Katar: Fußball JA. Ausbeutung NEIN.

Das Foto hat zwei verschiedene Hälften und sieht aus, als wäre in der Mitte ein Riss. Auf der linken Hälfte ist von hinten ein Fußballspieler in einem roten Trikot mit einem Fußball unterm Arm zu sehen, der in ein beleuchtetes großes Stadium blickt. In der rechten Bildhälfte ist ein Mann zu sehen, der ein Gerüst in einem Stadium aufbaut.

Sport-Event auf Kosten der Arbeitskräfte: Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar findet auf dem Rücken der Arbeitsmigrant_innen statt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer findet im November und Dezember 2022 in Katar statt. Für die im Schnellverfahren errichtete Infrastruktur des Sportevents werden seit Jahren Baustellenarbeiter_innen aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien und Nepal sowie aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern wie Kenia und Uganda ausgebeutet und missbraucht. Ihre Arbeitsbedingungen kommen in einigen Fällen sogar Zwangsarbeit gleich.

Diesem Missbrauch von Arbeitsmigrant_innen in Katar muss ein Ende gesetzt werden.

In den Monaten vor dem Anpfiff zur Fußball-WM 2022 fordert Amnesty International deshalb vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), für die Menschenrechte am Ball zu bleiben und sich für nachhaltige Reformen und Strukturen zum Schutz von Arbeitsmigrant_innen in Katar stark zu machen!

Konkret fordern wir den DFB auf, sich für Entschädigungszahlungen an Arbeitsmigrant_innen, deren Rechte im Zusammenhang mit der WM verletzt wurden, und ein "Zentrum für Arbeitsmigrant_innen" starkzumachen.

Beteilige dich jetzt an der Online-Aktion an den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf!

Fußball JA. Ausbeutung NEIN.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Neuendorf,

mit großer Sorge verfolge ich, dass Arbeitsmigrant_innen in Katar noch immer ausgebeutet und missbraucht werden – teilweise sogar unter Bedingungen, die Zwangsarbeit entsprechen. Ohne die Arbeit der vielen Arbeitsmigrant_innen wäre die Fußball-WM 2022 in Katar aber überhaupt nicht möglich.

Ausländische Arbeitskräfte dürfen sich in Katar nicht in Gewerkschaften organisieren, um sich gemeinsam für ihre Rechte starkzumachen oder sich auch nur gegenseitig über ihre Rechte zu informieren. Deshalb ist die Einrichtung eines eigenen, selbstverwalteten Zentrums für Arbeitsmigrant_innen so wichtig!

Sie haben sich bereits öffentlich für ein solches Zentrum ausgesprochen und auch die Verantwortung des Fußballs für Menschenrechte in Katar anerkannt.

Deshalb bitte ich Sie:

  • Setzen Sie sich dafür ein, dass Arbeitsmigrant_innen entschädigt werden, deren Menschenrechte im direkten Zusammenhang mit der Fußball-WM verletzt wurden.
  • Setzen Sie sich in Ihren Gesprächen und Treffen mit der katarischen Regierung für die Einrichtung des Zentrums für Arbeitsmigrant_innen ein.
  • Machen Sie - als höchster Vertreter des größten Fußballverbandes der Welt - Druck auf die FIFA, damit sie sich gegenüber der katarischen Regierung klar und deutlich für das Zentrum für Arbeitsmigrant_innen einsetzt.
  • Stellen Sie sicher, dass der DFB und die FIFA das Zentrum für Arbeitsmigrant_innen dauerhaft unterstützen, sobald es eingerichtet ist.

Mit freundlichen Grüßen,

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Hintergrundinformationen

Kurz nach der Vergabe der FIFA-WM 2022 an Katar im Jahr 2010 hat Amnesty International sich dazu entschieden, die internationale Aufmerksamkeit zu nutzen, um bessere Bedingungen für Arbeitsmigrant_innen in Katar zu fordern. Trotz erster Erfolge und Reformen in Katar werden ausländische Arbeitskräfte weiterhin ausgebeutet und ihre Rechte missachtet.

Für die im Schnellverfahren errichtete Infrastruktur des Sportevents werden seit Jahren Baustellenarbeiter_innen aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien und Nepal sowie aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern wie Kenia und Uganda ausgebeutet; ihre Arbeitsbedingungen kommen in einigen Fällen sogar Zwangsarbeit gleich.

Die Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der WM sind jedoch Teil eines größeren Problems: Ausländische Arbeitskräfte arbeiten nicht nur auf den Baustellen der WM-Stadien und der dazugehörigen Infrastruktur, sondern auch als Sicherheitspersonal und Angestellte im Hotel- und Gaststättengewerbe. Rund 173.000 Menschen, überwiegend Frauen, arbeiten zudem direkt in katarischen Familien. Viele werden trotz eines neuen Gesetzes zum Schutz von Hausangestellten ausgebeutet und misshandelt. Sie sind die verletzlichste Gruppe von Arbeitsmigrant_innen und haben wenig Möglichkeiten, dem Missbrauch zu entgehen.

