Israel/OPT: Palästinenser Ayman Bani Owda freilassen!
© Avishay Mohar/Activestills
Der palästinensische Menschenrechtler Ayman Bani Owda sitzt ohne Anklage oder Verfahren in einem israelischen Gefängnis außerhalb des besetzten Gebiets. Die israelischen Streitkräfte halten ihn schon seit dem 17. November 2025 willkürlich in Haft. Ein israelisches Militärgericht verlängerte seine Haft am 24. September um drei Monate, obwohl Ayman Bani Owda gar nicht in Haft sein dürfte.
Setzt euch bitte für Ayman Bani Owda ein!
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Appell an
Maj. Gen. Avi Bluth, IDF Central Command
Brig. Gen. Orly Markman, IDF President of the Military Court of Appeals
c/o. Botschaft des Staates Israel
S.E. Herrn Ron Prosor
Auguste-Viktoria-Straße 74-76
14193 Berlin
Fax: 030– 8904-5555
E-Mail: botschaft@israel.de
Sende eine Kopie an
Botschaft des Staates Israel
S.E. Herrn Ron Prosor
Auguste-Viktoria-Straße 74-76
14193 Berlin
Fax: 030– 8904-5555
E-Mail: botschaft@israel.de
Amnesty fordert:
- Bitte treten Sie dafür ein, dass Ayman Bani Owda unverzüglich und bedingungslos freigelassen wird, damit er zu seiner Familie und zu seiner Gemeinschaft zurückkehren kann.
- Bis zu seiner Freilassung bitte ich Sie nachdrücklich, dafür zu sorgen, dass er menschlich behandelt und vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird.
Sachlage
Ayman Bani Owda ist ein bekannter palästinensischer Menschenrechtsverteidiger und Sozialarbeiter. Zurzeit wird er im Gilboa-Gefängnis im Norden Israels festgehalten.
Am 17. November 2025 nahm ihn das israelische Militär im Dorf Fasayil fest. Das Dorf liegt im zentralen Jordantal im besetzten Westjordanland. Ayman Bani Owda war dorthin gefahren, um die schwierige Lage der palästinensischen Bevölkerung zu dokumentieren. Die dort lebenden Palästinenser*innen könnten schon bald gezwungen werden, ihre Häuser und ihr Land zu verlassen. Ayman Bani Owda ist einer von Tausenden Palästinenser*innen, die ohne Anklage und Gerichtsverfahren festgehalten werden. Wie andere palästinensische Inhaftierte darf er keinen Besuch von seiner Familie erhalten. Er wird willkürlich festgehalten, weil er sich für die Menschenrechte einsetzt.
Hintergrundinformation
Ayman Bani Owda, auch bekannt als Ayman Ghrayeb, ist ein 43-jähriger Menschenrechtler und Aktivist aus der Stadt Tammoun im Gouvernement Tubas im Norden des besetzten Westjordanlands. Er ist Mitbegründer der Frauenkooperative Ikhilia Women Cooperative und war bis zu seiner Festnahme deren Vorstandsvorsitzender. Die Kooperative bietet Unterstützung für palästinensische Landarbeiter*innen und Gemeinschaften im Jordantal. Ayman Bani Owda ist Vater von vier Kindern, von denen das jüngste noch keine zwei Jahre alt ist.
Seit 2007 widmet er sein Leben der Menschenrechtsarbeit und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen im Jordantal. Hier droht palästinensischen Beduinen- und Hirtengemeinschaften angesichts der Gewalt der israelischen Armee und staatlich unterstützter Siedler*innen sowie der Zugangsbeschränkungen zu Weideland die unmittelbare Zwangsumsiedlung. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten im besetzten palästinensischen Gebiet (OCHA-OPT) wurden zwischen Januar 2023 und dem 16. Februar 2026 insgesamt 4.765 Palästinenser*innen aus 97 Siedlungen und Gemeinden im C-Gebiet des Westjordanlands vertrieben; 35 Prozent der Vertriebenen, also 1.656 Personen, stammen aus dem Jordantal. Allein im Januar 2026 wurden über 600 Palästinenser*innen aus der beduinischen Gemeinschaft Ras Ein al-Ouja im zentralen Jordantal vertrieben. Dies war die größte Vertreibung aus einer einzelnen Gemeinde aufgrund von Angriffen durch Siedler*innen in den letzten drei Jahren.
