Madagaskar: Verletzter Demonstrant braucht medizinische Versorgung

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Das Bild zeigt einen jungen Mann, auf der rechten Wange trägt er ein Pflaster

Betroffener von Polizeigewalt in Madagaskar: Jonathan Malagasy

Am 9. Oktober 2025 wurde der Aktivist Jonathan Malagasy während einer Demonstration der Generation Z in der Hauptstadt Madagaskars von großkalibrigen Schrotkugeln getroffen, die Sicherheitskräfte während des Protests abgefeuert hatten. Ein Geschoss durchschlug seine rechte Wange und hinterließ eine bleibende Narbe. Ein weiteres Geschoss steckt immer noch in seiner Schulter fest und muss sofort entfernt werden. Doch statt die dringend nötige medizinische Versorgung zu erhalten, gehen Morddrohungen bei ihm ein.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident,

ich möchte Sie heute auf den Fall von Jonathan Rasolofoharimalala (alias Jonathan Malagasy) aufmerksam machen. Er wurde am 9. Oktober 2025 während einer Demonstration der Generation Z in der Hauptstadt Madagaskars von großkalibrigen Schrotkugeln getroffen, die Sicherheitskräfte während des Protests abgefeuert hatten. Ein Geschoss durchschlug seine rechte Wange und hinterließ eine bleibende Narbe. Ein weiteres Geschoss steckt immer noch in seiner Schulter fest und muss sofort entfernt werden.

Fast ein Jahr danach hat er immer noch nicht die medizinische Versorgung erhalten, die er dringend benötigt, um das in seiner Schulter steckende Projektil entfernen zu lassen. Stattdessen hat er wegen seines Engagements und seiner in den Sozialen Medien geäußerten Kritik am anhaltenden Versagen der Regierung Morddrohungen erhalten. Auch wurde ihm gedroht, ihn in Haft zu nehmen. Jonathan Malagasy kritisiert, dass die Regierung den bei den Protesten Ende letzten Jahres Verletzten nach wie vor keine medizinische Versorgung und keine Möglichkeit gewährt, rechtlich gegen die Polizeigewalt vorzugehen. Keine betroffene Person sollte gezwungen sein, mit unbehandelten Verletzungen zu leben oder Vergeltungsmaßnahmen zu befürchten, weil sie Gerechtigkeit einfordert. Opfer rechtswidriger Gewaltanwendung durch Polizeikräfte müssen medizinische Versorgung und Wiedergutmachung erhalten, einschließlich wirksamer Ermittlungen, die es ermöglichen, die mutmaßlich für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen in fairen Verfahren zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich bitte Sie dafür zu sorgen, dass Jonathan Malagasy und alle anderen Personen, die bei den "Generation Z"-Protesten verletzt wurden, die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen, und dass ihnen eine wirksame Wiedergutmachung für die ihnen zugefügten Rechtsverletzungen gewährt wird.

Ich bitte Sie außerdem, die seit langem erwarteten unabhängigen, unparteiischen und wirksamen Ermittlungen wegen rechtswidriger Gewaltanwendung durchzuführen. Stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht und beenden Sie die Einschüchterungen und Drohungen gegen Jonathan Malagasy und andere, die Ihre Regierung in die Verantwortung nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Mr President Michael Randrianirina,

I am deeply concerned by your government's failure to provide healthcare and an effective remedy for people injured by law enforcement officers during the nationwide Gen Z protests against water and electricity shortages between September and October 2025. 

On 9 October 2025, at around 4:00 p.m, Jonathan Rasolofoharimalala (also known as Jonathan Malagasy) was among dozens of protesters trapped near the Befelatanana Maternity Hospital in Madagascar’s capital city of Antananarivo. Protesters were surrounded by security forces, with gendarmes positioned to the right and left, police directly in front, and the hospital – to which they had no access – behind them. Jonathan Malagasy was then unlawfully struck by buckshot fired by security forces. One projectile tore through his right cheek and another became lodged in his shoulder.

Jonathan Malagasy’s facial wound has left a permanent scar - although he received treatment from first-aid volunteers, he was unable to access treatment at public hospitals which were being closely monitored by the authorities to conceal the number of those had been victims of gunshot injuries. Nearly a year later, he has still not received the healthcare he urgently needs to remove the projectile lodged in his shoulder. Instead, he has been receiving death threats and warnings of imprisonment for his continued activism and criticism on social media of government’s continued failure to provide healthcare and effective remedy to people injured during the protests late last year. No one should be forced to live with untreated injuries or fear reprisals for seeking justice. Victims of the unlawful use of force by law enforcement must receive healthcare and a remedy, including effective investigations capable of holding those suspected of responsibility for human rights violations to account in fair proceedings.

