USA: Hinrichtung von Wayne Nichols stoppen!

Diese Urgent Action ist beendet.

Wayne Nichols wurde am 11. Dezember 2025 im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet. Er hatte sich 1990 schuldig bekannt, 1988 in Chattanooga eine Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Wayne Nichols befand sich seit über 35 Jahren im Todestrakt. Mehrere der Geschworenen sowie zwei Staatsanwält*innen aus seinem Verfahren haben eine Umwandlung seiner Strafe unterstützt. Sachverständige hatten darauf verwiesen, dass Wayne Nichols Verantwortung für seine Tat übernommen, sich im Gefängnis vorbildlich verhalten und große Schritte zur persönlichen Rehabilitierung unternommen hat. Der Gouverneur von Tennessee hat die Begnadigung verweigert.

Aufnahme einer Frau an einem sonnigen Tag. Sie blickt leicht lächelnd in die Kamera und zeigt mit ihrer rechten Hand auf ihr T-Shirt, auf dem grop steht: "Stob executions now!"

Amnesty-Protestaktion in den USA für die Abschaffung der Todesstrafe (Archivaufnahme)

Der 64-jährige Wayne Nichols befindet sich seit 35 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee im Todestrakt. Er soll am 11. Dezember 2025 hingerichtet werden. Er hatte sich 1990 schuldig bekannt, 1988 in Chattanooga eine Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Mehrere der Geschworenen, die ihn 1990 zum Tode verurteilt hatten, sowie zwei Staatsanwält*innen aus diesem Verfahren unterstützen mittlerweile eine Umwandlung der Strafe. Wayne Nichols hat laut Gutachten von Sachverständigen die Verantwortung für seine Tat übernommen, sich im Gefängnis vorbildlich verhalten und große Schritte für seine persönliche Rehabilitierung unternommen. 

Appell an

Governor Bill Lee 
State Capitol, 1st Floor 
600 Dr. Martin L. King, Jr. Blvd.
Nashville, TN 37243
USA 

Sende eine Kopie an

E-Mail (nur über ein Formular): https://www.tn.gov/governor/contact-us/share-opinion.html 

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer, Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14195 Berlin 
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov

Amnesty fordert:

  • Ich bitte Sie hiermit eindringlich, das gegen Wayne Nichols verhängte Todesurteil nicht zu vollstrecken und seine Strafe umzuwandeln. Ich möchte damit keineswegs die Schwere des Verbrechens, für das er verurteilt wurde, herunterspielen.

Sachlage

Am 30. September 1988 brach ein Mann in ein Haus in Chattanooga (Hamilton County) im US-Bundesstaat Tennessee ein und vergewaltigte eine 21-jährige Frau. Er verletzte sie zudem mit einem Holzbrett am Kopf. Am nächsten Morgen fanden ihre Mitbewohner*innen sie noch lebend vor, sie starb jedoch am Tag darauf. Im Januar 1989 wurde der damals 28-jährige Wayne Nichols wegen anderer Vorwürfe festgenommen. Am 9. Mai 1990 bekannte er sich des Mordes an der Frau für schuldig. Bei der Verurteilung drückte er seine Reue aus und entschuldigte sich für das von ihm verursachte Leid. Die Mutter des Opfers bat nach der Verurteilung um ein Treffen mit Wayne Nichols und drückte ihm gegenüber aufgrund ihrer Religion ihre Vergebung aus. Diese Begegnung war für Wayne Nichols offenbar ein wichtiger Antrieb für seine Bemühungen, sich wieder gesellschaftlich einzugliedern. Gefängnisexpert*innen und andere Sachverständige haben bekräftigt, dass er tiefe Reue zeigt und seine persönliche Verantwortung anerkennt. 

Mehrere der Geschworenen, die Wayne Nichols 1990 zum Tode verurteilt hatten, haben sich seither für seine Begnadigung ausgesprochen. Ihren Angaben zufolge wollten sie ihn damals eigentlich zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilen, doch da dies unter den Gesetzen von Tennessee nicht möglich gewesen sei, stimmten sie für die Todesstrafe – in dem Glauben, dass Wayne Nichols aller Wahrscheinlichkeit nach nicht hingerichtet würde, da im Bundesstaat Tennessee seit 1960 keine Hinrichtung mehr vollzogen worden war. Ihre Motivation hinter dem Strafmaß war lediglich, ihn lebenslang hinter Gittern zu wissen. Diese damalige Spekulation ist heute sicher ein Grund, Wayne Nichols zu begnadigen.

Ein Richter am Obersten Gerichtshof von Tennessee machte 1994 geltend, dass die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren von 1990 verfassungswidrig gehandelt habe, als sie argumentierte, dass nur ein Todesurteil dafür sorgen würde, dass der Angeklagte nicht vorzeitig entlassen und damit erneut Straftaten begehen würde. Mittlerweile sprechen sich auch zwei der damaligen Staatsanwält*innen unter Hinweis auf seine gute Führung in den letzten 30 Jahren für eine Umwandlung der Strafe aus. 

