Vertriebene ohne Nahrung

Diese Urgent Action ist beendet.

Etwa 230 binnenvertriebene Frauen, die als Knifar-Bewegung bekannt sind, und ihre Kinder haben jetzt wieder Zugang zu Nahrung. Zuvor war ihnen die Versorgung mit Lebensmitteln verweigert worden.

Vier ganzkörperverhüllte Frauen stehen mit dem Rücken zur Kamera, dahinter Baracken

Frauen in einem Lager für Binnenvertriebene in Maiduguri, Nigeria

Etwa 230 binnenvertriebene Frauen, die als Knifar-Bewegung bekannt sind, und ihre Kinder erhalten seit dem 18. April in ihrem Lager für Binnenvertriebene keine Nahrungsmittel mehr. Ihre Vorräte sind aufgebraucht. Die Verweigerung von Nahrung für die Frauen und Kinder wird als Versuch der Behörden gewertet, sie dazu zu bewegen, dorthin zurückzugehen, wo sie hergekommen sind. Doch dort drohen ihnen verschiedene Menschenrechtsverletzungen.

Appell an:

Prof. Yemi Osinbajo Office of the Vice President

Nigerian Presidential Complex

Aso Rock Presidential Villa

Abuja, Federal Capital Territory

NIGERIA

Sende eine Kopie an:

Generaldirektor NEMA
The Director General
National Emergency Management Agency (NEMA)
Engr Mustapha Maihaja
No. 8, Adetokunbo Ademola Crescent Maitama

Abuja, NIGERIA
Twitter: @NEMANigeria

Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
S.E. Herr Yusuf Maitame Tuggar
Neue Jakobstraße 4, 10179 Berlin

Fax: 030-2123 0164
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

Amnesty fordert:

  • Respektieren Sie bitte das Recht auf Nahrung und stoppen sie alle Pläne, den Hunderten als Knifar-Bewegung bekannten binnenvertriebenen Frauen und Kindern die Nahrungsmittelhilfe abzuschneiden.
  • Stellen Sie bitte in Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsnormen und dem internationalen humanitären Recht alle Pläne ein, die Frauen und ihre Kinder gewaltsam nach Bama zurückzubringen, wo sie nicht sicher wären und Gefahr liefen Menschenrechtsverletzungen zu erleiden, so zum Beispiel die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit.

Sachlage

Eine Gruppe von etwa 230 binnenvertriebenen Frauen, die als Knifar-Bewegung bekannt sind, und ihre Kinder sind vom Hungertod bedroht, da die nigerianischen Behörden das Lager für Binnenvertriebene, in dem sie seit 2017 leben, nicht mehr mit Nahrungsmittel versorgen.  Am 18. April wurde das Lager zum letzten Mal mit Nahrung beliefert, die aber nach nicht einmal einer Woche aufgebraucht war. Die Lagerverwaltung hat keine Auskunft darüber gegeben, warum sie die Versorgung eingestellt hat. Alternative Versorgungsmöglichkeiten stehen den Frauen und Kindern nicht zur Verfügung.

Am Morgen desselben Tages hatten Beamt_innen der Behörde für Notfallmanagement des Bundesstaates Borno (BOSEMA) im Nordosten von Nigeria den Frauen mitgeteilt, dass sie keine Nahrungsmittelhilfe mehr erhalten würden. Die BOSEMA-Mitarbeiter_innen sagten den Frauen und auch ihren Kindern, dass sie nach Bama zurückkehren müssten, von wo sie geflohen waren. Die Frauen gaben jedoch ihrem Wunsch Ausdruck, im Lager für Binnenvertriebene in Maiduguri, der Hauptstadt von Borno, bleiben zu können, da sie dort sicherer seien als in Bama und sie dort auch die Möglichkeit hätten, ihren Kampf um Gerechtigkeit fortzusetzen. Die Beamt_innen gestatten ihnen, im Lager zu bleiben.

