Kolumbien: indigenes Land und Leute schützen!

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Eine Gruppe von Menschen hält ihre ineinander verschränkten Hände gemeinsam nach oben gerichtet. An den Handgelenken einiger Personen sind auffällige, bunt gewebte Armbänder mit geometrischen Mustern zu erkennen.

Umweltaktivist*innen während eines Protests auf dem COP16-Gipfel am 31. Oktober 2024 in Cali, Kolumbien

Am 14. März zerstörten Unbekannte eine große Informationstafel, die von der indigenen Gemeinde Aseinpome auf ihrem Land aufgestellt worden war. Dieses Territorium wurde ihnen von der Nationalen Landbehörde 2023 formell zugesprochen und von Präsident Gustavo Petro am 6. Oktober 2023 öffentlich übergeben. Später am 14. März schüchterten Männer mit Gewehren die Menschen in einer der Siedlungen der Gemeinde ein. Die Informationstafel wies das indigene Land aus. Ihre Zerstörung und die Einschüchterungen stellen eine Bedrohung für das Leben und die territorialen Rechte des indigenen Volkes dar. Ihre Rechte werden seit langem von Personen in Frage gestellt, die dieses und weiteres Land in Puerto Gaitán besitzen wollen. Amnesty International fordert die Nationale Landbehörde auf, das Gebiet aufzusuchen und die territorialen Rechte von Aseinpome zu gewährleisten.

Setzt euch für die Aseinpome-Gemeinschaft ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Direktor Harman,

am 14. März zerstörten Unbekannte eine große Informationstafel, die von der indigenen Gemeinde Aseinpome auf ihrem Land aufgestellt worden war. Dieses Territorium wurde ihnen von der Nationalen Landbehörde 2023 formell zugesprochen und von Präsident Gustavo Petro am 6. Oktober 2023 öffentlich übergeben. Später am 14. März schüchterten Männer mit Gewehren die Menschen in einer der Siedlungen der Gemeinde ein. Die Informationstafel wies das indigene Land aus. Ihre Zerstörung und die Einschüchterungen stellen eine Bedrohung für das Leben und die territorialen Rechte des indigenen Volkes dar. Ihre Rechte werden seit langem von Personen in Frage gestellt, die dieses und weiteres Land in Puerto Gaitán besitzen wollen. 

Ich fordere Sie in Ihrer Funktion als Direktor der Nationalen Landbehörde nachdrücklich auf, das Land der Aseinpome aufzusuchen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die territorialen und kulturellen Rechte des indigenen Volkes, wie sie im Abkommen 219 von 2023 anerkannt werden, in der Praxis zu gewährleisten.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Director Harman,

I am writing to express my deep concern about the territorial rights and safety of the Aseinpome Indigenous community of El Porvenir, in the municipality of Puerto Gaitán, Meta department. This community, formed by members of the Sikuani and Kubeo peoples, has historically been a victim of violence, land dispossession and forced displacement.

In an act of historical reparation, on 1 August 2023 the National Lands Agency, currently under your leadership, issued the Accord 219 of 2023, formally recognising the Aseinpome Indigenous reserve and clearly establishing the boundaries of the territory recognised as its collective land. This decision was publicly delivered by President Gustavo Petro to Aseinpome’s governor on 6 October 2023.

In exercising its territorial rights, the Aseinpome community has sought to identify and demarcate its land, finding that parts of the reserve remain occupied by individuals claiming ownership. This situation escalated on 14 March 2026, when a billboard installed by the community within its recognised territory to indicate the existence of the Indigenous reserve was violently removed, directly challenging Aseinpome’s rights as established by the Agency’s decision.

I therefore urge you, as Director of the National Lands Agency, to visit the Aseinpome reserve and take concrete measures to guarantee in practice the community’s territorial and cultural rights, as recognised in Accord 219 of 2023.

Yours sincerely,

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Appell an

Director de la Agencia Nacional de Tierras
Juan Felipe Harman Ortiz
Calle 43 No.57-41
Bogotá DC
KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Bitte nutzt auch X-Nachrichten: @AgenciaTierras; @harmanfelipe.

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie in Ihrer Funktion als Direktor der Nationalen Landbehörde nachdrücklich auf, das Land der Aseinpome aufzusuchen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die territorialen und kulturellen Rechte des indigenen Volkes, wie sie im Abkommen 219 von 2023 anerkannt werden, in der Praxis zu gewährleisten.