Zeit für gerechte Arbeitsbedingungen in Katar

Die Arbeit von Menschenrechtler_innen und Gewerkschafter_innen hatte erste Erfolge und Katar hat in den letzten Jahren zahlreiche positive Reformen auf den Weg gebracht: So wurde ein Mindestlohn eingeführt, ein Fonds zur Erstattung von nicht ausbezahlten Löhnen eingerichtet, eine Schlichtungsstelle gegründet sowie "Gemeinsame Komitees" eingeführt. Das Land hat zwei wichtige internationale Menschenrechtsabkommen ratifiziert. Doch vieles blieb unverändert. Die Kafala, ein Bürgschaftssystem, das Menschen ihren Arbeitgeber_innen ausliefert, ist nicht vollständig abgeschafft worden. Die Auszahlung des Mindestlohns von umgerechnet 247 Euro im Monat erfolgt oft weiterhin unregelmäßig, verspätet oder gar nicht; Reisepässe werden nach wie vor von Arbeitgeber_innen einbehalten. Arbeitsmigrant_innen ist es weiterhin per Gesetz untersagt, Gewerkschaften zu gründen. Ein Recht auf Kollektivverhandlungen oder ein Streikrecht gibt es nicht.

Schlimmer noch: Nach hoffnungsfrohen Anfängen rudert Katar jetzt zurück. Im Februar 2021 empfahl der Schura-Rat, einige neu eingeführte Rechte, wie das Recht, den Arbeitsplatz wechseln und ohne Genehmigung des Arbeitgebers das Land verlassen zu können, wieder zurückzunehmen. Innerhalb der katarischen Wirtschaft wächst Widerstand gegen die Reformen aus Sorge, Einfluss und Profitmöglichkeiten zu verlieren.

Forderung: Ein "Zentrum für Arbeitsmigrant_innen" in Katar als Erbe der WM

Amnesty International ruft weiterhin weder zum Boykott der Fußballweltmeisterschaft auf, noch kritisieren wir diejenigen, die die Sportveranstaltung boykottieren. Es gilt vielmehr, die internationale Aufmerksamkeit auf die WM zu nutzen, um nachhaltige Reformen und Strukturen zum Schutz der ausländischen Arbeitskräfte in Katar auf den Weg zu bringen.

Amnesty International unterstützt in diesem Zusammenhang die Forderung der BHI ("Bau- und Holzarbeiter Internationale" = internationaler Gewerkschaftsbund der Bau- und Holzarbeiter_innen), der FIFPro (Internationale Gewerkschaft der Profifußballer) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zur Einrichtung eines Zentrums für Arbeitsmigrant_innen in Katar ("Qatar Legacy Center for Migrant Workers").

Denn klar ist: Auch lange nach der WM werden Menschen aus südasiatischen und afrikanischen Ländern Arbeit in Katar suchen. Wir fordern und erwarten eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Menschenrechtslage. Ein "Zentrum für Arbeitsmigrant_innen" soll dabei helfen, die Errungenschaften aus der Zeit vor der WM fortzuführen bzw. die Reformen voll umfassend umzusetzen sowie weitere Fortschritte für die Lebens- und Arbeitsbedingungen ausländischer Arbeitskräfte zu bringen. Das Zentrum soll in erster Linie eine (selbstverwaltete) Anlaufstelle für Arbeitsmigrant_innen sein, um sich weiterbilden und informieren zu können. Darunter fällt zum Beispiel der Zugang zu Schulungsmaterialien in verschiedenen Sprachen und zu Informationen über Probleme, die am Arbeitsplatz auftreten können, sowie zu Gesetzen und Beschwerdeverfahren. Es wäre ein "sicherer Hafen", wo sich die ausländischen Arbeitskräfte ohne Angst austauschen könnten.

Wir fordern: Arbeitsmigrant_innen deren Rechte im Zusammenhang mit der Fußball-WM verletzt wurden, müssen entschädigt werden.

Die Fußball-WM wäre ohne die Arbeit unzähliger Arbeitsmigrant_innen nicht möglich. Trotz begrüßenswerter Reformschritte erlitten und erleiden zahllose Arbeiter_innen immer noch Missbrauch und Ausbeutung.

Amnesty International setzt sich weiterhin für die vollständige Umsetzung der Reformen ein. Natürlich macht das aber den bereits begangenen Missbrauch nicht ungeschehen. Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an Arbeitsmigrant_innen sind seit Jahren dokumentiert – von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, die Zwangsarbeit gleichkommen bis hin zu nicht untersuchten Todesfällen, die mutmaßlich auf gefährliche Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind. 

Weder werden diese Menschenrechtsverletzungen geahndet, noch erhalten Betroffene oder ihre Angehörigen eine Entschädigung.

Es ist jetzt an der Zeit, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) deutlich Stellung bezieht und die Forderung nach Entschädigungszahlungen für erlittene Rechtsverletzungen an Arbeitsmigrant_innen tatkräftig unterstützt.

Fordere den DFB, als größten Fußballverband der Welt, auf, für die Menschenrechte in Katar am Ball zu bleiben: Beteilige dich jetzt an der Online Aktion (interne Verlinkung).

Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Katar 2022 einen echten und nachhaltigen Beitrag für die Rechte von Arbeitsmigrant_innen leistet!