Hinrichtungstermin festgesetzt

Diese Urgent Action ist beendet.

Clinton Young sollte am 26. Oktober hingerichtet werden. Nun verfügte das Berufungsstrafgericht von Texas einen Hinrichtungsaufschub und verwies den Fall an das Gericht zurück, welches das Todesurteil verhängt hatte. Dort soll geklärt werden, ob in Clinton Youngs Prozess falsche oder irreführende Zeugenaussagen berücksichtigt worden waren.

Zeichnung eines Galgenstricks zum Erhängen

Clinton Young soll am 26. Oktober in Texas hingerichtet werden. Er war 2003 im Zusammenhang mit tödlichen Schüssen auf zwei junge Männer im November 2001 wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Zum Zeitpunkt dieser Verbrechen war Clinton Young 18 Jahre alt. Er beteuert seine Unschuld.

Sprecht euch gegen die Hinrichtung von Clinton Young aus!

Appell an

Clemency Section, Board of Pardons and Paroles

8610 Shoal Creek Blvd.

Austin, Texas 78757-6814

USA



Sende eine Kopie an

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika

Herrn Kent Doyle Logsdon

Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat


Clayallee 170

14191 Berlin

Fax: 030-83 05 10 50

E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Amnesty fordert:

  • Bitte begnadigen Sie Clinton Young und wandeln Sie sein Todesurteil um.
  • Berücksichtigen Sie bitte die anhaltenden Zweifel an der Stichhaltigkeit seines Schuldspruchs, welcher die Verurteilung zum Tode begründete.
  • Ich möchte betonen, dass Clinton Young zum Zeitpunkt der Morde erst 18 Jahre alt war.

Sachlage

Am 24. November 2001 fuhren Clinton Young, Mark Ray, David Page, Darnell McCoy und Doyle Douglas nach Longview im Osten von Texas, um Marihuana zu kaufen. Doyle Douglas wurde im Auto angeschossen. Das Opfer wurde im Kofferraum des Autos an einen Fluss gefahren, wo erneut auf ihn geschossen wurde. Am folgenden Tag wurde Samuel Petrey in der Nähe von Midland, etwa 725 km westlich von Longview, erschossen. Die Prozessbeweise legen nahe, dass er zuvor von David Page und Clinton Young aus Brookshire dorthin verschleppt worden war. Sie verließen den Tatort gemeinsam im Auto des Opfers. Nachdem sie sich getrennt hatten, ging David Page zur Polizei. Nachdem Polizeibeamt_innen Clinton Young im Lieferwagen von Samuel Petrey erkannt hatten, nahmen sie ihn nach einer Verfolgungsjagd fest. Im Auto wurde eine Pistole sichergestellt. Die nachfolgende kriminaltechnische Untersuchung ergab, dass sowohl die beiden Patronenhülsen, die im Auto von Doyle Douglas gefunden worden waren, als auch zwei weitere, die neben der Leiche von Samuel Petrey gefunden worden waren, aus dieser Waffe stammten. Clinton Young wurden beide Tötungsdelikte angelastet. Am 27. März 2003 wurde er schuldig gesprochen und am 14. April 2003 zum Tode verurteilt.

Er war zum Zeitpunkt der Schüsse 18 Jahre und vier Monate alt und ist damit der Jüngste von allen, die in den Fall verwickelt sind. Er ist der Einzige, der zum Tode verurteilt wurde. Darnell McCoy wurde nicht angeklagt. Mark Ray wurde wegen Mordes an Doyle Douglas angeklagt und im Juni 2003 wegen Entführung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er ist inzwischen wieder frei. David Page bekannte sich im Dezember 2003 der schweren Form von Entführung schuldig. Er wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt. Alle drei sagten gegen Clinton Young aus.

Der Schuldspruch der Geschworenen im zweiten Mordfall war die Voraussetzung für eine Verurteilung von Clinton Young wegen eines Kapitalverbrechens und damit für sein Todesurteil. Der einzige Beleg, der auf ihn als denjenigen hinwies, der Samuel Petrey erschoss, war die Aussage von David Page – der zweite, der bei diesem Mord anwesend war. David Page sagte aus, dass Clinton Young Samuel Petrey aus einer Entfernung von etwa zwei bis dreieinhalb Metern erschossen habe. Die Wunden des Opfers weisen jedoch darauf hin, dass er aus einer Entfernung von maximal 0,6 Metern erschossen worden war. Seit dem Prozess machten vier Personen eidesstattliche Aussagen, die Clinton Youngs Angabe unterstützen, dass er Samuel Petrey nicht erschossen habe. Laut seinen Rechtsbeiständen unterstützt auch das Untersuchungsergebnis der Schmauchspuren an einem Paar Handschuhen, das am Tatort des Mordes an Samuel Petrey gefunden wurde, seine Unschuldsbehauptung.