Sachlage

Es besteht große Sorge um die territorialen Rechte und die Sicherheit der Gemeinschaft der Aseinpome in El Porvenir in der Gemeinde Puerto Gaitán im Departamento Meta. Diese Gemeinschaft besteht aus Angehörigen der indigenen Völker der Sikuani und der Kubeo und hat in der Vergangenheit Gewalt, Landenteignung und Vertreibung erfahren.

In einem Akt historischer Wiedergutmachung erließ die Nationale Landbehörde (Agencia Nacional de Tierras - ANT) am 1. August 2023 die Vereinbarung 219/2023, mit der das Territorium der Aseinpome-Indigenen formell anerkannt und die Grenzen des als kollektives Land anerkannten Gebiets eindeutig festgelegt wurden. Dieser Beschluss wurde dem Gouverneur von Aseinpome am 6. Oktober 2023 von Präsident Gustavo Petro öffentlich übergeben.

In Wahrnehmung ihrer territorialen Rechte hat sich die Aseinpome-Gemeinschaft bemüht, ihr Land kenntlich zu machen und abzustecken. Dabei stellte sie fest, dass Teile des Territoriums nach wie vor von Personen besetzt sind, die Anspruch darauf erheben. Mit dem Aufstellen einer großen Informationstafel auf ihrem Land wollte die Gemeinde auf die Existenz des indigenen Landes hinweisen. Die Situation eskalierte am 14. März 2026, als diese Tafel gewaltsam entfernt wurde. 

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Orinoquian-Ebenen umfassen riesige Gebiete mit reichlich Wasservorkommen, sehr guten Bedingungen für Landwirtschaft und Viehzucht sowie bedeutenden Ölreserven. Diese traditionell von indigenen Völkern bewohnten Gebiete werden seit Jahrzehnten gewaltsam von Akteuren besetzt, die versuchen, sich das Land anzueignen, es auf betrügerische Weise in Besitz zu nehmen und es dann an jene zu verkaufen, die dort Agrarindustrie oder Ölförderung betreiben wollen.

Gleichzeitig haben indigene Völker und kleinbäuerliche Gemeinschaften, die oft aus anderen Teilen Kolumbiens vertrieben wurden, dort Siedlungen errichtet und kleinbäuerliche Praktiken beibehalten, die den Interessen all jener entgegenstehen, die das Land zu Unrecht besetzt haben bzw. es in mutmaßlich guter Absicht erworben haben und dort eine wirtschaftliche Entwicklung anstreben. Die Behörden stehen seit Langem in der Pflicht, die Besitzverhältnisse an Grund und Boden zu klären und dabei die Rechte der Betroffenen von Enteignung und Vertreibung zu berücksichtigen. Trotz des bestehenden Landrückgabesystems und der Bemühungen um eine Reform für den ländlichen Raum gibt es nach wie vor zahlreiche Konflikte, und kleinbäuerliche und indigene Gemeinschaften, die ihre Landrechte verteidigen, werden weiter bedroht und angegriffen.

Das "Asentamiento Indígena del Porvenir Meta" (Indigene Siedlung von El Porvenir in Meta), auch Aseinpome genannt, besteht aus 54 Sikuani- und Kubeo-Familien und umfasst rund 230 Personen. Ihre Vorfahren, die Sikuani, wurden Mitte des 20. Jahrhunderts von Siedler*innen gewaltsam aus diesem Gebiet vertrieben. Die Siedler*innen eigneten sich das Land mit Hilfe von Drohungen und Gewalt an, und "jagten" die Sikuani sogar. Die Sikuani flohen nach Süden in den Amazonasregenwald, wo sie auf Kubeo-Familien trafen, die ebenfalls Gewalt erfahren hatten und sogar versklavt worden waren. Die beiden Gemeinschaften taten sich zusammen und zogen jahrzehntelang durch den Süden und Osten Kolumbiens, wo sie weitere Gewalt und Vertreibung erfuhren, bis sie sich schließlich 2015 auf dem Land ihrer Vorfahren in El Porvenir niederließen.

