Aktivist in Foltergefahr

Karte Jemen

Karte Jemen

Der jemenitische politische Aktivist Muhammad Qahtan wird seit April 2015 von der bewaffneten Huthi-Gruppe festgehalten. Sein Verbleib ist unbekannt und ihm drohen Folter und andere Misshandlungen. Es wird außerdem befürchtet, dass sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert.

Appell an

VIZEMINISTER FÜR MENSCHENRECHTE
Ali Saleh Taisser
(Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Ali Saleh Taisser)
E-Mail: a.taissir@yahoo.com

LEITER DER MENSCHENRECHTSABTEILUNG DER ANSARULLAH
Abdulmalik al-Ajari
(Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Abdulmalik al-Ajari)
Facebook-Seite: http://on.fb.me/1n1y4Mn

KOPIEN AN
LEITER DES BÜROS DER PRÄSIDENTSCHAFT
Mahmod Abdulqader al-Jounid
Fax: (00 967) 1 274 147
E-Mail: mahmodaljounid@gmail.com

BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN
Herr Walid Abdulwahed Mohamed Alethary
Gesandter (Geschäftsträger a.i.)
Rheinbabenallee 12, 14199 Berlin
Fax: 030- 89 73 05 62
E-Mail: info@botschaft-jemen.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. März 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging Ansarullah to ensure that Muhammad Qahtan urgently receives the medical attention he may require.

  • Urging them to immediately inform his family of his whereabouts and to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment, and given regular access to his family and a lawyer.

  • Calling on them to release Muhammad Qahtan unless he is to be transferred to proper judicial authorities and promptly charged with a recognizable criminal offence.

Amnesty fordert:

E-MAILS ODER FACEBOOK-NACHRICHTEN MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte gewähren Sie Muhammad Qahtan dringend Zugang zu der von ihm benötigten medizinischen Versorgung.

  • Geben Sie der Familie von Muhammad Qahtan unverzüglich seinen Aufenthaltsort bekannt und stellen Sie sicher, dass er vor Folter und anderweitigen Misshandlungen geschützt wird. Sorgen Sie zudem dafür, dass ihm umgehend regelmäßiger Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand gewährt wird.

  • Lassen Sie Muhammad Qahtan frei, sofern er nicht unverzüglich einer offiziellen Justizbehörde vorgeführt und einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt wird.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging Ansarullah to ensure that Muhammad Qahtan urgently receives the medical attention he may require.

  • Urging them to immediately inform his family of his whereabouts and to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment, and given regular access to his family and a lawyer.

  • Calling on them to release Muhammad Qahtan unless he is to be transferred to proper judicial authorities and promptly charged with a recognizable criminal offence.

Sachlage

Der politische Aktivist Muhammad Qahtan, der eine Führungsposition in der sunnitisch-islamistischen Partei al-Islah innehat, befindet sich in der Gewalt der bewaffneten Huthi-Gruppe und läuft Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden. Die Huthi kontrollieren die Hauptstadt Sanaa sowie weite Teile des Landes.

Muhammad Qahtan wurde am 4. April 2015 um etwa 13.30 Uhr aus seinem Zuhause verschleppt. Laut seinen Familienangehörigen kamen mindestens zehn bewaffnete und in Zivil gekleidete Angehörige der Ansarullah mit drei Fahrzeugen zu dem Haus der Familie und forderten Muhammad Qahtan auf, mit ihnen zu kommen. Die Ansarullah-Bewegung ist der politische Flügel der bewaffneten Huthi-Gruppe. Ohne einen Haftbefehl vorzulegen, führten sie Muhammad Qahtan ab. Drei Tage später fand seine Familie heraus, dass er in einem Haus in Sanaa festgehalten wurde, welches von den Huthi als Haftzentrum genutzt wird. Sein Sohn Abdulrahman durfte ihn zehn Minuten lang besuchen, und seine Familie durfte ihm einige Tage lang täglich Nahrungsmittel bringen. Dann aber teilten die Huthi der Familie mit, keine Lebensmittel mehr vorbeizubringen, da Muhammad Qahtan sich nicht mehr in der Hafteinrichtung befinde. Seitdem haben seine Verwandten nichts mehr von ihm gehört. Trotz mehrfacher Anfragen konnten sie nicht herausfinden, wo er sich aufhält. Muhammad Qahtan leidet an Diabetes Typ 2, konnte bei seiner Festnahme aber keine Medikamente mitnehmen. Es besteht daher die Gefahr, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert und er medizinische Versorgung benötigt.

