Sri Lanka: Nach Gefängnisaufstand - Häftlinge schützen!

Days
:
Std
:
Min
Viele bewaffnete Polizisten stehen vor dem Eingangstor eines Gefägnisses

Sicherheitskräfte stehen am 6. Juli 2026 vor dem Gefängnis in Negombo in Sri Lanka, nachdem dort Unruhen ausgebrochen waren. 

Nach der Niederschlagung eines Gefängnisaufstands in Negombo im Westen Sri Lankas, bei dem am 5. und 6. Juli mindestens 28 Menschen getötet wurden – darunter mindestens sieben Gefängniswärter –, wurden Hunderte Häftlinge in andere Haftanstalten des Landes verlegt. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass die Verlegten dort Folter, Misshandlungen und Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sind. Die Behörden haben bereits zwei Todesfälle gemeldet.

Setzt euch für Häftlinge in Sri Lanka ein!

Bereits bei "Mein Amnesty" registriert? Dann bitte hier anmelden.
Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Ja, ich will mich für die Menschenrechte einsetzen und stimme zu, dass die Initialen meines Vornamens und Nachnamens bei Aktionsteilnahme an den Adressaten übermittelt und diesem angezeigt werden. Ich bin mir bewusst, dass in Drittstaaten oft kein mit dem europäischen Datenschutz vergleichbarer Schutz meiner personenbezogenen Daten gegeben ist und dass mit der Offenlegung ggf. Rückschlüsse auf meine politische Meinung möglich sind. Meine Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen, jedoch nur mit Wirkung für die Zukunft. Weitere Hinweise in unseren Datenschutzhinweisen.

Hinweis: Vielen Dank für deine Unterstützung. Deine Kontaktdaten (E-Mail-Adresse, Anschrift und optional Telefonnummer) verwenden wir auch, um dir aktuelle Informationen über Menschenrechte und unsere Arbeit sowie die unserer Netzwerkpartner zuzuschicken, Veranstaltungen anzukündigen und zur Teilnahme an Aktionen, Petitionen oder zu Spenden aufzurufen. Du kannst dich jederzeit kostenlos und einfach von unseren Newslettern abmelden. Klicke dazu einfach auf den Abmeldelink in den Nachrichten (E-Mail oder WhatsApp), oder schreibe uns an info@amnesty.de. Mehr Informationen findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

Dein Appell

In welcher Sprache möchtet du den Brief verschicken? Bitte auswählen

Sehr geehrter Herr Justizminister,

nach dem Gefängnisaufstand in Negombo wurden Hunderte Häftlinge in verschiedene Haftanstalten im ganzen Land verlegt. Ihre Situation gibt Anlass zu großer Sorge. Bereits am 8. Juli berichteten lokale Medien über den Tod eines Häftlings, der nach seiner Verlegung in das Hochsicherheitsgefängnis in Boossa an einer "plötzlichen Erkrankung" gestorben sein soll. Am selben Tag starb ein weiterer Häftling, der in das Gefängnis von Agunukolapelessa verlegt worden war. Nach Angaben sri-lankischer Menschenrechtsorganisationen, darunter das Komitee zum Schutz der Rechte von Gefangenen und die Menschenrechtskommission Sri Lankas, wurden weitere verlegte Häftlinge gefoltert oder anderweitig misshandelt. Es besteht die Gefahr weiterer Repressalien und Vergeltungsmaßnahmen.

Zudem haben Angehörige von Häftlingen, die aus dem Gefängnis in Negombo verlegt worden waren, seit der Verlegung keine Informationen von den Gefängnisbehörden über den Verbleib ihrer Angehörigen erhalten. Zusätzliche Besorgnis löst die Stimmung innerhalb des Gefängnispersonals aus. Nach einer offiziellen Trauerfeier im Gefängnis von Welikada zu Ehren der verstorbenen Gefängnismitarbeiter*innen sind Amnesty International Berichte über hochkochende Emotionen unter den Beschäftigten des Strafvollzugs zugegangen. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge, dass verlegte Häftlinge verstärkt Folter, Misshandlungen oder anderen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sein könnten. 