Die Landrückgabe wurde möglich, nachdem der Staat gefälschte Eigentumstitel für ungültig erklärt hatte, die jahrzehntelang von Landbesitzer*innen mit Verbindung zu paramilitärischen Gruppen gehalten wurden. So machten sich Interessent*innen während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien im 20. und frühen 21. Jahrhundert Land gewaltsam zu eigen. Die Eigentumsverhältnisse in El Porvenir sind jedoch zwischen indigenen Völkern und bäuerlichen Gemeinschaften auf der einen Seite und anderen Personen nach wie vor umkämpft. Diese Personen behaupten, sie hätten das Land in gutem Glauben erworben. Diese Situation wurde von Amnesty International in dem englischsprachigen Bericht "A land title is not enough: Ensuring sustainable land restitution in Colombia" von 2014 dokumentiert. Im Jahr 2016 wies das Verfassungsgericht in seinem Urteil SU-426 die nationale kolumbianische Bodenbehörde an, das Gebiet El Porvenir den "angestammten Bewohner*innen" rückzuübertragen. Doch fast ein Jahrzehnt später ist man dieser Forderung immer noch nicht nachgekommen. Die Spannungen bestehen weiter.

Die Landkonflikte haben immer wieder zu Gewalt geführt. Die Aseinpome-Gemeinschaft war Bedrohungen und Angriffen ausgesetzt, darunter Invasionen auf ihrem Land und das Niederbrennen von Häusern, wie in einer Urgent Action im Mai 2020 zum Thema gemacht wurde. Die Gemeinschaft konnte nie in Frieden leben, wie in Berichten von Amnesty International von 2020 und 2023 zu der Gewalt gegen diejenigen, die in Kolumbien ihre Land-, Gebiets- und Umweltrechte verteidigen, deutlich wird. Nahe gelegene bäuerliche Gemeinden, darunter in El Porvenir und Matarratón, waren ebenfalls von Gewalt betroffen, wie Amnesty International in Urgent Actions 2015 und 2019 thematisierte. Luz Marina Arteaga, eine wichtige Sprecherin des Landrückgabeprozesses in Matarratón und El Porvenir, wurde wegen ihrer Arbeit mehrfach bedroht und fiel im Januar 2022 dem Verschwindenlassen zum Opfer. Ihre Leiche wurde später am Ufer des Meta-Flusses in Orocué in Casanare, gefunden. Noch im Dezember 2025 veröffentlichte Amnesty International eine Urgent Action, in der die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft aufgefordert wird, heftige Drohungen gegen Sprecher*innen der Gemeinden zu untersuchen.

Im Jahr 2023 wurde Aseinpome von der kolumbianischen Regierung formell als indigenes Territorium anerkannt, und zwar durch ANT-Abkommen 219, 2023 ein Meilenstein, der zur Beilegung von Landstreitigkeiten und zur Beendigung gewalttätiger Zwischenfälle beitragen sollte. Die Entscheidung übermittelte der Präsident der Republik persönlich an den Gouverneur von Aseinpome bei einem Festakt in der Nähe von El Porvenir. Die Gemeinschaft hat jedoch immer noch keinen Zugang zu zwei Dritteln des ihr gemeinschaftlich zustehenden Landes, und die Gewährleistung einer wirksamen staatlichen Kontrolle über ihr Gebiet steht noch aus. Teile des Landes sind nach wie vor von anderen Anspruchsteller*innen besetzt, was zu anhaltenden Spannungen und dem Risiko weiterer Gewalt führt.

Am 2. und 3. März stellte die Gemeinde Aseinpome große Stellwände auf, die auf die Existenz des indigenen Landes und dessen Formalisierung durch die Entscheidung der ANT hinwiesen. Am 14. März wurde eine der Informationstafeln gewaltsam zerstört, und in der Nacht tauchten bewaffnete Männer mit Gewehren in der Nähe einer der Siedlungen der Gemeinde auf. Sie zogen sich erst zurück, als Angehörige der Indigenous Guard eintrafen, eine gewaltfreie Selbsorganisation zur Verteidigung der Siedlungen. Diese Ereignisse wurden von der Corporación Claretiana Norman Pérez Bello öffentlich verurteilt, einer Menschenrechtsorganisation, die seit langem die territorialen Ansprüche von Aseinpome und anderen indigenen Völkern und bäuerlichen Gemeinschaften in der Region unterstützt.