In einer eidesstattlichen Erklärung sagte David Page 2015, dass mehrere Staatsanwält_innen zu ihm gesagt hätten: "Wenn du uns hilfst, dann helfen wir dir auch." Er ergänzte: "Ich versuchte, Clint so schlecht wie möglich aussehen zu lassen, damit sich das Verfahren günstig für mich auswirkt." Im Februar 2002 fiel David Page bei einem Polygraph-Test (auch als "Lügendetektor"-Test bekannt) zu seiner Beteiligung an den Erschießungen durch. Seine Antworten wurden als trügerisch eingestuft. Mit dem Ziel, die Aussage von David Page zu widerlegen, beantragte die Verteidigung, den entsprechenden Untersuchungsbericht als Beweis vor Gericht zuzulassen – der Richter lehnte dies ab. 2014 wurde das Todesurteil von einem Bundesgericht aufrechterhalten. Begründet wurde dies damit, dass die Geschworenen bereits durch das Kreuzverhör von David Page durch die Verteidigung die Möglichkeit gehabt hätten, Ungereimtheiten bei seiner Version des Tathergangs zu erkennen. Der Ausschluss der Zeugenaussage der Prüfer_innen im Polygraph-Test stelle keine Einschränkung der Rechte von Clinton Young dar.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Staatsanwalt plädierte für ein Todesurteil gegen Clinton Young. Er argumentierte, dass die von den Rechtsbeiständen angebrachten strafmildernden Umstände nur ein Versuch seien, von der Schuld und Verantwortung des Angeklagten abzulenken. Er forderte die Geschworenen dazu auf, sich ihr Mitleid für die Angehörigen der Mordopfer aufzusparen und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Den Geschworenen wurden Belege für Clinton Youngs ADHS-Diagnose (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) vorgelegt. Außerdem erfuhren sie, dass er in seiner Kindheit misshandelt worden war. Seit dem Prozess wurden weitere Nachweise über Misshandlungen in seiner Kindheit erbracht: Ein Psychologe, der von den Rechtsbeiständen im Berufungsverfahren hinzugezogen wurde, kam zu dem Schluss, dass Clinton Youngs "Kindheitsgeschichte durch mindestens neun von zehn nachteiligen Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences – ACEs) gekennzeichnet ist." Dazu zählen verbale und körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch, emotionale und körperliche Vernachlässigung, häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch. Er kam in seiner Beurteilung zu dem Schluss, dass Clinton Youngs "psychologische Schwierigkeiten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)" sowie ADHS nahelegen.

Der Psychologe fuhr fort, dass die PTBS weder erkannt noch behandelt worden sei. Außerdem stellte er einen "beeindruckenden Reifungsprozesses" fest, den Clinton Young seit seiner Inhaftierung durchlaufen habe: Clinton Young hatte bei einer Untersuchung spontan gesagt, dass er nicht mehr in der Weise emotional reagiere wie in der Zeit seiner Festnahme vor fast 15 Jahren. Er erklärte weiter, dass er heute methodischer mit schwierigen Situationen umgehen könne ‑ im Gegensatz zu seinem früheren hyperaktiven und impulsiven Verhalten. Etwa jede sechste Person, die in Texas seit 1976 ‑ dem Jahr der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA ‑ exekutiert wurde, war zum Tatzeitpunkt noch Teenager, also 17, 18 oder 19 Jahre alt. Bevor der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Verfassungswidrigkeit von Todesurteilen für minderjährige Straftäter_innen feststellte, waren bereits 13 wegen Straftaten hingerichtet worden, zu deren Tatzeitpunkt sie erst 17 Jahre alt waren. Seit 1976 sind in den USA insgesamt 1.460 Menschen hingerichtet worden, 543 davon allein im US-Bundesstaat Texas. In diesem Jahr wurden bereits 18 Personen hingerichtet, fünf davon in Texas.

Fortsetzung auf Englisch

The Court recognized the immaturity, impulsiveness, poor judgment, underdeveloped sense of responsibility and vulnerability or susceptibility to "negative influences and outside pressures, including peer pressure", often seen in youth, as well as their potential for rehabilitation and reform. It noted that the "qualities that distinguish juveniles from adults do not disappear when an individual turns 18", and scientific research has continued to show that development of the brain and psychological and emotional maturation continues well past the age of 18. An independent expert paper issued in 2015 by the National Institute of Justice at the US Department of Justice on young adults and the justice system, for example, noted that "Young adults are developmentally distinct from older adults. Recent scientific work suggests that the human brain continues to develop well into the 20s, particularly in the prefrontal cortex region, which regulates impulse control and reasoning… Because of [the 'maturity gap’], young adults are more likely to engage in risk-seeking behaviour, have difficulty moderating their responses in emotionally charged situations, or have not fully developed a future-oriented method of decision-making." In the USA, there are efforts underway in litigation to have courts recognize this scientific research and to ban the death penalty, for example, for those under 21 at the time of the crime. In Kentucky, two judges have recently agreed to issue such orders, although their rulings will be appealed. In Texas, 31 individuals have been executed for crimes committed when they were 18 and another 44 for crimes committed at 19 (See https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/027/2014/en/).

In June 2015 US Supreme Court Justice Stephen Breyer issued a landmark dissenting opinion arguing that the Court should consider the constitutionality of the death penalty per se, citing among other things, arbitrariness, and the number of errors in capital cases. Since 1973, more than 150 people have been exonerated of the crimes for which they were originally sent to death row in the USA. Clearly the US capital justice system is capable of making mistakes, and does so with alarming regularity.

Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, regardless of claims of guilt or innocence, mitigating or aggravating evidence, or the execution method. International safeguards guaranteeing protection of the rights of those facing the death penalty require that "Capital punishment may be imposed only when the guilt of the person charged is based upon clear and convincing evidence leaving no room for an alternative explanation of the facts".