Studierenden drohen Repressalien
Studierende, die im Dezember 2011 an einer Protestveranstaltung im mexikanischen Bundesstaat Guerrero teilgenommen hatten, wurden im Zuge dessen von Angehörigen der Bundespolizei und der Polizei des Bundesstaates Guerrero gefoltert und misshandelt. Sie haben nun bei der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates und der Generalstaatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Es besteht die Gefahr, dass den Studierenden aufgrund ihrer Anzeige Repressalien drohen.
Appell an
INNENMINISTER
Dr. Alejandro Poiré Romero
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. Piso, Col. Juárez
Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06600
MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Ministro/ Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES GUERRERO
Lic. Ángel Heladio Aguirre Rivero
Palacio de Gobierno
Edificio Centro 2do. Piso
Col. Ciudad de los Servicios
C.P. 39074 Chilpancingo, Guerrero
MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Gobernador/ Sehr geehrter Herr Gouverneur / Dear Governor)
Fax: (00 52) 74 7471 9956
E-Mail: contacto@guerrero.gob.mx
GENERALSTAATSANWÄLTIN
Marisela Morales Ibáñez
Paseo de la Reforma 211 - 213
Col. Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06500
MEXIKO
(korrekte Anrede: Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin / Estimada Señora Procuradora General / Dear Attorney General)
Fax: (00 52) 55 5346 0908
(nach Fax fragen: " Me da tono de fax, por favor! ")
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSZENTRUM TLACHINOLLAN
E-Mail: Tlachinollan.difusion@gmail.com
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Sachlage
Am 12. Dezember 2011 eröffnete die Polizei das Feuer auf unbewaffnete Studierende, die außerhalb der Hauptstadt des Bundesstaates, Chilpancingo, an einer Demonstration teilnahmen. Dabei wurden zwei Studierende durch Schussverletzungen getötet, und ein Tankwart starb an Verbrennungen. 14 Menschen wurden verletzt und 24 Personen festgenommen. Wie durch Zeugenaussagen, Filmmaterial und medizinische Befunde belegt werden kann, wurden mindestens 14 der festgenommenen Studierenden von Angehörigen der mexikanischen Bundespolizei und der Polizei des Bundesstaates geschlagen und getreten. Einer der inhaftierten Studierenden, Gerardo Torres Pérez, soll zudem von Angehörigen der Polizei des Bundesstaates gefoltert worden sein. Damit sollte er offenbar dazu gebracht werden, sich selbst fälschlich mit Schüssen auf KommilitonInnen zu belasten. Alle festgenommenen Studierenden wurden am darauffolgenden Tag freigelassen.
Einige der Studierenden wollen am 19. Januar mithilfe ihrer MenschenrechtsanwältInnen wegen der Misshandlungen Strafanzeige gegen die Bundespolizei und die Polizei von Guerrero erstatten. Die Anzeige wurde bei der Bundesstaatsanwaltschaft (Procuraduría General de la República - PGR) und der Staatsanwaltschaft des Bun-dessstaates Guerrero (Procuraduría General de Justicia del Estado - PGJE) eingereicht. Gerardo Torres Pérez zeigte zudem die Polizei des Bundesstaates wegen Folter bei der PGJE an. Amnesty International befürchtet, dass die Studierenden aufgrund der Anzeigenerstattung eingeschüchtert und bedroht werden könnten, da Opfer und ZeugInnen in Mexiko oftmals durch Drohungen und Einschüchterungen davon abgebracht werden, Gerechtigkeit zu fordern.
Die Nationale Menschenrechtskommission (CNDH), eine staatlich eingerichtete Ombudsstelle für Menschenrechte, kam in ihrem vorläufigen Bericht über die bisherigen Erkenntnisse aus der Untersuchung des Polizeieinsatzes zu dem Schluss, dass die Angehörigen der Bundespolizei und der Polizei des Bundesstaates während der Protestveranstaltung übermäßige und ungerechtfertigte Gewalt angewendet haben. Die CNDH gab weiterhin an, dass die Polizei von Guerrero die Verantwortung für das vorsätzliche Erschießen von Studierenden und für die Folterung von Gerardo Torres Pérez trage. Außerdem seien Angehörige der Bundespolizei und der Polizei von Guerrero für die Misshandlung von inhaftierten Studierenden (während und nach der Festnahme) verantwortlich. Einige BeamtInnen der Bundespolizei befinden sich mittlerweile in Verwaltungshaft (arraigo), es wurden jedoch noch keine Angehörigen der Bundespolizei oder der Polizei des Bundesstaates in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Die CNDH hat Schutzmaßnahmen für die Opfer angeordnet.
EMPFOHLENE AKTIONEN
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der Opfer, die Anzeige wegen Folter und Misshandlungen erstattet haben, darunter auch Gerardo Torres Pérez. Ich fordere Sie daher auf, in Absprache mit den Betroffenen angemessene Schutzmaßnahmen für sie zu ergreifen, damit sie ihre Strafanzeigen ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen weiterverfolgen können.
- Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung des gewaltsamen Polizeieinsatzes vom 12. Dezember 2011 und der Beteiligung von örtlichen und bundesstaatlichen PolizeibeamtInnen sowie von Polizeikräften auf Bundesebene ein und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
[APPELLE AN]
INNENMINISTER
Dr. Alejandro Poiré Romero
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. Piso, Col. Juárez
Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06600
MEXIKO
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Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
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Lic. Ángel Heladio Aguirre Rivero
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C.P. 39074 Chilpancingo, Guerrero
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Fax: (00 52) 74 7471 9956
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KOPIEN AN
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E-Mail: Tlachinollan.difusion@gmail.com
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Der Polizeieinsatz zur Auflösung der Demostration am 12. Dezember 2011 hat deutlich gemacht, dass in Mexiko nach wie vor enorme Defizite in der polizeilichen Arbeit auf städtischer, bundesstaatlicher und landesweiter Ebene bestehen. In der Polizeiarbeit fehlt es häufig an eindeutigen Befehlsstrukturen, Koordinationsmechanismen und Rechenschaftspflichten, was regelmäßig Menschenrechtsverletzungen Vorschub leistet. Im vorliegenden Fall kamen sofort eindeutige Beweismittel ans Licht, was es den Opfern ermöglichte, Strafanzeige zu erstatten. Häufig wird Opfern von Folter und anderen Misshandlungen jedoch der Zugang zur Justiz durch ineffektive Ermittlungen verwehrt. Opfer und ZeugInnen werden zudem oftmals bedroht und eingeschüchtert, damit sie den Fall nicht weiterverfolgen.