Euromaidan-Aktivist brutal gefoltert

Ein Protestierender auf dem Maidan-Platz

Ein Protestierender auf dem Maidan-Platz

Dmitrii Bulatov, der am 22. Januar 2014 "verschwunden" war, ist am Abend des 30. Januar lebend, aber schwer verletzt aufgefunden worden. Man hatte ihn verschleppt, geschlagen und "gekreuzigt".

Sende eine Kopie an

KOMMISSARIN FÜR MENSCHENRECHTE
Valeria Lutkovska
Institutska Str. 21/8
01008 Kyiv
Ukraine
Fax: (00 380) 44 226 3427
E-Mail: lutkovska@ombudsman.gov.ua
hotline@ombudsman.gov.ua

BOTSCHAFT DER UKRAINE
S.E. Herrn Pavlo Klimkin
Albrechtstraße 26
10117 Berlin
Fax: 030-2888 7163
E-Mail: emb_de@mfa.gov.ua oder
ukremb@ukrainische-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Ukrainisch, Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. März 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

Dmitrii Bulatov wurde am Abend des 30. Januar in einem Waldstück außerhalb von Kiew aus einem Auto geworfen. Er konnte sich zu einem nahegelegenen Dorf schleppen, fand dort Hilfe und konnte Freunde anrufen. Seine Kleidung war schmutzig und blutüberströmt; zudem hatte er Schnitt- und Schlagwunden. Er beschrieb seine Qualen mit den Worten: "Sie haben mich gekreuzigt, meine Hände durchbohrt. Sie haben mir ein Stück vom Ohr abgeschnitten, mein Gesicht zerschnitten. Es gibt an meinem Körper keine Stelle, die unverletzt ist. Ihr könnt es euch ansehen. Aber ich lebe, Gott sei Dank." Dmitrii Bulatov wurde in ein Kiewer Krankenhaus gebracht und wird dort behandelt.

Seinen Angaben zufolge wurde Dmitrii Bulatov von Unbekannten verschleppt, die mit russischem Akzent sprachen. Die Männer versuchten, ihn zu Angaben zu zwingen, wer seine Aktivitäten finanziert. Dmitrii Bulatov hatte während der gesamten Zeit die Augen verbunden. In den Tagen vor seiner Freilassung gab man ihm nur sehr wenig zu essen, bevor man ihn bei eisigen Temperaturen im Wald aussetzte.

Dmitrii Bulatov war zuletzt am 22. Januar gesehen worden. Er ist einer der Hauptorganisatoren und Teilnehmer der Automaidans, bei denen sich Autokolonnen in die Demonstrationen einreihen, die seit November 2013 in Kiew abgehalten werden.

Einen Tag vor dem "Verschwinden" von Dmitrii Bulatov war in einem Waldstück außerhalb von Kiew der Euromaidan-Protestierende Yury Verbytsky tot aufgefunden worden. Seine Rippen sollen gebrochen gewesen sein und sein Kopf Spuren von Klebeband aufgewiesen haben. Es sind inzwischen mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Angehörige der Polizei Protestierende in Haft nahmen, ohne deren Familien zu informieren. Einige Euromaidan-AktivistInnen haben angegeben, von Unbekannten verschleppt, geschlagen und im Wald ausgesetzt worden zu sein. Einer der Aktivisten ist sicher, dass es sich bei den Entführern um Polizisten handelte. Yury Verbytsky war am 21. Januar gemeinsam mit dem bekannten Journalisten und Aktivisten Igor Lutsenko von unbekannten Männern verschleppt worden, als sie sich in einem Krankenhaus behandeln lassen wollten. Igor Lutsenko wurde ebenfalls bei Minustemperaturen im Wald ausgesetzt, konnte aber Hilfe finden und hat überlebt.

[SCHREIBEN SIE BITTE ]

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte leiten Sie eine unverzügliche und unabhängige Untersuchung der Entführung und Folterung von Dmitrii Bulatov ein.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden.

  • Bitte untersuchen Sie auch alle anderen Fälle, in denen Euromaidan-Protestierende Folter- und Misshandlungsvorwürfe erheben.

  • Ich bitte Sie außerdem, wirksame Schritte einzuleiten, um die Wiederholung solcher Fälle zu verhindern.

[APPELLE AN ]

GENERALSTAATSANWALT
Viktor Pavlovich Pshonka
Riznitska Str. 13/15
01601 Kyiv
UKRAINE
(Anrede: Dear Prosecutor General /
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 380) 44 280 2603
E-Mail: interel@gp.gov.ua

INNENMINISTER
Vitaliy Zakharchenko
Akademika Bogomoltsa Str. 10
01024 Kyiv
UKRAINE
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 380) 44 253 97 96
E-Mail: mvsinfo@mvsinfo.gov.ua

KOPIEN AN
KOMMISSARIN FÜR MENSCHENRECHTE
Valeria Lutkovska
Institutska Str. 21/8
01008 Kyiv
Ukraine
Fax: (00 380) 44 226 3427
E-Mail: lutkovska@ombudsman.gov.ua
hotline@ombudsman.gov.ua

BOTSCHAFT DER UKRAINE
S.E. Herrn Pavlo Klimkin
Albrechtstraße 26
10117 Berlin
Fax: 030-2888 7163
E-Mail: emb_de@mfa.gov.ua oder
ukremb@ukrainische-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Ukrainisch, Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. März 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Amnesty International ist sehr besorgt um die Sicherheitslage in der Ukraine. Die Organisation hat Fälle von Folter und anderer Misshandlung sowie willkürlicher und brutaler Gewaltanwendung durch die ukrainischen Sicherheitskräfte dokumentiert. Die Verantwortlichen gehen hierbei in der Regel straffrei aus.

Tausende Menschen demonstrieren seit dem 21. November in Kiew und anderen Städten, nachdem die ukrainische Regierung wenige Tage vor der anstehenden Unterzeichnung die Vorbereitungen für das Assoziierungsabkommen mit der EU abgebrochen hatte, welches die Handels- und Politikbeziehungen der Ukraine mit der EU gestärkt hätte.

Die mehrheitlich friedlichen Demonstrationen in Kiew schlugen in Gewalt um, nachdem die Regierung im Schnellverfahren eine Reihe neuer Gesetze eingeführt hatte, die am 22. Januar um Mitternacht in Kraft traten. Sie stellen Protestveranstaltungen unter Strafe und schränken die Rechte auf Versammlungs-, Vereinigungs- und Meinungsfreiheit stark ein. Angesichts der eskalierenden Sicherheitslage und der zunehmenden Verurteilung dieser restriktiven Gesetze hat das Parlament inzwischen zwar dafür gestimmt, die Gesetze wieder aufzuheben, aber Präsident Janukowitsch hat der Änderung noch nicht zugestimmt. Am 31. Januar waren die Gesetze nach wie vor in Kraft.