Madagaskar: Verletzter Demonstrant braucht medizinische Versorgung
Betroffener von Polizeigewalt in Madagaskar: Jonathan Malagasy
© privat
Am 9. Oktober 2025 wurde der Aktivist Jonathan Malagasy während einer Demonstration der Generation Z in der Hauptstadt Madagaskars von großkalibrigen Schrotkugeln getroffen, die Sicherheitskräfte während des Protests abgefeuert hatten. Ein Geschoss durchschlug seine rechte Wange und hinterließ eine bleibende Narbe. Ein weiteres Geschoss steckt immer noch in seiner Schulter fest und muss sofort entfernt werden. Doch statt die dringend nötige medizinische Versorgung zu erhalten, gehen Morddrohungen bei ihm ein.
Bitte setzt euch für Jonathan Malagasy ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Interims President of the Refoundation of the Republic
Michael Randrianirina
Palais d’État d’Iavoloha
Antananarivo 101
MADAGASKAR
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Madagaskar
Frau Ramahazosoa Hantavololona, Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Seepromenade 92
14601 Falkensee
Telefon: 03322 231 40
Fax: 03322 231 29
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass Jonathan Malagasy und alle anderen Personen, die bei den "Generation Z"-Protesten verletzt wurden, die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen, und dass ihnen eine wirksame Wiedergutmachung für die ihnen zugefügten Rechtsverletzungen gewährt wird.
- Ich bitte Sie außerdem, die seit langem erwarteten unabhängigen, unparteiischen und wirksamen Ermittlungen wegen rechtswidriger Gewaltanwendung durchzuführen. Stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht und beenden Sie die Einschüchterungen und Drohungen gegen Jonathan Malagasy und andere, die Ihre Regierung in die Verantwortung nehmen.
Sachlage
Im September und Oktober 2025 protestierten Angehörige der Generation Z landesweit gegen Wasser- und Stromknappheit. Die Regierung hat bislang nicht dafür gesorgt, dass die Menschen, die während der Proteste durch Polizist*innen verletzt wurden, medizinische Versorgung und wirksame Rechtsmittel in Anspruch nehmen können.
Am 9. Oktober 2025 gegen 16:00 Uhr befand sich Jonathan Malagasy unter Dutzenden von Demonstrant*innen, die in der Nähe der Befelatanana-Entbindungsklinik in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo eingekesselt waren. Die Demonstrierenden waren von Sicherheitskräften umzingelt: Rechts und links standen Angehörige der Gendarmerie, direkt vor ihnen die Polizei und hinter ihnen war das Krankenhaus, zu dem sie keinen Zugang hatten. Jonathan Malagasy wurde von Schrotkugeln getroffen, die Sicherheitskräfte abgefeuert hatten. Ein Geschoss durchschlug seine rechte Wange, ein weiteres blieb in seiner Schulter stecken.
Jonathan Malagasys Gesichtswunde hat eine bleibende Narbe hinterlassen – obwohl er Erste Hilfe erhielt. Er hatte jedoch keinen Zugang zu einer Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern, die von den Behörden streng überwacht wurden, um die Zahl der Opfer von Schussverletzungen zu verschleiern. Fast ein Jahr danach hat er immer noch nicht die medizinische Versorgung erhalten, die er dringend benötigt, um das in seiner Schulter steckende Projektil entfernen zu lassen. Stattdessen hat er wegen seines Engagements und seiner in den Sozialen Medien geäußerten Kritik am anhaltenden Versagen der Regierung Morddrohungen erhalten. Auch wurde ihm gedroht, ihn in Haft zu nehmen. Jonathan Malagasy kritisiert, dass die Regierung den bei den Protesten Ende letzten Jahres Verletzten nach wie vor keine medizinische Versorgung und keine Möglichkeit gewährt, rechtlich gegen die Polizeigewalt vorzugehen. Keine betroffene Person sollte gezwungen sein, mit unbehandelten Verletzungen zu leben oder Vergeltungsmaßnahmen zu befürchten, weil sie Gerechtigkeit einfordert. Opfer rechtswidriger Gewaltanwendung durch Polizeikräfte müssen medizinische Versorgung und Wiedergutmachung erhalten, einschließlich wirksamer Ermittlungen, die es ermöglichen, die mutmaßlich für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen in fairen Verfahren zur Rechenschaft zu ziehen.
Hintergrundinformation
Die jetzige Militärregierung von Madagaskar übernahm im Oktober 2025 die Macht. Zuvor hatten vor allem Jugendliche für eine bessere Bereitstellung von Dienstleistungen protestiert, insbesondere für einen Zugang zu Wasser und Strom. Die neuen Behörden versprachen Reformen, doch stattdessen verschärften sie die Repression unter dem Vorwand einer Anti-Korruptionskampagne. Sie nutzen weit gefasste Anklagen wegen krimineller Verschwörung, Bedrohung der nationalen Sicherheit oder Destabilisierung, um junge Aktivist*innen, Angehörige der Zivilgesellschaft und Personen, die mit der früheren Regierung in Verbindung stehen, zum Schweigen zu bringen.
Der Präsident der Übergangsregierung, Michael Randrianirina, war kaum einen Monat an der Macht, als er seine Absicht zum Ausdruck brachte, bei den Wahlen zu kandidieren, zu deren Durchführung er sich innerhalb von zwei Jahren verpflichtet hatte. Die neue Regierung versucht so, ihre Übergangsherrschaft zu stabilisieren. Dies erklärt nicht nur die zunehmende Repression, sondern auch das Fehlen ernsthafter Bemühungen, gegen Angehörige des Militärs, der Gendarmerie und der Polizi zu ermitteln, die im vergangenen Jahr Demonstrierende verletzt und getötet haben.
Das Parlament – das weitgehend auf der Linie der neuen Militärregierung steht – hat sich dagegen entschieden, die Kommission, die Ermittlungen gegen hochrangige Behördenvertreter*innen wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße führen soll, mit ihrer Arbeit zu beauftragen. Stattdessen richteten sich die Ermittlungen wegen "gewaltsamer Maßnahmen zur Unterdrückung von Demonstrierenden" bislang ausschließlich gegen ehemalige Behhördenvertreter*innen, die mit der vorherigen Regierung in Verbindung standen.