Madagaskar: Weiterer Aktivist willkürlich inhaftiert
Der madagassische Aktivist Rakotoarijaona Vonimahery (auch bekannt als Mahery)
© Privat
Am 21. April wurde der Aktivist Rakotoarijaona Vonimahery willkürlich festgenommen. Die Kriminalpolizei inhaftierte ihn, hielt ihn etwa eine Woche lang ohne Zugang zu einem Anwalt fest und die Staatsanwaltschaft klagte ihn der "kriminellen Verschwörung" an. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Er hat aber nur seine Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit friedlich wahrgenommen und sich über WhatsApp mit einem ehemaligen Politiker über den Stand des aktuellen politischen Übergangs in Madagaskar und die gebrochenen Reformversprechen unterhalten.
Setzt euch für Mahery ein!
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Appell an
President of the Refoundation of the Republic
Michael Randrianirina
Palais d'État d'Iavoloha
Antananarivo 101
MADAGASKAR
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Madagaskar
Frau Ramahazosoa Hantavololona
Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Seepromenade 92
14612 Falkensee
Fax: 033-22 231 29
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie und Ihre Regierung nachdrücklich auf, Rakotoarijaona Vonimahery (Mahery) sowie alle anderen Aktivist*innen, die willkürlich inhaftiert oder unter richterliche Aufsicht gestellt wurden, nur weil sie ihre Menschenrechte friedlich wahrgenommen haben, sofort und bedingungslos freizulassen.
- Ich fordere Sie und Ihre Regierung außerdem auf, politisch motivierte Anschuldigungen zu unterlassen, die darauf abzielen, die politische Opposition bei den Wahlen im nächsten Jahr auszuschalten.
Sachlage
Am 21. April wurde Rakotoarijaona Vonimahery (auch bekannt als Mahery) in der Hauptstadt Antananarivo willkürlich und ohne Haftbefehl an seinem Arbeitsplatz von Polizist*innen festgenommen. Anschließend wurde er bei der Kriminalpolizei in Gewahrsam genommen, wo er etwa eine Woche lang ohne Zugang zu einem Anwalt festgehalten wurde. Die gegen ihn erhobene Anklage lautet auf "kriminelle Verschwörung".
Am 29. April wurde er zur Fortsetzung seiner Untersuchungshaft in das stark überfüllte Hochsicherheitsgefängnis Tsiafahy verlegt. Sein Anwalt konnte ihn seither nicht weiter vertreten, da er unter ständiger Überwachung stand. Dies wirft ernste Bedenken hinsichtlich Maherys Recht auf einen anwaltlichen Beistand auf.
Die Inhaftierung von Mahery ist Teil der zunehmenden Unterdrückung der Menschenrechte im Vorfeld der für 2027 geplanten Wahlen und der Angriffe auf junge Aktivist*innen und Mitglieder der Zivilgesellschaft, die der politischen Opposition zugerechnet werden. Vier Aktivist*innen – Rija Andriamalala, Carine Rakotomanantoanina, Herizo Andriamanantena und Nomena Elia Ratsihorimanana – wurden Ende April freigelassen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Drei der vier wurden jedoch nicht bedingungslos freigelassen. Sie stehen unter richterlicher Aufsicht und müssen den Justizbehörden regelmäßig Bericht erstatten. Dies schränkt ihre Menschenrechte und ihren Aktivismus stark ein. Und genau das soll damit erreicht werden. Andere Aktivist*innen leben in ständiger Angst, sich zu äußern, auch über die Fälle von Mahery und anderen inhaftierten Aktivist*innen, weil sie befürchten, ebenfalls Repressalien und ungerechte Verfolgung zu erfahren.
Hintergrundinformation
Die jetzige Militärregierung von Madagaskar übernahm im Oktober 2025 die Macht. Zuvor hatten vor allem Jugendliche für eine bessere Bereitstellung von Dienstleistungen protestiert, insbesondere für einen Zugang zu Wasser und Strom. Außerdem hatten sie eine effizientere und integrative Regierungsführung gefordert.
Die neuen Behörden versprachen Reformen, doch stattdessen verschärften sie die Repression unter dem Vorwand einer Anti-Korruptionskampagne. Sie nutzen weit gefasste Anklagen wegen krimineller Verschwörung, Bedrohung der nationalen Sicherheit oder Destabilisierung, um junge Aktivist*innen, Angehörige der Zivilgesellschaft und Personen, die mit dem früheren Regime in Verbindung stehen, zum Schweigen zu bringen. Dass junge Aktivist*innen ins Visier genommen werden, wurde im April 2026 deutlich, als Herizo Andriamanantena, Carine Rakotomanantoanina, Rija Andriamalala und Nomena Elia Ratsihorimanana willkürlich festgenommen und unter vagen Anschuldigungen inhaftiert wurden. Harnelle Rakotobe und Arimamy Todisoa drohte das gleiche Schicksal, nachdem sie grundlos beschuldigt worden waren. Alle vier inhaftierten Aktivist*innen wurden freigelassen. Doch die Freilassung von Herizo Andriamanantena, Rija Andriamalala und Carine Rakotomanantoanina erfolgte nicht bedingungslos. Alle drei wurden unter richterliche Aufsicht gestellt. Diese gilt bis heute und verpflichtet sie, den Behörden alle 15 Tage über das eigene Verhalten Bericht zu erstatten. Harnelle Rakotobe und Arimamy Todisoa wurden unterdessen nicht weiter bedroht.