USA: Begnadigung abgelehnt, Todesurteil vollstreckt
Diese Urgent Action ist beendet.
Wayne Nichols wurde am 11. Dezember 2025 im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet. Er hatte sich 1990 schuldig bekannt, 1988 in Chattanooga eine Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Wayne Nichols befand sich seit über 35 Jahren im Todestrakt. Mehrere der Geschworenen sowie zwei Staatsanwält*innen aus seinem Verfahren haben eine Umwandlung seiner Strafe unterstützt. Sachverständige hatten darauf verwiesen, dass Wayne Nichols Verantwortung für seine Tat übernommen, sich im Gefängnis vorbildlich verhalten und große Schritte zur persönlichen Rehabilitierung unternommen hat. Der Gouverneur von Tennessee hat die Begnadigung verweigert.
Protestaktion gegen die Todesstrafe in Bloomington im US-Bundesstaat Indiana (12. Januar 2021)
© IMAGO / ZUMA Press Wire
Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.
Sachlage
Am Morgen des 11. Dezember 2025 lehnte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten einen Hinrichtungsaufschub nach einer Klage der Rechtsbeistände von Wayne Nichols ab. Sie hatten die Offenlegung der Vorgehensweise beim Einsatz der in Tennessee verwendeten Giftspritze gefordert. Wayne Nichols wurde kurz darauf im Hochsicherheitsgefängnis Riverbend in Nashville hingerichtet. Nach Angaben der Strafvollzugsbehörde wurde er um 10:39 Uhr für tot erklärt. Die Behörde veröffentlichte eine Erklärung des Schwagers des Opfers im Namen der Familie, in der er der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gefängnisbehörden für "ihre unermüdlichen Bemühungen um Gerechtigkeit" dankte: "37 Jahre lang haben wir auf Gerechtigkeit gehofft ... Keine Strafe kann jemals den Verlust des Lebens [unseres geliebten Menschen] oder den Schaden, der unserer Familie zugefügt wurde, wiedergutmachen ... Aber dies ist ein Anfang. Wir sind erleichtert, dass dieser Albtraum vorbei ist, und finden Trost in dem Wissen, dass er niemandem mehr Schaden zufügen kann. In Zukunft wird sich unsere Familie auf die glücklichen Erinnerungen [an unseren geliebten Menschen] konzentrieren und nie wieder von diesem Monster traumatisiert werden."
Einige Tage zuvor, am 2. Dezember, unterzeichnete Gouverneur Bill Lee anlässlich des kurz bevorstehenden 77. Jahrestags der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) eine Proklamation zum Tag der Menschenrechte. Unter Berufung auf die Präambel der AEMR, wonach "die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der menschlichen Familie die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet", und unter Bekräftigung, dass "der Bundesstaat Tennessee sich weiterhin für die Unterstützung der Bürger- und Menschenrechte aller Bürger einsetzt", erklärte Gouverneur Lee den 10. Dezember 2025 zum "Tag der Menschenrechte in Tennessee" und forderte "alle Bürger" auf, sich ihm "in diesem würdigen Gedenken anzuschließen". Am 9. Dezember gab Gouverneur Lee eine öffentliche Erklärung ab, in der er sagte: "Nach sorgfältiger Prüfung des Gnadengesuchs von Harold Wayne Nichols und nach einer gründlichen Überprüfung des Falles halte ich an dem Urteil des Staates Tennessee fest und werde nicht eingreifen."
Die Rechtsbeistände von Wayne Nichols antworteten wie folgt: "Wir sind zutiefst betrübt und sehr enttäuscht über die Entscheidung von Gouverneur Lee, Wayne Nichols keine Begnadigung zu gewähren. Wayne hat in den letzten Jahrzehnten Verantwortung für seine Taten übernommen, sein Leben geändert und sich zu einem außergewöhnlichen Menschen entwickelt, der von Strafvollzugsbeamten, Religionsführern und vielen Menschen in seiner Gemeinschaft geliebt und geschätzt wird. Diese Entscheidung lässt die außergewöhnlichen Belege für Waynes Rehabilitierung außer Acht, die Überzeugung der Geschworenen und Staatsanwälte, dass er nicht hingerichtet werden sollte, sowie die schwerwiegenden, nicht ausgeräumten Bedenken, die in laufenden Gerichtsverfahren vorgebracht wurden, darunter Fragen zu der in Tennessee verwendeten Hinrichtungsmethode und zum Zugang zu Informationen und Aufzeichnungen über Hinrichtungen."
Vielen Dank allen, die mit uns versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.