Hinrichtung in Texas

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Philippinen: Wiedereinführung der Todesstrafe verhindern!

Amnesty-Aktion gegen die Todesstrafe

Christopher Young wurde am Abend des 17. Juli im US-Bundesstaat Texas hingerichtet. Der Begnadigungsausschuss hatte sich zuvor gegen eine Begnadigung ausgesprochen und der Gouverneur von Texas sah keine Notwendigkeit, aktiv zu werden.

Sachlage

Christopher Young wurde 2006 wegen des Mordes an Hasmukhbhai Patel im November 2004 zum Tode verurteilt. Im Gnadengesuch seiner Rechtsbeistände an den Begnadigungsausschuss (Board of Pardons and Paroles - BPP) steht, dass er "nicht länger der junge Mann ist, der er einmal war" (zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat war er 21 Jahre alt) und, dass sein Verhalten in den vergangenen Jahren die Gefährlichkeitsprognose der Geschworenen nicht länger rechtfertige. In Texas ist die Feststellung der sogenannten "zukünftigen Gefährlichkeit" die Voraussetzung für ein Todesurteil. Christopher Young unterstütze Mithäftlinge und kläre Jugendliche über die Fallstricke von gewalttätigem Verhalten auf. Unter den Unterstützer_innen des Gnadengesuchs war auch Mitesh Patel, der Sohn des ermordeten Hasmukhbhai Patel. Dieser hatte erklärt, dass die Hinrichtung weder ihm noch seiner Familie helfen würde. Stattdessen hätte sie nur negative Folgen für Christopher Youngs Angehörige. Außerdem erkannte er an, dass Christopher Young als Achtjähriger seinen eigenen Vater durch einen Mord verloren hatte – ein Ereignis, das traumatische Spuren hinterließ.

Am 13. Juli lehnte der BPP das Gnadengesuch einstimmig ab. Daraufhin legten Christopher Youngs Rechtsbeistände bei einem Bundesbezirksgericht Rechtsmittel ein, da hinreichende Anscheinsbeweise dafür vorlägen, dass das Votum durch eine rassistische Diskriminierung geprägt sei. Sie wiesen darauf hin, dass sich der BPP zu Beginn des Jahres einstimmig für eine Umwandlung des Todesurteils von Thomas Whitaker in eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen habe. Nachdem dessen Vater der Hinrichtung seines Sohnes sowohl als Opfer der Tat als auch als Person, die im Falle einer Hinrichtung erneut Schaden erleiden würde, widersprochen hatte, wandelte der Gouverneur das Urteil um. Thomas Whitaker ist weiß, Christopher Young war schwarz. In seinem Plädoyer für einen Hinrichtungsaufschub argumentierte Christopher Youngs Rechtsbeistand dem Bundesrichter gegenüber mit sechs ihm bekannten Fällen in Texas, bei denen sich Angehörige des Mordopfers für eine Begnadigung ausgesprochen hatten. In fünf dieser Fälle – bei denen es allesamt um African Americans ging – wurde die Begnadigung verweigert. Der sechste war der Fall Whitaker.

Der Richter am Bezirksgericht sagte bei der Urteilsverkündung am 17. Juli, dass "diese Geschichte der gewährten und verweigerten Begnadigungen sehr verstörend ist, wenn sie wahr ist". Doch er sagte weiter, dass er zwar "in einer rationalen Welt" das Vorlegen von Beweisen anordnen und diese dann durchgehen könnte, aber diese Möglichkeit sei "in den Richtlinien für die Aussetzung einer Hinrichtung leider nicht vorgesehen". Im vorliegenden Fall müsse das Gericht "am ersten Werktag nachdem der Ausschuss zusammengekommen ist und innerhalb von 24 Stunden vor dem geplanten Hinrichtungstermin" die kritische Frage klären, ob bei der Entscheidung des BPP rassistische Vorurteile eine Rolle gespielt hatten oder nicht. Das Kriterium für die Aussetzung sei, meinte der Richter weiter, dass der Gefangene überzeugend darlegen könne, dass er im Falle einer Fortsetzung des Verfahrens gute Aussichten habe, Recht zu bekommen. Gleichzeitig werde der Gefangene dazu aufgefordert, etwas zu tun, das "geradezu unmöglich ist": Er solle eine rassistische Diskriminierung beweisen, obwohl "die daran Beteiligten nur selten ihre Motivation verlauten lassen" und "Indizienbeweise nur schwer zu bekommen sind". In seinem Urteil führte der Richter am Bezirksgericht aus, dass die BPP-Mitglieder "ihre Entscheidung nicht begründet" und "keinen Grund zu der Annahme gegeben" hätten, dass Christopher Youngs Gnadengesuch "ernsthafte Berücksichtigung erfahren [hat] und noch viel weniger eine peinlich genaue Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände, was eine Mindestanforderung sein sollte, hinter die man nicht zurück kann, wenn ein Menschenleben auf dem Spiel steht". Er sagte, dass der Bundesstaat "idealerweise" gewillt sei, deutlich zu machen, dass das Begnadigungsverfahren nicht von rassistischer Diskriminierung "infiziert" gewesen sei und zu zeigen, dass der Prozess "nicht nur fair war, sondern sichtbar fair". Der Richter am Bezirksgericht wies das Gnadengesuch ab und das US-Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung am 17. Juli.

Vor seiner Hinrichtung sagte Christopher Young: "Ich möchte, dass die Patel-Familie weiß, dass ich sie so liebe, wie sie mich lieben. Sorgt dafür, dass die Kinder dieser Welt erfahren, dass ich hingerichtet werde und dass die Jugendlichen, die ich begleitet habe, den Kampf fortführen."

Die Gesamtzahl der Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1976 beläuft sich auf 1.479, davon wurden 553 in Texas durchgeführt. 2018 sind in den USA bisher 14 Todesurteile vollstreckt worden, acht davon in Texas.

Vielen Dank allen, die mit Appellen versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.