Am 17. November 2025, als Ayman Bani Owda in der Gemeinde Fasayil eintraf, um Menschenrechtsverletzungen gegen die Hirt*innen zu dokumentieren, versperrten ihm zwei israelische Siedler*innen den Weg und riefen die israelische Armee, um ihn festnehmen zu lassen. Ayman Bani Owda wurde zunächst von einem zivilen Sicherheitskoordinator einer nahegelegenen Siedlung festgenommen, bevor er in Polizeigewahrsam überstellt wurde. Zwei Tage lang blieb sein Verbleib unbekannt, und erst nach beharrlichem Druck durch die von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Defenders Fund (HRDF) bestellte Rechtsanwältin Riham Nasra und der Androhung, einen Antrag auf richterliche Haftprüfung zu stellen, gab die israelische Armee bekannt, dass er heimlich auf dem Militärstützpunkt Samra im Jordantal festgehalten wurde. Im Militärgewahrsam war Ayman Bani Owda körperlicher Gewalt ausgesetzt. Sechs Tage nach seiner Festnahme wurde er wegen vager Vorwürfe der "Aufwiegelung gegen den Staat Israel" verhört. Am 14. Dezember bestätigte ein Militärgericht eine sechsmonatige Verwaltungshaftanordnung, die es staatlichen Stellen erlaubt, Menschen ohne Anklage und Gerichtsverfahren zu inhaftieren. Am 15. September 2026 ordnete der israelische Militärkommandeur zum dritten Mal Verwaltungshaft gegen Ayman Bani Owda an. Die Haft sollte um weitere vier Monate verlängert werden. Am 24. September 2026 bestätigte ein israelisches Militärgericht die Anordnung. Es verkürzte die zusätzliche Haftzeit jedoch von vier auf drei Monate.
Der Einsatz von Verwaltungshaft gegen Palästinenser*innen seitens der israelischen Behörden hatte 2023 bereits ein Rekordhoch erreicht, bevor die Behörden ab dem 7. Oktober 2023 damit begannen, noch stärker davon Gebrauch zu machen. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation HaMoked befanden sich im Oktober 2026 insgesamt 3.101 Palästinenser*innen in israelischer Verwaltungshaft.
Der systematische Einsatz von Verwaltungshaft durch die israelischen Behörden verletzt internationale Menschenrechtsnormen. Ihr Einsatz stellt eine willkürliche Inhaftierung dar und kann grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung oder Strafe gleichkommen, wenn Menschen über lange Zeit oder wiederholt in Verwaltungshaft genommen werden. Israels willkürlicher, pauschaler und diskriminierender Einsatz der Verwaltungshaft stellt eine unmenschliche Handlung dar, die dazu dient, das Apartheidsystem gegenüber den Palästinenser*innen aufrechtzuerhalten.
Walaa, Ayman Bani Owdas Frau, sagte gegenüber Amnesty International: "Seit Aymans Festnahme führt unser 16-jähriger Sohn, der seinem Vater sehr nahesteht, ein Tagebuch, das an seinen Vater gerichtet ist, und schreibt ihm darin von seinen Problemen und davon, wie sehr er ihn vermisst. Wir alle brauchen ihn wieder hier bei uns." Wie sie Amnesty weiter berichtete, stürmte am 27. November 2025, zehn Tage nach der Festnahme von Ayman Bani Owda, das israelische Militär bei einer Razzia in Tammoun in ihr Haus und quartierte sich zwei Tage lang dort ein. Die Familie wurde währenddessen aus dem Haus geworfen. Als sie danach zurückkam, fand sie das Haus verwüstet vor.
Ayman Bani Owda wird derzeit im Gilboa-Gefängnis im Norden Israels festgehalten. Dies stellt einen Verstoß gegen das Vierte Genfer Abkommen dar, nach der die Verlegung von Gefangenen außerhalb des besetzten Gebiets strengstens verboten ist. Die israelischen Behörden müssen Ayman Bani Owda und alle willkürlich inhaftierten Palästinenser*innen unverzüglich und bedingungslos freilassen.