Wenige Tage vor der Festnahme von Muhammad Qahtan wurden vor seinem Haus mehrere Fahrzeuge mit insgesamt 15 Angehörigen des Huthi-nahen Büros für Politische Sicherheit gesehen, die begannen, ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Muhammad Qahtan bekleidet eine führende Position in der Partei al-Islah und vertrat die Partei bei der Konferenz des nationalen Dialogs im Jemen, welche 2013 zur Unterstützung des politischen Übergangsprozesses nach den Unruhen von 2011 stattfand und zehn Monate andauerte. Am Tag vor seiner Verschleppung hatte die al-Islah in einer Stellungnahme ihre Unterstützung für das Militärbündnis unter saudi-arabischer Leitung bekundet und die Legitimität der Herrschaft von Abed Rabbo Mansur Hadi bestätigt. Ein Militärbündnis aus zehn Ländern unter der Leitung von Saudi-Arabien fliegt seit dem 25. März 2015 Luftangriffe auf Gebiete im Jemen, die von der bewaffneten Huthi-Gruppe kontrolliert werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im September 2014 nahm die Huthi-Gruppierung, die größtenteils aus Angehörigen der zaiditisch-schiitischen Minderheit im Norden des Jemen besteht, einige Militär- und Sicherheitsposten in Sanaa, der jemenitischen Hauptstadt, ein. In der dritten Januarwoche 2015 griffen sie Militärposten, den Präsidentenpalast und Regierungsgebäude an. Dies führte zum Rücktritt von Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi und seiner Regierung. Die Huthi wurden infolgedessen die faktischen Machthaber der Hauptstadt und anderer Teile des Landes.

Seit Januar 2015 weiten die Huthi zunehmend ihre Kontrolle über Sanaa und den Rest des Landes aus. Am 6. Februar 2015 lösten sie das Parlament auf und gaben eine verfassungsrechtliche Erklärung ab, in der die Gründung eines vorübergehenden Präsidialrats angeordnet wurde, der für eine Übergangszeit von zwei Jahren als Regierung fungieren soll. Am 23. März verstärkte sich im Süden Jemens, der bis dahin nicht unter Kontrolle der Huthi-Gruppierung stand, der Konflikt zwischen Huthi – unterstützt von Militäreinheiten sowie einigen Sicherheitskräften, die Anhänger des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh sind – und Militäreinheiten unter Präsident Hadi, unterstützt von Volksstämmen und Milizen.

Eine von Saudi-Arabien geführte militärische Koalition aus zehn Ländern begann am 25. März eine Reihe von Luftangriffen gegen die Huthi-Gruppierung, um Präsident Hadi zu unterstützen. Die ersten Luftangriffe trafen Huthi-Ziele und Militäreinrichtungen überwiegend in Sanaa und Sa'da im Norden Jemens, später auch in der Stadt Aden und an anderen Orten. Beide Konfliktparteien haben unter anderem mit Kriegsverbrechen gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Über 2.700 Zivilpersonen sind im Jemen seit Beginn des Konflikts getötet worden, viele von ihnen durch wahllose Bombenangriffe Saudi-Arabiens. Der Konflikt hat die bereits verheerende humanitäre Situation noch weiter verschärft. Über zweieinhalb Millionen Menschen wurden bereits vertrieben, und 82 % der Bevölkerung benötigt humanitäre Hilfe.

Seit Beginn der saudi-arabischen Luftangriffe ist die Zahl der willkürlichen Festnahmen, Inhaftierungen und Verschleppungen durch die bewaffnete Huthi-Gruppierung und alliierte Truppen, die den ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh unterstützen, gestiegen. Zahlreiche Aktivist_innen und Personen unterschiedlicher politischer Orientierung, die von den Huthi als Gegner_innen angesehen werden, wurden willkürlich festgenommen und inhaftiert, und in manchen Fällen auch gefoltert oder anderweitig misshandelt. Bei der Mehrheit handelt es sich um Sprecher_innen, Mitglieder oder Anhänger_innen der sunnitisch-islamistischen Partei al-Islah. Diese Partei verurteilt die Gewalttaten der Huthi-Gruppierung, seit diese im September 2014 die Hauptstadt Sanaa eingenommen hat, und unterstützt der allgemeinen Auffassung zufolge die Luftangriffe der saudi-arabischen Koalition. Die meisten Festnahmen haben in den Städten Sanaa, Ibb und al-Hudaida stattgefunden. Auch Journalist_innen und Aktivist_innen, die Widerstand gegen die Übernahme der Regierungsinstitutionen durch die Huthi geleistet haben, wurden festgenommen oder drangsaliert.

Amnesty International hat Interviews mit zahlreichen ehemaligen Gefangenen und deren Familien geführt, die im Jahr 2015 in Sanaa und Ibb willkürlich ohne Haftbefehl festgenommen und ohne Kontakt zur Außenwelt oder Zugang zu Familienangehörigen an unbekannten Orten festgehalten wurden. Viele der Betroffenen wurden von Huthi oder Huthi-nahen Kräften aus ihren Häusern verschleppt. Sie wurden an vielen verschiedenen Orten festgehalten, unter anderem in inoffiziellen Hafteinrichtungen wie beispielsweise Privathäusern, ohne die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung anfechten zu können oder die Gründe für ihre Inhaftierung zu erfahren.