Pressemitteilung 08. März 2010

Keine Gerechtigkeit für Opfer sexueller Gewalt

BERLIN, 08.03.2010 - In Kambodscha müssen Polizisten und Richter oft erst bestochen werden, damit sie wegen Vergewaltigung ermitteln. In Finnland droht dem Täter nur dann die Höchststrafe, wenn er das Opfer über die Vergewaltigung hinaus körperlich misshandelt. Doch auch in vielen anderen Ländern lassen Polizei und Justiz Opfer sexueller und familiärer Gewalt im Stich. Zum Weltfrauentag veröffentlicht Amnesty International heute zwei neue Berichte, die die Situation in Kambodscha und den skandinavischen Ländern (Finnland, Dänemark, Norwegen und Schweden) beleuchten. „Egal, ob in armen oder reichen Ländern: Frauen, die missbraucht oder vergewaltigt wurden, kämpfen oft vergebens darum, dass ihre Peiniger vor Gericht gestellt und bestraft werden“, sagte Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland.

Die beiden Amnesty-Berichte dokumentieren anhand von Einzelfällen, wie es in ganz unterschiedlichen Rechtssystemen doch immer wieder auf dasselbe hinausläuft: „Die Gleichgültigkeit von Polizisten, Staatsanwälten, Richtern und sogar Ärzten führt dazu, dass Frauen sich letztlich für die an ihnen begangenen Verbrechen schämen oder sich gar selbst dafür verantwortlich machen“, so Amnesty-Generalsekretärin Lüke. Oft kommt es gar nicht zur Anzeige, geschweige denn zum Verfahren. In Kambodscha misstrauen viele Frauen Polizei und Justiz grundsätzlich. „Kein Wunder: Korrupte Beamte sorgen nicht selten dafür, dass sich Vergewaltiger mit so genannten Ausgleichszahlungen an die Familien der Opfer regelrecht freikaufen.“ In Finnland setzt die Rechtsprechung zwingend voraus, dass es bei einer Vergewaltigung zum Geschlechtsverkehr kommt. Alle anderen erzwungenen sexuellen Handlungen werden – entgegen internationaler Rechtsprechung – nicht als solche geahndet. In Dänemark kann die Strafe für Vergewaltigung aufgehoben werden, wenn Täter und Opfer miteinander verheiratet sind.

„Jeder Täter sexueller Gewalt, der ungestraft davonkommt, steht für das Desinteresse von Politik und Gesellschaft an dem Leid missbrauchter Frauen“, sagte Lüke. „Hier müssen viele Regierungen in vielen Teilen der Welt endlich ihre Hausaufgaben machen und dafür sorgen, dass Gewalt an Frauen verhindert, untersucht und bestraft wird."

Die Berichte “Breaking the Silence: Sexual Violence in Cambodia” und ”Case Closed: Rape and Human Rights in the Nordic Countries” finden Sie zum Download unter: http://www.amnesty.org/campaigns/stop-violence-against-women

Kontakt:

AMNESTY INTERNATIONAL Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. Pressestelle . Postfach 28 01 08 . 10411 Berlin T: +49 30 420248-306 . F: +49 30 420248-330

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