Begnadigung fordern!
© Fons Hickmann
Ricky Gray soll am 18. Januar im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet werden. Mehr als 50 Gesundheitsexpert_innen unterstützen seine Begnadigung aufgrund einer Kindheit, die von schwerer sexueller und körperlicher Misshandlung geprägt war.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES VIRGINIA
Terry McAuliffe
Common Ground for Virginia
PO Box 1475, Richmond
VA 23218, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 804 371 6531
E-Mail: über https://governor.virginia.gov/constituent-services/communicating-with-the-governors-office/
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 18. Januar 2017 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte weder das von Ricky Gray begangene Gewaltverbrechen entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Jedoch möchte ich Sie darauf hinweisen, dass er in seiner Kindheit sexuell und körperlich missbraucht wurde und schon früh damit begann, Alkohol und Drogen zu konsumieren.
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Bitte bedenken Sie, dass sich zahlreiche Gesundheitsexpert_innen für seine Begnadigung ausgesprochen haben.
- Bitte begnadigen Sie Ricky Gray und setzen Sie sich dafür ein, dass sein Todesurteil in eine Haftstrafe umgewandelt wird.
Sachlage
Am 1. Januar 2006 wurden Kathryn und Bryan Harvey sowie ihre beiden Töchter bei einem Einbruch in ihr Haus in Richmond im US-Bundesstaat Virginia getötet. Ricky Gray wurde des Mordes an den vier Personen schuldig gesprochen. Für den Mord an Kathryn und Bryan Harvey wurde er zu lebenslanger Haft und für den Mord an den beiden Kindern zum Tode verurteilt. Ein Mitangeklagter erhielt eine lebenslange Gefängnisstrafe.
Am 10. Januar 2017 sprachen sich mehr als 50 Gesundheitsexpert_innen in einem Brief an den Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, für die Umwandlung des gegen Ricky Gray verhängten Todesurteils aus. Es handelt sich hierbei um Fachkräfte aus den Bereichen Psychiatrie, Betreuung der Opfer von Gewalt und sexueller Misshandlung, sowie Drogenprävention und -behandlung. Sie appellierten an Terry McAuliffe, das "Ausmaß anzuerkennen, in dem das Leben von Ricky Gray von diesen Faktoren bestimmt war". Sie machen in dem Brief deutlich, dass die von Ricky Gray begangenen Straftaten "entsetzlich" seien, es jedoch ebenfalls außer Frage stünde, dass Ricky Gray seit frühester Kindheit durchgängig auf grauenhafte Weise sexuell und körperlich missbraucht wurde, was schließlich dazu geführt habe, dass er schwer drogenabhängig wurde und kriminelles Verhalten an den Tag legte.
Ein klinischer Psychologe beschrieb 2016 die "unablässige Misshandlung, Vernachlässigung und Zerrüttung", der Ricky Gray in seiner Kindheit ausgesetzt war. Er sei von seinem Vater brutal geschlagen und mit Fäusten traktiert und von seinem Halbbruder wiederholt vergewaltigt worden. Die Vergewaltigungen seien so regelmäßig und über solch einen langen Zeitraum hinweg geschehen, dass man sie mit Recht als "sexuelle Sklaverei" bezeichnen könne. Der Psychologe erklärte weiterhin, dass Ricky Gray in einem sehr jungen Alter alkohol- und drogenabhängig geworden sei und dass seine Abhängigkeit für ihn die einzige Möglichkeit gewesen sei, "mit den schlimmen und traumatischen Erlebnissen seiner Kindheit fertig zu werden". Ricky Gray begann im Alter von neun Jahren damit, Alkohol zu trinken, und im Alter von elf Jahren mit dem Rauchen von Marihuana. Mit elf oder zwölf Jahren habe er dann damit begonnen, "bevorzugt Phencyclidin (PCP) einzunehmen, weil es den wunderbaren Effekt hatte, dass er die chronische Angst nicht mehr spürte, die ihn normalerweise immer begleitete". Im Jahr 2013 sagte ein Neuropharmakologe: "Meiner Überzeugung nach stand Herr Gray zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von PCP, und die Droge hatte erheblichen Einfluss auf sein Verhalten." Er erklärte weiter, dass PCP psychotische Symptome verursache, die der paranoiden Schizophrenie nicht unähnlich seien.
Der Brief der Gesundheitsexpert_innen an den Gouverneur von Virginia vom 10. Januar schließt mit den Worten: "Herr Gray ist ein wichtiges Beispiel für einen Fall, in dem jemand dringend Hilfe benötigt hätte, als er als kleines Kind von seiner Familie auf furchtbare Weise misshandelt wurde, beziehungsweise als er als Junge damit begann, Drogen zu nehmen, um der schmerzhaften Realität zu entkommen. Und wir müssen nun der Tatsache ins Auge sehen, dass er diese Hilfe von niemandem bekommen hat."
Amnesty International wendet sich ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt. Bis heute haben mehr als 141 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Seit der Verabschiedung der neuen Todesstrafengesetze im Jahr 1976 sind in den USA insgesamt 1.443 Todesurteile vollstreckt worden, 111 davon in Virginia. Im Jahr 2016 wurden in den USA 20 Menschen hingerichtet, 2017 ist bisher ein Todesurteil vollstreckt worden. Zuletzt wurde in Virginia am 1. Oktober 2015 ein Todesurteil vollstreckt.