I urge you to ensure that Jonathan Malagasy and all other people injured during the Gen Z protests receive the healthcare they need and an effective remedy for the violations they have suffered. I also call on your government to conduct the long-awaited independent, impartial, and effective investigations into the unlawful use of force, bring those responsible to justice, and end the intimidation and threats against Jonathan Malagasy and others calling your government to account.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 15.01.2027

Appell an

Interims President of the Refoundation of the Republic
Michael Randrianirina
Palais d’État d’Iavoloha
Antananarivo 101 
MADAGASKAR

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Madagaskar
Frau Ramahazosoa Hantavololona, Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Seepromenade 92
14601 Falkensee

Telefon: 03322 231 40
Fax: 03322 231 29
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass Jonathan Malagasy und alle anderen Personen, die bei den "Generation Z"-Protesten verletzt wurden, die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen, und dass ihnen eine wirksame Wiedergutmachung für die ihnen zugefügten Rechtsverletzungen gewährt wird.
  • Ich bitte Sie außerdem, die seit langem erwarteten unabhängigen, unparteiischen und wirksamen Ermittlungen wegen rechtswidriger Gewaltanwendung durchzuführen. Stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht und beenden Sie die Einschüchterungen und Drohungen gegen Jonathan Malagasy und andere, die Ihre Regierung in die Verantwortung nehmen.

Sachlage

Im September und Oktober 2025 protestierten Angehörige der Generation Z landesweit gegen Wasser- und Stromknappheit. Die Regierung hat bislang nicht dafür gesorgt, dass die Menschen, die während der Proteste durch Polizist*innen verletzt wurden, medizinische Versorgung und wirksame Rechtsmittel in Anspruch nehmen können.

Am 9. Oktober 2025 gegen 16:00 Uhr befand sich Jonathan Malagasy unter Dutzenden von Demonstrant*innen, die in der Nähe der Befelatanana-Entbindungsklinik in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo eingekesselt waren. Die Demonstrierenden waren von Sicherheitskräften umzingelt: Rechts und links standen Angehörige der Gendarmerie, direkt vor ihnen die Polizei und hinter ihnen war das Krankenhaus, zu dem sie keinen Zugang hatten. Jonathan Malagasy wurde von Schrotkugeln getroffen, die Sicherheitskräfte abgefeuert hatten. Ein Geschoss durchschlug seine rechte Wange, ein weiteres blieb in seiner Schulter stecken.

Jonathan Malagasys Gesichtswunde hat eine bleibende Narbe hinterlassen – obwohl er Erste Hilfe erhielt. Er hatte jedoch keinen Zugang zu einer Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern, die von den Behörden streng überwacht wurden, um die Zahl der Opfer von Schussverletzungen zu verschleiern. Fast ein Jahr danach hat er immer noch nicht die medizinische Versorgung erhalten, die er dringend benötigt, um das in seiner Schulter steckende Projektil entfernen zu lassen. Stattdessen hat er wegen seines Engagements und seiner in den Sozialen Medien geäußerten Kritik am anhaltenden Versagen der Regierung Morddrohungen erhalten. Auch wurde ihm gedroht, ihn in Haft zu nehmen. Jonathan Malagasy kritisiert, dass die Regierung den bei den Protesten Ende letzten Jahres Verletzten nach wie vor keine medizinische Versorgung und keine Möglichkeit gewährt, rechtlich gegen die Polizeigewalt vorzugehen. Keine betroffene Person sollte gezwungen sein, mit unbehandelten Verletzungen zu leben oder Vergeltungsmaßnahmen zu befürchten, weil sie Gerechtigkeit einfordert. Opfer rechtswidriger Gewaltanwendung durch Polizeikräfte müssen medizinische Versorgung und Wiedergutmachung erhalten, einschließlich wirksamer Ermittlungen, die es ermöglichen, die mutmaßlich für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen in fairen Verfahren zur Rechenschaft zu ziehen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die jetzige Militärregierung von Madagaskar übernahm im Oktober 2025 die Macht. Zuvor hatten vor allem Jugendliche für eine bessere Bereitstellung von Dienstleistungen protestiert, insbesondere für einen Zugang zu Wasser und Strom. Die neuen Behörden versprachen Reformen, doch stattdessen verschärften sie die Repression unter dem Vorwand einer Anti-Korruptionskampagne. Sie nutzen weit gefasste Anklagen wegen krimineller Verschwörung, Bedrohung der nationalen Sicherheit oder Destabilisierung, um junge Aktivist*innen, Angehörige der Zivilgesellschaft und Personen, die mit der früheren Regierung in Verbindung stehen, zum Schweigen zu bringen. 

Der Präsident der Übergangsregierung, Michael Randrianirina, war kaum einen Monat an der Macht, als er seine Absicht zum Ausdruck brachte, bei den Wahlen zu kandidieren, zu deren Durchführung er sich innerhalb von zwei Jahren verpflichtet hatte. Die neue Regierung versucht so, ihre Übergangsherrschaft zu stabilisieren. Dies erklärt nicht nur die zunehmende Repression, sondern auch das Fehlen ernsthafter Bemühungen, gegen Angehörige des Militärs, der Gendarmerie und der Polizi zu ermitteln, die im vergangenen Jahr Demonstrierende verletzt und getötet haben.

Das Parlament – das weitgehend auf der Linie der neuen Militärregierung steht – hat sich dagegen entschieden, die Kommission, die Ermittlungen gegen hochrangige Behördenvertreter*innen wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße führen soll, mit ihrer Arbeit zu beauftragen. Stattdessen richteten sich die Ermittlungen wegen "gewaltsamer Maßnahmen zur Unterdrückung von Demonstrierenden" bislang ausschließlich gegen ehemalige Behhördenvertreter*innen, die mit der vorherigen Regierung in Verbindung standen.