Syrien: Kurdische Studentin verschwunden

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Das Bild zeigt mehrere Frauen in Uniform und mit Waffen

Kämpferinnen der Frauenverteidigungseinheiten der kurdischen Miliz YPG im syrisch-irakischen Grenzgebiet (Archivaufnahme)

Die 18-jährige Studentin Fidaa Mohammad Qassem soll in Kobanê unter Verstoß gegen das örtliche Recht von den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) zwangsrekrutiert worden sein. Die kurdische Stadt Kobanê liegt in Rojava und wird von der Autonomieverwaltung Nordostsyriens (AANES) verwaltet, zu deren Streitkräften die YPJ gehören. Nach dem Verschwinden der jungen Frau teilten YPJ-Angehörige der Familie mit, dass sie freiwillig zu ihnen gekommen sei. Doch ohne direkten Kontakt kann diese Angabe nicht überprüft werden.

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Dein Appell

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Sehr geehrte Frau General Ahmed,

die 18-jährige Studentin Fidaa Mohammad Qassem soll in Kobanê unter Verstoß gegen das örtliche Recht von den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) zwangsrekrutiert worden sein. Die kurdische Stadt Kobanê liegt in Rojava und wird von der Autonomieverwaltung Nordostsyriens (AANES) verwaltet, zu deren Streitkräften die YPJ gehören. Nach dem Verschwinden der jungen Frau teilten YPJ-Angehörige der Familie mit, dass sie freiwillig zu ihnen gekommen sei. Doch ohne direkten Kontakt kann diese Angabe nicht überprüft werden.

Ich fordere Sie dringend auf, den Aufenthaltsort von Fidaa Mohammad Qassem bekannt zu geben und dafür zu sorgen, dass sie regelmäßig mit ihrer Familie in Kontakt treten kann. 

Mit freundlichen Grüßen

Dear General Newroz Ahmed,

I am writing to you with regards to Fidaa Mohammad Qassem, an English student, who was forced to join the Women’s Protection Unit (YPJ) against her will and has been denied access to her family. 

On 6 April 2023, a day after she turned 18, Fidaa went missing as she was returning from an English language institute in Kobani in north-east Syria. A close relative told Amnesty International that members of the YPJ unofficially visited Fidaa’s family about two weeks after she had gone missing and told them that Fidaa had voluntarily chosen to join the ranks of the YPJ. The close relative added that the family did not believe that Fidaa voluntarily chose to join the YPJ given her plans to finish English lessons and continue her education abroad.  

Despite multiple requests via all available communication channels, the YPJ has denied the family’s wish to see and communicate with Fidaa. In July 2023, the YPJ denied that Fidaa had joined their ranks and denied allegations of her disappearance in their response to a letter sent by Amnesty International which asked the YPJ to provide details on the whereabouts of Fidaa to her family members. The reported circumstances of Fidaa Mohammad Qassem’s disappearance and the YPJ’s refusal to allow her to contact her family suggest that she may have been arbitrarily deprived of her liberty, in violation of international law. 

In light of the above, I urge you to reveal the whereabouts of Fidaa and ensure that she has regular channel of communication with her family.

Yours sincerely,

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Appell an

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PER E-MAIL UND X (ehem. TWITTER) AN:

General Newroz Ahmed
Commander-in-Chief
Women’s Protection Units (YPJ) 
Qamishli, NORDOST-SYRIEN

E-Mail: Ypj_Womensdefend@protonmail.com
X (ehem. Twitter): https://twitter.com/YPJDefense

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie dringend auf, den Aufenthaltsort von Fidaa Mohammad Qassem bekannt zu geben und dafür zu sorgen, dass sie regelmäßig mit ihrer Familie in Kontakt treten kann. 

Sachlage

Einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag wurde Fidaa Mohammad Qassem zum letzten Mal gesehen. Sie war auf dem Rückweg von ihrem Englisch-Kurs an einem Sprachinstitut im Viertel 48 der nordostsyrischen Stadt Kobanê, als sie am 6. April 2023 "verschwand". Seitdem ist ihr Aufenthaltsort unbekannt.

Eine von Amnesty International befragte Person gab an, dass ein Familienmitglied etwa drei Tage nach ihrem Verschwinden die Information erhalten habe, dass Fidaa Mohammad Qassem zu den Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) eingezogen worden sei. Die Angehörigen seien aufgefordert worden, ihre Suche zu beenden. Ein naher Verwandter berichtete, dass zwei Wochen später YPJ-Angehörige die Familie von Fidaa Mohammad Qassem inoffiziell besucht und dieser mitgeteilt hätten, Fidaa Mohammad Qassem habe sich freiwillig der YPJ angeschlossen. Sie gaben jedoch zu, dass sie die Studentin zuvor ein Jahr lang überwacht hatten. 

Die Angehörigen von Fidaa Mohammad Qassem glauben nicht, dass sie sich freiwillig für die YPJ entschieden habe. Vielmehr hätte sie vorgehabt, ihr Englischstudium zu beenden und anschließend ihre Ausbildung im Ausland fortzusetzen.

Trotz mehrfacher Anfragen über alle verfügbaren Kommunikationskanäle hat die YPJ den Wunsch der Familie, Fidaa zu sehen und mit ihr zu sprechen, abgelehnt. Amnesty International forderte die YPJ bereits 2023 auf, den Angehörigen von Fidaa Mohammad Qassem Einzelheiten über den Verbleib der jungen Frau mitzuteilen. In einem Antwortschreiben vom Juli 2023 leugnete die YPJ jedoch, dass sich die Studentin in ihren Reihen befindet. Vorwürfe zu ihrem Verschwinden wies sie zurück. 

Die Umstände des Verschwindens von Fidaa Mohammad Qassem und die Weigerung der YPJ, ihr den Kontakt zu ihrer Familie zu gestatten, deuten darauf hin, dass sie möglicherweise willkürlich ihrer Freiheit beraubt wurde, was einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Autonomieverwaltung Nordostsyriens (AANES) kontrolliert den größten Teil des Nordostostens Syriens, auch bekannt unter dem kurdischen Namen Rojava. Die Streitkräfte der AANES bestehen aus den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Dabei handelt es sich um ein kurdisch-arabisches Milizenbündnis unter der Führung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), zu denen auch die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) gehören.Nach dem im Nordosten Syriens unter der Kontrolle der AANES geltenden Gesetz können Frauen freiwillig der YPJ beitreten, während Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren einen einjährigen Pflichtwehrdienst ableisten müssen. Die Wehrpflichtigen dürfen in der Regel ihre Familien sehen und mit ihnen kommunizieren. Daher ist es ungewöhnlich, dass die YPJ den Wunsch der Angehörigen von Fidaa Mohammad Qassem, mit ihr in Kontakt treten zu dürfen, ablehnt.