Zwei Männer verschwunden
Schicksal und Verbleib von zwei Angehörigen der Baha'i sind seit ihrer Festnahme am 11. Januar ungewiss. Der Kontakt zu ihren Familien und Rechtsbeiständen wird ihnen verweigert und ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen.
Appell an
BOTSCHAFTER DES JEMEN IN DEN USA H.E. Dr Ahmed Awad Binmubarak Embassy of the Republic of Yemen in Washington 2319 Wyoming Ave NW Washington, DC 20008, USA (Anrede: Your Excellency / Exzellenz) Fax: (001) 202 337-2017 E-Mail: Information@yemenembassy.org
BOTSCHAFTER DES JEMEN IN GROßBRITANNIEN H.E. Dr Yassin Saeed Noman Ahmed Embassy of the Republic of Yemen in London 57 Cromwell Road, London SW7 2ED GROSSBRTANNIEN (Anrede: Your Excellency / Exzellenz) Fax: (00 44) 20 7589 3350 E-Mail: admin@yemenembassy.co.uk
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN S.E. Herrn Yahia Mohammed Abdullah Al-Shaibi Rheinbabenallee 12, 14199 Berlin Fax: 030- 89 73 05 62 E-Mail: info@botschaft-jemen.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. März 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte geben Sie umgehend den Aufenthaltsort von Nadim al-Sakkaf und Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani bekannt und lassen Sie die beiden Männer umgehend und bedingungslos frei, es sei denn sie werden einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass sie weder gefoltert noch anderweitig misshandelt werden, und dass sie umgehend regelmäßigen Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen und jeder nötigen medizinischen Versorgung erhalten.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the Yemeni authorities to disclose the fate and whereabouts of Heshmat Alah Sarvestani and Nadim al-Sakkaf and release them immediately and unconditionally, unless they are to be charged with a recognizable criminal offence, in line with international law and standards.
- Urging them to ensure that they are protected from torture and other ill-treatment and granted, without delay, regular access to their families, lawyers and any medical treatment they may require.
Sachlage
Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani und sein Schwiegersohn Nadim al-Sakkaf sind willkürlich und ohne Anklagen festgenommen worden und seit dem 11. Januar Opfer des Verschwindenlassens. Sie werden ohne Kontakt zur Außenwelt an einem unbekannten Ort festgehalten und haben weder Zugang zu ihren Angehörigen noch zu ihren Rechtsbeiständen. Dadurch wächst die Sorge, dass sie gefoltert und in anderer Weise misshandelt werden könnten.
Am 11. Januar fuhr Nadim al-Sakkaf seinen Schwiegervater Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani zum internationalen Flughafen in der im Süden des Jemen gelegenen Stadt Aden. Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani wollte von dort nach Dubai in den Arabischen Emiraten fliegen, um seinen iranischen Pass verlängern zu lassen und medizinische Versorgung zu erhalten. Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani ist 75 Jahre alt und leidet an mehreren Krankheiten, darunter auch arterielle Hypertonie, eine seltene Form des Bluthochdrucks, und ein Bandscheibenvorfall. Gegen 14 Uhr näherte sich ein Flughafenangestellter in Zivil den beiden Männern am Check-in-Schalter und drängte Nadim al-Sakkaf zur Befragung in ein Büro. Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani wurde kurze Zeit darauf ebenfalls in das Büro geholt. Seither fehlte jede Spur der beiden Männer. Die jemenitischen Behörden weigern sich, ihren Aufenthaltsort bekannt zu geben.
Hintergrundinformation
Seit 2015 dokumentiert Amnesty International eine Reihe von Vorfällen, bei denen Angehörige der Baha'i von den bewaffneten Huthi im Jemen inhaftiert worden sind. Dazu gehören auch die unten aufgeführten Personen. Im September 2014 nahm die Huthi-Gruppierung, die größtenteils aus Angehörigen der zaiditisch-schiitischen Minderheit im Norden des Jemen besteht, einige Militär- und Sicherheitsposten in Sanaa ein. In der dritten Januarwoche 2015 griffen die Huthi Militärposten, den Präsidentenpalast und Regierungsgebäude an. Dies führte zum Rücktritt von Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi und seiner Regierung. Die Huthi wurden infolgedessen die faktischen Machthaber der Hauptstadt und anderer Teile des Landes. Die Festnahme von Nadim al-Sakkaf und seinem Schwiegervater Heshmat Alah Ali Mohammad Sabet Sarvestani ist jedoch das erste Mal, dass Amnesty International die Festnahme von Angehörigen der Baha'i durch die international anerkannte Regierung von Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi dokumentiert.
Nadim al-Sakkaf und sein 37 Jahre alter Bruder Nader al-Sakkaf wurden zuvor bereits zweimal festgenommen. Im März 2015 wurden die Männer von Huthi-Behörden inhaftiert und zwei Tage lang zu ihrem Glauben und anderen Angehörigen der Baha'i befragt. Nach zwei Tagen wurden sie ohne Anklage wieder freigelassen. Ein Jahr danach, am Nachmittag des 10. August 2016, nahm man sie erneut fest. Am selben Tag hatten bewaffnete Angehörige des Nationalen Sicherheitsdienstes des Jemen (NSB), der mit den Huthi-Behörden Hand in Hand arbeitet, einen Jugendworkshop der Baha'i in Sana’a gestürmt. Ohne Haftbefehle nahmen sie 65 Personen, darunter sechs Kinder, fest. Unter den 67 festgenommen Personen befanden sich Ruhiyeh Thabet und Nafha Sanai, die Ehefrauen von Nadim al-Sakkaf und Nader al-Sakkaf.
Ruhiyeh Thabet wurde am 6. September 2016 wieder freigelassen, nachdem man sie gezwungen hatte, eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben, dass sie "nicht mehr an von Bahai organisierten Aktivitäten teilnehmen wird". Nafha Sanai wurde am 21. August freigelassen, nachdem man sie gezwungen hatte, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie "keine Baha'i-Aktivitäten mehr wahrnimmt und zuhause diese Religion nicht ausübt".
Außer drei wurden alle am 10. August festgenommenen Personen wieder freigelassen. Nadim al-Sakkaf und Nader al-Sakkaf (siehe UA-266/2016) wurden fast vier Monate willkürlich inhaftiert, bis man sie am 27. November ohne Anklage freiließ. Ein dritter Mann, Keyvan Qadari, 43, der ebenfalls bei dem Jugendworkshop der Bahai am 10. August 2016 festgenommen wurde, ist nach wie vor im Büro für politische Sicherheit des NSB in Sana’a inhaftiert. Er wurde die ersten sechs Wochen seiner Haft ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, ehe er am 23. September seine Familie anrufen durfte. Beamt_innen des NSB haben Keyvan Qadari und seine Familie mit der Abschiebung in den Iran gedroht. Keyvan Qadari sollte umgehend und bedingungslos freigelassen werden, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der sich nur wegen seiner religiösen Überzeugung und friedlichen Aktivitäten als Mitglied der Baha'i, einer religiösen Minderheit im Jemen, in Haft befindet.
Keyvan Qadari war bereits am 20. Juni 2008 festgenommen worden und von der jemenitischen Regierung vier Monate lang in Haft gehalten worden. In dieser Zeit drohte ihm permanent die Rückführung in den Iran. Er wurde 40 Tage ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und am 23. Oktober 2008 ohne Anklage und bedingungslos freigelassen. Am 10. August 2016 kam er erneut in Haft.