Pressemitteilung 27. November 2009

Hätte Natalja Estemirowa gerettet werden können?

Amnesty Journal

BERLIN, 27.11.2009 - Die im Juli 2009 ermordete tschetschenische Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa hätte möglicherweise gerettet werden können. Das sagt Alexander Tscherkassow, Kaukasus-Experte der russischen Bürgerrechtsorganisation Memorial, in der neuesten Ausgabe des Amnesty Journal.

"Es gab zwei Zeuginnen, die die Entführer sahen und das Kennzeichen des Wagens erkannten, in dem sie weggebracht wurde. Die beiden erzählten niemandem von ihren Beobachtungen, nicht einmal Nataljas Tochter", sagte Tscherkassow. "Noch vor ein paar Jahren wäre eine Reaktion sehr schnell erfolgt." Der 43-jährige Atomphysiker führt das auf die allgegenwärtige Angst zurück, die das Regime des Präsidenten Kadyrow in Tschetschenien verbreite. "Dieses Regime erinnert an den sowjetischen Totalitarismus Mitte des 20. Jahrhunderts", sagte Tscherkassow in der Dezember/Januar-Ausgabe des Amnesty Journal, das ab dem 27. November 2009 erstmals bundesweit an allen Bahnhofs- und Flughafen-Kiosken erhältlich sein wird.

Im Schwerpunktteil "Überwachung 2.0 statt Redefreiheit: Wie die Regierungen versuchen, die neuen Medien zu kontrollieren" berichtet das Journal außerdem über Internetzensur sowie die Verfolgung von Bloggern in China, Iran und Nordkorea. In einem ausführlichen Interview warnt der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) vor einer Erosion der Grundrechte in Deutschland: "Die Grenze zwischen Verdächtigen und Unbeteiligten verschwimmt immer mehr; wir werden alle zu Risikofaktoren." Darüber hinaus bringt die aktuelle Ausgabe eine Reportage über Umweltverschmutzung in Peru, eine Fotoreportage über das Leben in Slums und ein Interview mit der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Das Magazin für die Menschenrechte der deutschen Sektion von Amnesty International erscheint zweimonatlich mit einer Gesamtauflage von 84.000. Es ist ab dem 27. November 2009 alle zwei Monate an allen Bahnhofs- und Flughafen-Kiosken in Deutschland erhältlich.

Ein Rezensionsexemplar der Zeitschrift lassen wir Ihnen gerne zukommen. Für Interviews steht der verantwortliche Redakteur Anton Landgraf zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an die Amnesty-Pressestelle.

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