Amnesty International ist jedoch sehr besorgt, dass die Entscheidung der Regierung, die Nahrungsversorgung einzustellen, eine Strategie ist, um die Frauen zum Schweigen zu bringen, um sie dann mit ihren Kindern nach Hause zu schicken und um sie daran zu hindern, Gerechtigkeit für die Verbrechen an ihren Ehemännern zu suchen. Seit die Frauen 2017 in das Lager flohen, fordern sie die Freilassung ihrer Ehemänner, die im Zusammenhang mit Regierungsoperationen gegen Boko Haram rechtswidrig vom nigerianischen Militär inhaftiert worden sind. Die Männer wurden nach Massenfestnahmen inhaftiert, als sie bei Angriffen von Boko Haram aus ihren Häusern flohen. Beweise, dass die Männer bei Boko Haram aktiv sind und auch Informationen über ihren Haftort, stehen von Seiten der Behörden noch aus.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit 2014 sind mehr als zwei Millionen Menschen durch den bewaffneten Konflikt im Nordosten Nigerias vertrieben worden. Eine Gruppe von binnenvertriebenen Frauen, die als Knifar-Bewegung bekannt ist, fordert seit 2017 ohne Unterlass Gerechtigkeit für die rechtswidrige Festnahme und Inhaftierung ihrer Ehemänner.

Die meisten der binnenvertriebenen Frauen kommen aus Orten und Dörfern in der Region Bama, die bei den gewalttätigen Angriffen 2014 unter die Kontrolle von Boko Haram gerieten. Viele der Frauen haben unter Boko Haram fürchterlich zu leiden gehabt, ihnen wurde von der bewaffneten Gruppe auch verboten, das Haus zu verlassen, um der Farmarbeit oder einer anderen Form des Broterwerbs nachzugehen und sie wurden ausgepeitscht, wenn sie sich dem widersetzten. Sie berichten, dass sie geschlagen und gefoltert wurden, als sie versuchten, sich und ihre Töchter vor Zwangsehen mit Boko-Haram-Mitgliedern zu schützen und einige berichten, dass sie Hinrichtungen von Personen miterlebt haben, die versuchten, aus den Boko-Haram-Gebieten zu flüchten.

Ein Versuch der Behörden, die Frauen mit Gewalt nach Bama zurückzubringen, wäre ein Verstoß gegen internationales Recht, das Nigeria verpflichtet, Binnenvertriebenen Schutz und Hilfe zu geben und keine erzwungenen Rückführungen durchzuführen.

In den Flüchtlingslagern kämpfen sie trotz der schwierigen Situation als Binnenvertriebene aktiv für ihre Rechte und ein Minimum an Nahrung und anderen notwendigen Dingen des täglichen Gebrauchs.

Zusammen haben die Frauen eine Liste von fast 1300 Menschen aus ihren Dörfern erstellt, die vom Militär inhaftiert wurden – die meisten als sie Ende 2015 und Anfang 2016 auf der Suche nach Schutz durch das Militär in dem abgelegenen Lager für Binnenvertriebene in Bama ankamen. Die Gruppe hat zudem eine Liste von Hunderten Namen von Menschen aus ihren Dörfern erstellt, die in den Monaten nach der Ankunft in den Lagern durch Hunger oder Krankheit starben. Außerdem berichten sie über sexualisierte Gewalt durch das Militär und zivile Milizen im Lager. In genau dieses Lager sollen sie zurückgeschickt werden.

Die Frauen der Knifar-Bewegung haben diese Probleme der Nigerianischen Nationalen Menschenrechtskommission, der Nationalversammlung und der im August 2017 vom Präsidenten ins Leben gerufenen präsidialen Untersuchungsgruppe vorgetragen, die das Verhalten des Militärs untersucht, auch im Verlauf des Konflikts mit Boko Haram. Sie haben auch aktiv versucht, mediale Aufmerksamkeit für ihre Belange zu erhalten.