Ein ehemaliger Gefängniswärter, der Wayne Nichols seit 20 Jahren kennt, sagte: "Er übernimmt die volle Verantwortung für seine Taten und strengt sich sehr an, ein besserer Mensch zu werden... Er übte im Gefängnis einen beruhigenden Einfluss aus und fungierte als Vorbild und Mentor für die anderen Insassen". Ein weiterer ehemaliger Wärter und anerkannter Gefängnisexperte sagte, Wayne Nichols sei ganz offensichtlich "ein Mann, der seine Taten ehrlich bereut und erhebliche Energie darauf verwendet hat, die Entscheidungen zu verstehen, die dazu geführt haben, dass er sich nun im Todestrakt befindet. Er hat sich der Aufgabe verschrieben, den Zyklus der Gewalt zu durchbrechen." Ein*e Sachverständige für von Männern verübte Gewalt kam zu dem Schluss, dass eine direkte Verbindung zwischen den von Wayne Nichols verübten Straftaten und Misshandlungen in seiner Kindheit und Jugend bestand. Das Gnadengesuch gibt zu bedenken, dass es heute Möglichkeiten gebe, um Traumata und ihre Konsequenzen besser zu bewältigen, während "die Misshandlung von Wayne [Nichols] vor 50 Jahren ignoriert, diskreditiert und schlicht nicht thematisiert wurde".   

Das Völkerrecht betrachtet die Läuterung des Charakters und soziale Wiedereingliederung als "grundlegendes Ziel" der Behandlung von Einzelpersonen im Gefängnissystem. 

Seit der Oberste Gerichtshof 1976 die Wiederaufnahme von Hinrichtungen bestätigte, wurden in den USA 1.651 Menschen hingerichtet. In Tennessee erfolgte daraufhin die erste Hinrichtung im Jahr 2000, seither folgten 14 weitere. 2025 wurden in den USA bisher 44 Todesurteile vollstreckt, davon zwei in Tennessee. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. 

Hintergrundinformation

Hintergrund

(auf Englisch)

On 30 September 1988, a man broke into a house in Chattanooga in Hamilton County and raped a 21-year-old woman who lived there. He also hit her head with a wooden board. Found alive by roommates the next morning, she died the following day. In January 1989, Wayne Nichols, who had turned 28 in December, was arrested on unrelated charges. He admitted to the 30 September assault, his videotaped confession providing the only link between him and the crime. Before the murder trial, he pleaded guilty to other rapes committed in the three months between 30 September and his arrest. On 9 May 1990, he pleaded guilty to capital murder, and the trial moved to sentencing. Wayne Nichols apologized to the victim’s family. The prosecution argued that a death sentence was the only way to keep him from getting out and committing similar crimes. The jury voted for the death penalty. In 1994, when the Tennessee Supreme Court upheld the death sentence, the Chief Justice found the prosecution’s argument had unconstitutionally alluded to the possibility of his release. The other Justices disagreed. 

Immediately after the sentencing in 1990, the mother of the young woman killed in Chattanooga asked to meet with Wayne Nichols. According to the clemency petition, Wayne Nichols "repeatedly apologized" to the victim’s mother for causing her family "such immense pain". For her part, from her position of religious faith, the mother "responded with her forgiveness". The mother visited Wayne Nichols twice more while he was in the county jail before his transfer to state prison. 

In 1990, a capital jury in Tennessee had only the choice of the death penalty or life with the possibility of parole after 25 years. At that time, Tennessee had not carried out an execution since 1960. As noted in the clemency submission this combination appears to have driven the decision in the jury room at Wayne Nichols’s trial. Multiple jurors have since the trial said they support commutation. They have recalled that the jurors discussed the fact that the state had not carried out an execution for decades and that they doubted anyone ever would be. At the same time, encouraged by the prosecutor’s arguments, they were concerned about the defendant re-offending, and so they decided to vote for death in the belief that "it would guarantee he would stay in prison forever". 

In post-conviction proceedings in 2017, the defence and county prosecutor’s office informed the court that they were engaged in negotiations to modify the death sentence, and they reached an agreement in early 2018 that Wayne Nichols be resentenced to life imprisonment consecutive to his 220-year sentence for the non-capital rape convictions. The judge set a hearing to resentence Wayne Nichols in 2018. However, at the hearing the judge unexpectedly declined to approve the agreement and set the case for additional arguments. A week before the new hearing, the court summarily denied relief on all Nichols’ post-conviction claims. The lawyers appealed to the Tennessee Court of Criminal Appeals (TCCA), arguing that the post-conviction court had abused its discretion and acted arbitrarily. However, the TCCA upheld the decision. 

The Hamilton County Assistant District Attorney involved in the agreement said she "fully support[s] Governor Lee granting Mr Nichols clemency", adding that that Wayne Nichols has been "a model inmate, who the prison staff trusted and relied on." A former Assistant District Attorney who defended the state’s case during original postconviction proceedings also now supports a life sentence. He noted that in three decades Wayne Nichols had had "only two disciplinary write-ups, neither of which involved violence or security risk", but only "minor policy violations."