Todesstrafe vollstreckt

Diese Urgent Action ist beendet.

Die Todesstrafe stoppen. Jetzt.

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William Morva, ein 35-jähriger Mann mit US-amerikanischer und ungarischer Staatsbürgerschaft, bei dem eine Wahnstörung diagnostiziert wurde, ist am 6. Juli in Virginia hingerichtet worden. Die Tochter eines Opfers und zwei Expert_innen der Vereinten Nationen hatten sich gegen die Hinrichtung ausgesprochen.

Sachlage

William Morva, ein 35-jähriger Mann mit US-amerikanischer und ungarischer Staatsbürgerschaft, bei dem eine Wahnstörung diagnostiziert wurde, ist am 6. Juli in Virginia hingerichtet worden. Die Tochter eines Opfers und zwei Expert_innen der Vereinten Nationen hatten sich gegen die Hinrichtung ausgesprochen.

William Morva wurde 2008 zum Tode verurteilt, nachdem man ihn für schuldig befunden hatte, während seiner Flucht aus dem Gewahrsam zwei Menschen getötet zu haben: Derrick McFarland, ein Krankenhauswachmann, und Hilfssheriff Corporal Eric Sutphin. 2012 überprüfte ein Psychologe alle vorhandenen Unterlagen, darunter auch den familiären Hintergrund von William Morva im Hinblick auf "umfassende und schwere psychische Erkrankungen". Die Familienanamnese ergab Vorerkrankungen wie Wahnvorstellungen, Schizophrenie und Zwangsstörungen. Der Psychologe äußerte sich kritisch zu den Beurteilungen der Sachverständigen des Gerichtsverfahrens im Jahr 2008 und kam zu dem Schluss, dass niemand die mildernden Umstände erkannt oder angeführt habe, die u. a. durch William Morvas anhaltende "somatische, paranoide und ausufernde Wahnvorstellungen" und eine "eindeutige Geschichte psychiatrischer Verschlechterung" vor der Straftat begründet seien. Wie er anführte, könnten William Morvas somatische Wahnvorstellungen insbesondere "insofern mit den Verbrechen im Zusammenhang stehen, als er offensichtlich glaubte, an seinen 'Leiden’ zu sterben – was anscheinend der Grund für seinen Fluchtversuch war". 2014 bescheinigte eine gerichtlich bestellte Psychiaterin in ihrem Gutachten William Morva eine wahnhafte Störung in Form von Verfolgungswahn. Sie vertrat die Ansicht, er habe die Verbrechen infolge seiner Wahnvorstellungen begangen.

Unter den Personen, die sich mit Gnadengesuchen an den Gouverneur wandten, befanden sich unter anderem die Tochter des Opfers Eric Sutphin, zahlreiche Abgeordnete des Bundesstaates Virginia und der UN‑Sonderberichterstatter über außergerichtliche, summarische oder willkürliche Hinrichtungen sowie der UN‑Sonderberichterstatter über das Recht auf Gesundheit (das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit). Am 29. Juni legte u.a. Amnesty International dem Gouverneur eine Unterschriftensammlung mit über 34.000 Unterschriften für die Begnadigung von William Morva vor.

Am 6. Juli erklärte Gouverneur Terry McAuliffe in einer öffentlichen Ablehnung des Gnadengesuchs, er und seine Mitarbeiter hätten die "umfangreichen Mitteilungen von Familienmitgliedern der Opfer, Gesetzeshütern, Gemeindevorstehern und besorgten Beobachtern aus aller Welt" geprüft, seien jedoch zu dem Schluss gekommen, dass "in der Petition und der Fallgeschichte von Mr. Morva kein ausreichend triftiger Grund für eine Umkehrung der Entscheidung der Jury, die ihn zum Tod verurteilt hatte, vorliegt". Der Gouverneur sagte, er persönlich lehne die Todesstrafe zwar ab, wandte jedoch ein: "Ich habe einen Eid geschworen, die Gesetze dieses Bundesstaats durchzusetzen – unabhängig von meinen persönlichen Ansichten zu diesen Gesetzen – solange sie fair und gerecht angewandt werden. Somit habe ich nach extensiver Prüfung und Beratung und im Vergleich mit früheren Verfahren, bei denen die Umwandlung des Urteils beantragt wurde, das Gnadengesuch für William Morva abgelehnt. Ich werde auch weiterhin für die Familien der Opfer dieser schrecklichen Verbrechen beten und für alle Menschen, deren Leben davon betroffen sind."

Die Hinrichtung fand wie geplant um 21 Uhr statt; um 21.15 Uhr wurde William Morva für tot erklärt. Er lehnte es ab, letzte Worte zu äußern.

Im Jahr 2017 fanden bereits 14 Hinrichtungen in den USA statt. Seit der Verabschiedung der neuen Todesstrafengesetze im Jahr 1976 und der faktischen Wiederaufnahme gerichtlicher Tötungen im Jahr 1977 sind in den USA somit insgesamt 1.456 Todesurteile vollstreckt worden, 113 davon in Virginia. Es war die zweite Hinrichtung in Virginia in diesem Jahr.

Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.