Sri Lanka: Nach Gefängnisaufstand - Häftlinge schützen!
Sicherheitskräfte stehen am 6. Juli 2026 vor dem Gefängnis in Negombo in Sri Lanka, nachdem dort Unruhen ausgebrochen waren.
© IMAGO / Xinhua
Nach der Niederschlagung eines Gefängnisaufstands in Negombo im Westen Sri Lankas, bei dem am 5. und 6. Juli mindestens 28 Menschen getötet wurden – darunter mindestens sieben Gefängniswärter –, wurden Hunderte Häftlinge in andere Haftanstalten des Landes verlegt. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass die Verlegten dort Folter, Misshandlungen und Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sind. Die Behörden haben bereits zwei Todesfälle gemeldet.
Setzt euch für Häftlinge in Sri Lanka ein!
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Appell an
Minister of Justice and National Integration
Hon. Harshana Nanayakkara
19 Sri Sangaraja Mawatha
Colombo 10
SRI LANKA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka
I.E. Frau Lanka Varuni Muthukumarana
Niklasstr. 19
14163 Berlin
Fax: 030 - 80 90 97-57
E-Mail: slemb.berlin@mfa.gov.lk
Amnesty fordert:
- Sorgen Sie bitte für den Schutz der aus dem Gefängnis von Negombo verlegten Häftlingen vor Folter und anderen Misshandlungen und veranlassen sie eine sofortige, unparteiische Untersuchung der bisher gemeldeten Todesfälle in Gewahrsam.
- Sorgen Sie außerdem dafür, dass die Menschenrechtskommission von Sri Lanka uneingeschränkten Zugang zu allen Gefängnissen erhält. Die Behörden sind dafür verantwortlich, die Sicherheit und das Wohlergehen der Häftlinge in ihrer Obhut zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sie vor jeglichen Repressalien geschützt sind.
- Außerdem fordere ich Sie nachdrücklich auf, die Angehörigen der Häftlinge unverzüglich über deren Verbleib nach ihrer Verlegung aus dem Gefängnis von Negombo zu informieren und ihnen sowie ihren Rechtsbeiständen Besuche zu ermöglichen. Häftlinge, die medizinische Hilfe benötigen, müssen zudem unverzüglich angemessen medizinisch versorgt werden.
Sachlage
Zwei Tage lang erschütterten schwere Unruhen das Gefängnis der Küstenstadt Negombo, bei denen mindestens 28 Menschen ums Leben kamen. Nach dem Aufstand wurden Hunderte Häftlinge in verschiedene Haftanstalten im ganzen Land verlegt. Ihre Situation gibt Anlass zu großer Sorge. Bereits am 8. Juli berichteten lokale Medien über den Tod eines Häftlings, der nach seiner Verlegung in das Hochsicherheitsgefängnis in Boossa an einer "plötzlichen Erkrankung" gestorben sein soll. Am selben Tag starb ein weiterer Häftling, der in das Gefängnis von Agunukolapelessa verlegt worden war. Nach Angaben sri-lankischer Menschenrechtsorganisationen, darunter das Komitee zum Schutz der Rechte von Gefangenen und die Menschenrechtskommission Sri Lankas, wurden weitere verlegte Häftlinge gefoltert oder anderweitig misshandelt. Es besteht die Gefahr weiterer Repressalien und Vergeltungsmaßnahmen.
Zudem haben Angehörige von Häftlingen, die aus dem Gefängnis in Negombo verlegt worden waren, seit der Verlegung keine Informationen von den Gefängnisbehörden über den Verbleib ihrer Angehörigen erhalten.
Zusätzliche Besorgnis löst die Stimmung innerhalb des Gefängnispersonals aus. Nach einer offiziellen Trauerfeier im Gefängnis von Welikada zu Ehren der verstorbenen Gefängnismitarbeiter*innen sind Amnesty International Berichte über hochkochende Emotionen unter den Beschäftigten des Strafvollzugs zugegangen. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge, dass verlegte Häftlinge verstärkt Folter, Misshandlungen oder anderen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sein könnten.
Die Ereignisse verdeutlichen zugleich die tiefgreifenden strukturellen Probleme des sri-lankischen Strafvollzugssystems, insbesondere die chronische Überbelegung vieler Haftanstalten. Um Folter und Misshandlungen wirksam zu verhindern, muss Sri Lanka dringend einen unabhängigen und effektiven nationalen Präventionsmechanismus für den Strafvollzug einrichten.
Hintergrundinformation
Der UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter hatte bereits nach seinem zweiten Besuch in Sri Lanka im Juni 2026 – nur wenige Wochen vor den Ausschreitungen in Negombo – die anhaltenden Missstände im Strafvollzug angeprangert. Er kritisierte insbesondere die lange Untersuchungshaft, die chronische Überbelegung von Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen sowie die mangelhaften Haftbedingungen generell.
Die Menschenrechtskommission Sri Lankas zeigte sich angesichts der Berichte über Folter und Misshandlungen verlegter Häftlinge besorgt. In einer öffentlichen Erklärung forderte sie den Generaldirektor der Gefängnisse auf, die Sicherheit der Inhaftierten zu gewährleisten und der Kommission uneingeschränkten Zugang zu den Haftanstalten zu ermöglichen. Einem Krisenteam der Menschenrechtskommission, das noch in der Nacht vom 7. Juli das Gefängnis von Welikada aufsuchte, wurde der Zugang jedoch verwehrt.
Die sri-lankische Regierung kündigte am 6. Juli an, die Ereignisse im Gefängnis von Negombo durch einen dreiköpfigen Untersuchungsausschuss prüfen zu lassen.