Die Ereignisse verdeutlichen zugleich die tiefgreifenden strukturellen Probleme des sri-lankischen Strafvollzugssystems, insbesondere die chronische Überbelegung vieler Haftanstalten. Um Folter und Misshandlungen wirksam zu verhindern, muss Sri Lanka dringend einen unabhängigen und effektiven nationalen Präventionsmechanismus für den Strafvollzug einrichten.

Sorgen Sie bitte für den Schutz der aus dem Gefängnis von Negombo verlegten Häftlingen vor Folter und anderen Misshandlungen und veranlassen sie eine sofortige, unparteiische Untersuchung der bisher gemeldeten Todesfälle in Gewahrsam. Sorgen Sie außerdem dafür, dass die Menschenrechtskommission von Sri Lanka uneingeschränkten Zugang zu allen Gefängnissen erhält. Die Behörden sind dafür verantwortlich, die Sicherheit und das Wohlergehen der Häftlinge in ihrer Obhut zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sie vor jeglichen Repressalien geschützt sind. Außerdem fordere ich Sie nachdrücklich auf, die Angehörigen der Häftlinge unverzüglich über deren Verbleib nach ihrer Verlegung aus dem Gefängnis von Negombo zu informieren und ihnen sowie ihren Rechtsbeiständen Besuche zu ermöglichen. Häftlinge, die medizinische Hilfe benötigen, müssen zudem unverzüglich angemessen medizinisch versorgt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hon. Minister of Justice,

I am writing to you regarding the shocking news of the reported deaths of at least two inmates following their transfer from Negombo Prison, as well as allegations of torture and other ill-treatment of prisoners transferred following the clashes at Negombo Prison on 5-6 July, which led to the tragic deaths of at least 28 people, including at least seven prison officials.

On 8 July, local media reported the death of an inmate transferred to Boossa High Security Prison, following a "sudden illness". On the same day, another inmate transferred to Agunukolapelessa Prison also died. The Committee to Protect Rights of Prisoners have alleged that transferred prisoners have also been subjected to torture and other ill-treatment – a concern also raised by Sri Lanka’s Human Rights Commission. Moreover, relatives of Negombo prison inmates have been unable to get information from prison authorities regarding the whereabouts of their loved ones following their transfer.

Following an official funeral at Welikada prison to pay tribute to the deceased prison officials, Amnesty International has received reports that emotions are running high amongst prison officials, leading to fears of custodial torture, ill-treatment, reprisals and retaliatory violence against the transferred inmates.

These events underscore the urgent need to address long-standing structural deficiencies within Sri Lanka's prison system, such as overcrowding, and an effective National Prevention Mechanism to prevent torture and ill-treatment in custody.

I urge you to ensure the protection of the prisoners transferred from Negombo Prison from torture and other ill-treatment and to conduct a prompt and impartial investigation into the custodial deaths reported thus far. I also call on you to guarantee the Human Rights Commission of Sri Lanka unrestricted access to all prisons. The authorities have a responsibility to ensure the safety and well-being of these prisoners in their custody and ensure they are protected against any reprisals. Additionally, I urge you to promptly inform the relatives of the inmates of the whereabouts of their loved ones following their transfer from Negombo prison, and provide them, and their lawyers with visitation access. Any inmates requiring medical care must also have prompt access to medical services. 

Yours sincerely,

Du möchtest dein Schreiben lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.

Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.

Bitte abschicken bis: 10.10.2026

Appell an

Minister of Justice and National Integration
Hon. Harshana Nanayakkara 
19 Sri Sangaraja Mawatha
Colombo 10
SRI LANKA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka
I.E. Frau Lanka Varuni Muthukumarana
Niklasstr. 19
14163 Berlin 
Fax: 030 - 80 90 97-57
E-Mail: slemb.berlin@mfa.gov.lk

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie bitte für den Schutz der aus dem Gefängnis von Negombo verlegten Häftlingen vor Folter und anderen Misshandlungen und veranlassen sie eine sofortige, unparteiische Untersuchung der bisher gemeldeten Todesfälle in Gewahrsam.
  • Sorgen Sie außerdem dafür, dass die Menschenrechtskommission von Sri Lanka uneingeschränkten Zugang zu allen Gefängnissen erhält. Die Behörden sind dafür verantwortlich, die Sicherheit und das Wohlergehen der Häftlinge in ihrer Obhut zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sie vor jeglichen Repressalien geschützt sind. 
  • Außerdem fordere ich Sie nachdrücklich auf, die Angehörigen der Häftlinge unverzüglich über deren Verbleib nach ihrer Verlegung aus dem Gefängnis von Negombo zu informieren und ihnen sowie ihren Rechtsbeiständen Besuche zu ermöglichen. Häftlinge, die medizinische Hilfe benötigen, müssen zudem unverzüglich angemessen medizinisch versorgt werden.

Sachlage

Zwei Tage lang erschütterten schwere Unruhen das Gefängnis der Küstenstadt Negombo, bei denen mindestens 28 Menschen ums Leben kamen. Nach dem Aufstand wurden Hunderte Häftlinge in verschiedene Haftanstalten im ganzen Land verlegt. Ihre Situation gibt Anlass zu großer Sorge. Bereits am 8. Juli berichteten lokale Medien über den Tod eines Häftlings, der nach seiner Verlegung in das Hochsicherheitsgefängnis in Boossa an einer "plötzlichen Erkrankung" gestorben sein soll. Am selben Tag starb ein weiterer Häftling, der in das Gefängnis von Agunukolapelessa verlegt worden war. Nach Angaben sri-lankischer Menschenrechtsorganisationen, darunter das Komitee zum Schutz der Rechte von Gefangenen und die Menschenrechtskommission Sri Lankas, wurden weitere verlegte Häftlinge gefoltert oder anderweitig misshandelt. Es besteht die Gefahr weiterer Repressalien und Vergeltungsmaßnahmen.

Zudem haben Angehörige von Häftlingen, die aus dem Gefängnis in Negombo verlegt worden waren, seit der Verlegung keine Informationen von den Gefängnisbehörden über den Verbleib ihrer Angehörigen erhalten.

Zusätzliche Besorgnis löst die Stimmung innerhalb des Gefängnispersonals aus. Nach einer offiziellen Trauerfeier im Gefängnis von Welikada zu Ehren der verstorbenen Gefängnismitarbeiter*innen sind Amnesty International Berichte über hochkochende Emotionen unter den Beschäftigten des Strafvollzugs zugegangen. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge, dass verlegte Häftlinge verstärkt Folter, Misshandlungen oder anderen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sein könnten. 

Die Ereignisse verdeutlichen zugleich die tiefgreifenden strukturellen Probleme des sri-lankischen Strafvollzugssystems, insbesondere die chronische Überbelegung vieler Haftanstalten. Um Folter und Misshandlungen wirksam zu verhindern, muss Sri Lanka dringend einen unabhängigen und effektiven nationalen Präventionsmechanismus für den Strafvollzug einrichten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter hatte bereits nach seinem zweiten Besuch in Sri Lanka im Juni 2026 – nur wenige Wochen vor den Ausschreitungen in Negombo – die anhaltenden Missstände im Strafvollzug angeprangert. Er kritisierte insbesondere die lange Untersuchungshaft, die chronische Überbelegung von Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen sowie die mangelhaften Haftbedingungen generell.

Die Menschenrechtskommission Sri Lankas zeigte sich angesichts der Berichte über Folter und Misshandlungen verlegter Häftlinge besorgt. In einer öffentlichen Erklärung forderte sie den Generaldirektor der Gefängnisse auf, die Sicherheit der Inhaftierten zu gewährleisten und der Kommission uneingeschränkten Zugang zu den Haftanstalten zu ermöglichen. Einem Krisenteam der Menschenrechtskommission, das noch in der Nacht vom 7. Juli das Gefängnis von Welikada aufsuchte, wurde der Zugang jedoch verwehrt.

Die sri-lankische Regierung kündigte am 6. Juli an, die Ereignisse im Gefängnis von Negombo durch einen dreiköpfigen Untersuchungsausschuss prüfen zu lassen.