívar Díaz, Huchi Lora, Amelia Deschamps, Roberto Cavada und weitere Journalist_innen setzen sich seitdem für die Rechte der Betroffenen ein. Viele bekannte Persönlichkeiten haben zugunsten der Betroffenen ein Solidaritätskomitee gebildet, in dem sie sich für eine menschenrechtsbasierte Lösung der Situation einsetzen, die durch die Entscheidung TC 0168-13 und frühere Beschlüsse der dominikanischen Wahlbehörde (Junta Central Electoral) zustande gekommen ist. Andererseits gibt es eine Reihe nationalistischer Politiker, die eine sehr ablehnende Haltung eingenommen haben und die Ansicht propagieren, dass diese Journalist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen ausländische Interessen vertreten und die Migration von Haitianer_innen in die Dominikanische Republik fördern wollen.
Daraufhin war eine Zunahme feindseliger Äußerungen, Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Personen haitianischer Abstammung und haitianische Migrant_innen, Journalist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen zu verzeichnen. Berichten zufolge skandierten am 4. November 2013 Hunderte bei einer nationalistischen Demonstration in Santa Domingo: "Tod den Verrätern." Außerdem wurden Flugblätter verteilt, die als "Album des Verrats" betitelt waren und Fotos und Namen beinhalteten von Journalist_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen und Politiker_innen, die die verfassungsgerichtliche Entscheidung kritisiert hatten. Während einer weiteren nationalistischen Demonstration am 13. November wurde ebenfalls wieder "Tod den Verrätern" skandiert.
Am 30. Januar 2014 ordnete die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IACHR) Schutzmaßnahmen für Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Reconoci.do an. Sie waren Opfer von Schikane und Bedrohungen geworden. Die IACHR forderte die Dominikanische Republik auf, umgehend Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Mitglieder von Reconoci.do zu ergreifen. Außerdem müssen sie weiter ihrer Menschenrechtsarbeit nachgehen können, ohne der Gefahr von Gewalt und Einschüchterung ausgesetzt zu sein. Obwohl die dominikanischen Behörden mit Reconoci.do kooperierten, um die Schutzmaßnahmen umsetzen zu können, haben sie die Angriffe auf Personen, die sich für die Rechte von Dominikaner_innen haitianischer Abstammung einsetzen, niemals öffentlich verurteilt.
Nach der Prüfung des Periodischen Berichts der Dominikanischen Republik zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes am 4. Februar 2015 brachte der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes seine Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass "Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler, die sich für die Rechte von haitianischen Migranten und Dominikanern haitianischer Abstammung, unter denen sich auch Kinder befinden, einsetzen und die Ausbeutung von Kindern und den Kinderhandel verurteilen, sich Anfeindungen und Schikane ausgesetzt sehen". Der Ausschuss forderte die dominikanischen Behörden auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Angriffe und Anfeindungen gegen diese Menschenrechtler_innen zu verhindern, zu untersuchen, strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen.