Kolumbien: Menschenrechtszentrum CINEP schützen!

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Das Logo der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation CINEP

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Am 3. Mai veröffentlichte die paramilitärische Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC), auch bekannt als Clan del Golfo, einen Drohbrief gegen das renommierte Forschungs- und Menschenrechtszentrum CINEP. Dabei handelte es sich keineswegs um einen Einzelfall: Bereits zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Monaten schüchterte die EGC das CINEP öffentlich ein.

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Sehr geehrter Herr Direktor,

die erneute Drohung der paramilitärischen Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC) gegen das Forschungs- und Menschenrechtszentrum Centro de Investigación y Educación Popular / Programa por la Paz (CINEP/PPP) gibt Anlass zu großer Sorge. Am 3. Mai veröffentlichte die EGC einen Drohbrief gegen das CINEP und dessen stellvertretenden Direktor, Juan Pablo Guerrero. Darin widersprach die EGC Juan Pablo Guerrero, der sich zuvor zu einem Mechanismus geäußert hatte, der zur Überwachung von Verhandlungen zwischen der EGC und der kolumbianischen Regierung eingerichtet worden war. Später erklärte die kolumbianische Ombudsstelle (Defensoría del Pueblo), dass die Äußerungen der EGC das Recht der CINEP‑Mitarbeiter*innen, sich für Menschenrechte einzusetzen, verletze und deren Leben, Unversehrtheit und Sicherheit gefährde.

Amnesty International wurde darüber informiert, dass die nationale Schutzeinheit Unidad Nacional de Protección (UNP) das Verfahren zur Risikoeinschätzung und zur Festlegung kontinuierlicher Schutzmaßnahmen eingeleitet hat. Doch noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass wirksame Maßnahmen ergriffen worden wären oder sich die Sicherheitslage der CINEP‑Mitarbeiter*innen positiv entwickelt hätte.

Ich fordere Sie höflich auf, den Prozess der Risikobewertung für das CINEP/PPP schnell voranzutreiben und der Organisation und ihren Mitarbeiter*innen umfassende Schutzmaßnahmen zu gewähren. Diese Maßnahmen müssen mit den Betroffenen abgestimmt werden und deren besondere Situation, einschließlich ihres Status als Menschenrechtsverteidiger*innen, umfassend berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Mr. Director,

I am writing to express my deep concern about the situation of the Popular Research and Education Center / Programme for Peace (CINEP/PPP), a human rights defence organization and think-tank based in Bogotá, Colombia. As the institution you lead already knows, on 3 May 2026 the Gaitanista Army of Colombia (A.K.A. Gulf’s Clan), one of the biggest organized armed groups in the country, released a public statement intimidating CINEP/PPP and its deputy director, Juan Pablo Guerrero. The armed group contradicted declarations made by Mr. Guerrero regarding the methodology of a mechanism created to monitor negotiations between the group and the Colombian government and its impact in the territories. As the Ombudswoman’s Office stated later, the armed group’s statements infringed CINEP/PPP and its staff’s right to defend human rights and risked their lives, integrity and safety.

The UNP is one of the institutions in charge of protecting CINEP/PPP and its staff. Amnesty International has been informed that the administrative process to assess their risk and determine collective protection measures has begun. However, there are no news about effective measures being taken or any positive impact on the security situation of CINEP/PPP and its staff.

I urge you to advance promptly with the risk assessment process for CINEP/PPP, and to provide it with comprehensive collective protection measures. These measures must be agreed with them and fully address their specific circumstances, including their status as human rights defenders.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.08.2026

Appell an

Augusto Rodríguez Ballesteros
Director
Unidad Nacional de Protección
Carrera 44 No. 20-21
Bogotá DC
KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, den Prozess der Risikobewertung für das CINEP/PPP schnell voranzutreiben und der Organisation und ihren Mitarbeiter*innen umfassende Schutzmaßnahmen zu gewähren. Diese Maßnahmen müssen mit den Betroffenen abgestimmt werden und deren besondere Situation, einschließlich ihres Status als Menschenrechtsverteidiger*innen, umfassend berücksichtigen.

Sachlage

Die erneute Drohung der paramilitärischen Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC) gegen das Forschungs- und Menschenrechtszentrum Centro de Investigación y Educación Popular / Programa por la Paz (CINEP/PPP) gibt Anlass zu großer Sorge. Am 3. Mai veröffentlichte die EGC einen Drohbrief gegen das CINEP und dessen stellvertretenden Direktor, Juan Pablo Guerrero. Darin widersprach die EGC Juan Pablo Guerrero, der sich zuvor zu einem Mechanismus geäußert hatte, der zur Überwachung von Verhandlungen zwischen der EGC und der kolumbianischen Regierung eingerichtet worden war. Später erklärte die kolumbianische Ombudsstelle (Defensoría del Pueblo), dass die Äußerungen der EGC das Recht der CINEP‑Mitarbeiter*innen, sich für Menschenrechte einzusetzen, verletze und deren Leben, Unversehrtheit und Sicherheit gefährde.

Die EGC, auch bekannt als Clan del Golfo, ging aus der AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia) hervor und ist eine der größten organisierten bewaffneten Gruppen des Landes. Bereits vor einigen Monaten hatte die EGC auf ihrem X-Account behauptet, dass das CINEP Verbindungen zur Nationalen Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN) habe, einer nach wie vor aktiven, bewaffneten Guerillagruppe. Damit wiederholte sie ein Muster der Stigmatisierung, das eine lange Geschichte hat. Diese Behauptung, für die es keinerlei Belege gibt, bringt alle CINEP‑Mitarbeiter*innen in große Gefahr, denn solche Stigmatisierungen werden in Kolumbien häufig als Rechtfertigung für Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger*innen herangezogen. Auch die Ombudsstelle warnte vor den Folgen solcher Erklärungen. Amnesty International wurde darüber informiert, dass die nationale Schutzeinheit Unidad Nacional de Protección (UNP) das Verfahren zur Risikoeinschätzung und zur Festlegung kontinuierlicher Schutzmaßnahmen eingeleitet hat. Die UNP ist eine der staatlichen Stellen, die für den Schutz der CINEP‑Mitarbeiter*innen zuständig sind. Doch noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass wirksame Maßnahmen ergriffen worden wären oder sich die Sicherheitslage der CINEP‑Mitarbeiter*innen positiv entwickelt hätte.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Forschungs- und Menschenrechtszentrum Centro de Investigación y Educación Popular / Programa por la Paz (CINEP/PPP) ist eine NGO in Bogotá, die sich mit gesellschaftlichen Problemen, Menschenrechten und Friedensarbeit beschäftigt. Seit seiner Gründung durch den Jesuitenorden im Jahr 1972 ist das CINEP eine der führenden Organisationen, die die politische Gewalt im Land dokumentiert, anprangert und sich für die Menschenrechte einsetzt.

Das CINEP war immer wieder Ziel von politischer Gewalt. Im Laufe der Jahre war die Organisation Drohungen und Angriffen ausgesetzt, mit denen man sie einschüchtern und ihre Menschenrechtsarbeit behindern wollte. 1997 wurden die CINEP‑Mitarbeiter*innen Mario Calderón und Elsa Alvarado in Bogotá ermordet. Fast 30 Jahre später stufte die Generalstaatsanwaltschaft den Angriff als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein – doch die Täter*innen bleiben straffrei. Glaubwürdige Aussagen deuten darauf hin, dass staatliche Akteure und paramilitärische Kräfte an dem Verbrechen beteiligt waren.

Als Menschenrechtsorganisation und Thinktank hat CINEP seine Arbeit seit jeher auf Regionen und Gemeinschaften konzentriert, die in Kolumbien von bewaffneter Gewalt, Diskriminierung und Entrechtung betroffen sind. Dazu gehören auch die Regionen Darién Gap und das Atrato-Flussgebiet im Departamento Chocó an der kolumbianischen Pazifikküste. In diesen abgelegenen Regionen sind seit langem verschiedene bewaffnete Gruppen aktiv, darunter Guerilla- und paramilitärische Gruppen. In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren operierten dort paramilitärische Gruppen in Abstimmung mit der kolumbianischen Armee. Amnesty International dokumentierte damals massive Vertreibungen und zahlreiche weitere schwere Menschenrechtsverletzungen.

Die paramilitärischen Kräfte wurden Mitte der 2000er-Jahre demobilisiert. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo, FARC-EP) waren jedoch bis zu ihrer eigenen Demobilisierung Anfang 2017 – im Anschluss an die Unterzeichnung des Friedensabkommens von 2016 – in der Region Chocó aktiv. Im Laufe des Jahres 2017 warnte Amnesty International wiederholt vor Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere gegen indigene und afrokolumbianische Gemeinschaften, die sowohl von abtrünnigen paramilitärischen Gruppen als auch von der ELN verübt wurden. Diese Gruppen füllten das Vakuum, das durch die Demobilisierung der FARC-EP entstanden war. Amnesty International kam 2017 im englischsprachigen Bericht The Years of Solitude Continue: Colombia, the Peace Agreement and Guarantees of Non-Repetition in Chocó (Die Jahre der Einsamkeit dauern an: Kolumbien, das Friedensabkommen und Garantien der Nicht‑Wiederholung von Gewalttaten im Chocó) zu dem Schluss, dass der Staat seinen im Friedensabkommen von 2016 festgelegten Verpflichtungen zum Schutz vor und zur Nichtwiederholung von Gewalttaten nicht nachgekommen ist.

Seitdem haben verschiedene Institutionen – angefangen bei der staatlichen Ombudsstelle bis hin zu verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Amnesty International – Menschenrechtsverletzungen durch bewaffnete Gruppen angeprangert. Beteiligt sind auch die paramilitärische Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC), auch bekannt als Clan del Golfo, die aus der Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) hervorging.

Am 25. Juni 2025 veröffentlichte das CINEP seinen jüngsten Bericht zur Lage vor Ort. Darin zeigt das Menschenrechtszentrum auf, wie die EGC die territoriale Kontrolle in der Region ausübt und versucht, die lokalen Machtverhältnisse zum Nachteil indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften neu zu ordnen. Seitdem war das CINEP Ziel mehrerer stigmatisierender und einschüchternder Äußerungen seitens der EGC, die sich gleichzeitig in öffentlichen Verhandlungen mit der kolumbianischen Regierung befindet. Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen sowie die staatliche Ombudsstelle haben diese Drohungen kritisiert.